SULTAN BAZAR

von Silvia Aliprandi

Sultan Bazar - eine kleine, bunte und belebte Straße. Ein Geschäft nach dem anderen. Verschiedenfarbige Saris in kunstvollen Falten drapiert, zieren die Eingänge der einzelnen Geschäfte. Vor den Geschäften stehen Karren, beladen mit allem möglichen Schnick-Schnack: kleine Porzellantässchen, bunte Glasarmreifen, Ohrringe und weiterer Schmuck. Die Straße ist gesteckt voll mit Menschen; die Frauen sind mit riesigen Taschen behangen, am Rockzipfel hängen die kleinen Kinder. Die Masse schiebt sich durch die Straße, von den Rikscha- und Motorradfahrern an die Seite gedrängt, die ungeduldig hupen.

Am Straßenrand gedrängt, muss ich aufpassen, dass ich niemanden in die Fersen trete oder einen der kleinen Stände umrenne. Besondere Ausweichmanöver sind bei den „fliegenden Händlern“ angesagt, denn sie halten mir alles mögliche Zeug unter die Nase: Haarklammern, Kordeln, Schutzhüllen für Fernbedienungen und Wattestäbchen. Aus der Ferne höre ich wie mir ein Shopverkäufer zu ruft: „Madam, what do you want?“ Freundlich wimmele ich alle Händler ab, heute habe ich gute Laune, bin frisch und munter. Es gibt nichts Schlimmeres als sich dem Basargetümmel schlecht gelaunt, hungrig und müde und noch dazu bei sengender Hitze hinzugeben!

Ich passiere Ladenverkäufer, überhole Fußgänger, plötzlich höre ich, wie jemand nahe an meinem Ohr zu mir sagt: „Welcome to India, Madam!“

Ich drehe mich nicht um, freue mich über das Gesagte, überlasse es meiner Fantasie wie der Sprecher wohl aussieht und setze meinen Weg fort.