|
PublikationenLiteraturEcotourism - A Guide for Planners and Managers.Von Kreg Lindberg, Megan E. Wood, David Engeldrum. Volume 2, The Ecotourism Society, North Bennington, Vermont, 1998.Der zweite Band des Buches "Ecotourism – A Guide for Planners and Managers" verspricht in seinem Vorwort eine Reihe von praktischen Hinweisen für eine gemäß der Definition der Ecotourism Society (TES) nachhaltige Tourismusplanung. Primär geht es darum, wie mit Hilfe von Ökotourismus der Schutz von Nationalparks wirksam finanziert und umgesetzt werden kann. Das pragmatische Wie spiegelt als zentrale Frage ein stetig zunehmendes Interesse vieler Tourismusmanager und Tourismusministerien wider, die mit dem populären Begriff des Ökotourismus einen Nationalpark, eine naturnahe Landschaft oder gar ein ganzes Land als maktfähiges Produkt in dem globalen Tourismuswettbewerb konkurrenzfähig sehen wollen. Zwar machen die Autoren mehrfach auf die Vieldeutigkeit des Begriffs "ecotourism" aufmerksam und heben die Komplexität und Verschiedenartigkeit der Situationen hervor, die keine Patentrezepte zuließen. Doch ein kritisch fragendes Ob, das die globalen ökonomischen Strukturen hinterfragt, in denen auch ökotouristische Produkte landen, ist nicht Thema des Buches. Als Leitplanken für ökologische Nachhaltigkeit und soziale Verantwortlichkeit wird hier auf die Leitbilder von Rio verwiesen, ohne sich mit den Widersprüchlichkeiten jenes Nachhaltigkeitskonzeptes auseinanderzusetzen. So beginnt das Buch mit einer Marktanalyse der Ökotourismusbranche und hebt hier die Nachfrageseite– also die Bedürfnisse der Reisenden – als einen wesentlichen Prüfstein für die Ausrichtung des Angebotes hervor. Das Wissen der lokalen Bevölkerung um ökologische Zusammenhänge und angepasste Lebensstile wird als unterkapitlaisierte Ressource betitelt und als ein in Wert zu setzendes Gut für die ökotouristische Branche analysiert. Die Devise: was monetarisierbar ist, darf nicht vergeudet werden. Um im globalen Wettbewerb nicht baden zu gehen, setzen die Autoren auf die vielseitigen Talente von joint ventures zwischen lokalen Gemeinden, NGOs und Privatunternehmen, um den Spagat zwischen der global herrschenden, liberalen Maktdynamik und den lokalen Bedürfnissen einer sozial gerechten und ökologisch wünschenswerten Entwicklung zu vollbringen. Das Buch liest sich in weiten Teilen wie eine grobe Gebrauchsanweisung, die Planungsinstrumente auflistet, an die Verantwortung der Privatunternehmen für die Entwicklung der Gemeinden und des Naturschutzes appelliert und die Problematik des Landbesitzes als rechtliche Sicherheitsfrage für ökonomisches Investment behandelt. Der Leitfaden zum Ökotourismus liest sich wie eine Anleitung zum greenwashing. Eine große Auswahl an Fallbeispielen ökotouristischer Modellprojekte auf lokaler und regionaler Ebene aus allen Kontinenten veranschaulicht die Prinzipien der Tourismusplanung und verknüpft die Theorie mit der konkreten Situation. Das wirkt illustrativ, doch die schematische Vereinfachung kann kaum der komplexen Realität gerecht werden. Wenngleich eine gesellschaftkritische Sicht auf globale Strukturen des Tourismus und auf das Konzept des Ökotourismus fehlt, so ist die Auflistung von Detailfragen, die sich der Tourismusplanung stellt, ein wertvoller Hinweis auf die Vielfalt der häufigsten Konflikte und schwer überwindbaren Widersprüche. In drei Kapiteln setzt sich das Buch mit dem vielversprechenden Entwurf eines kommunal verantwortlich geführten Ökotourismus (community-based ecotourism) auseinander. Lesenswert sind die Ausführungen über die Unterschiede zwischen einer direkten Kontrolle der Bevölkerung über ökotourisitsche Planung einerseits und der passiven Zustimmung zu Konzepten andererseits, deren Auswirkungen ohne eine umfassende Informations- und Bildungsarbeit häufig gar nicht abgeschätzt werden können. Die Fallstricke der Partizipation werden gestreift, doch leider bleiben die Autoren hier die Frage schuldig, ob sie Ökotourismus als einen möglichen Teil eines selbstbestimmten kommunalen Entwickungsmodells bewerten oder ob ein kommunales Management als optimales Instrument in den Dienst der Entwicklung ökotouristischer Nischenprodukte gestellt werden soll. Martina Backes |
|||||||||||||||||
|
Aktivitäten |Themen | Publikationen | Archiv | Links | Kontakt | Impressum |
||||||||||||||||||