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PublikationenLiteraturGrenzenlose Gesellschaft - grenzenloser Tourismus?Reinhard Bachleitner, Peter Schinany (Hg.). Profil München Wien, 1999. 184 S. DM 48,-.Der durchschaute Tourist. Arbeiten zur Tourismusforschung.Reinhard Bachleitner, H. Jürgen Kagelmann, Alexander G. Keul (Hg.). Profil München Wien, 1998. 219S. DM 48,-."Die Tourismuswissenschaft ist noch keiner wissenschaftstheoretischen Diskussion ausgesetzt worden." Der Beitrag Karlheinz Wöhler´s in dem Band "Der durchschaute Tourist" verweist auf ein grundlegendes Problem für die sich derzeit erst konsolidierende Disziplin der geistes- und sozialwissenschaftlichen Tourismusforschung: Die "begrifflichen Bestimmungen des Tourismus" wurden bisher "nicht im Lichte von theoretischen Konzeptionen und konkreten Verwendungskontexten verdeutlicht, die auf ein von den Wissenschaftlern geteiltes Weltbild verweisen." Mit den "Tourismuswissenschaftlichen Manuskripten" macht der Profil Verlag einen Anfang, der aus diesem Mangel an theoretischer Diskussion heraus führen soll. Die Bände "Der durchschaute Tourist" und "Grenzenlose Gesellschaft - grenzenloser Tourismus?" versammeln als Ergebnis zweier Fachtagungen sehr unterschiedliche Ansätze und Arbeiten zur Tourismusforschung - unterschiedlich im thematischen und methodischen Zugang, im Hinblick auf ihr Erkenntnisinteresse, vor allem aber auch bezüglich Tiefgang und Qualität der Arbeiten. So enttäuscht beispielsweise die Arbeit von Ulrike Heß zur Debatte um die sogenannte "Völkerverständigung im Tourismus" durch frappierende begriffliche Unschärfe und mangelnde Reflexion über ihren Forschungsgegenstand - der Völkerverständigung. Das führt sie - nach einer Aneinanderreihung verschiedener Studien zum Thema - schließlich zu dem für die Leserin aus dem Text nicht nachvollziehbaren Schluß, dass "Völkerverständigung" (was immer das sein mag) und Tourismus in "einem positiven Zusammenhang stehen". Doch auch andere Beiträge verzichten leider gänzlich darauf, ihre Analysen und Ergebnisse in einen gesellschaftstheoretischen Kontext zu stellen. Erfreulich hingegen ist unter anderen die Arbeit von Kurt Luger über "Die Alpenjugend im Modernisierungsstress". Hier wird in erfrischenden Formulierungen theoretisch fundiert an einem konkreten Beispiel analysiert, wie sich Tourismus auf eine klar definierte Bevölkerungsgruppe - nämlich die Jugend im österreichischen Pinzgau - auswirkt. Luger führt aus, dass er "Tourismus nicht als einzige Modernisierungsinstanz und somit alleinigen Auslöser der angesprochenen komplexen Problemlagen betrachte(t)." Diese explizite Kontextualisierung ermöglicht es ihm, Tourismus auf historische und soziale Prozesse zu beziehen und innerhalb von gesellschaftlichen Machtbeziehungen, wie beispielsweise die zwischen den Generationen, zu analysieren. Als weiterführender, wichtiger und interessanter Ansatz ist auch der von Karlheinz Wöhler zur "Sustainibilisierung des Tourismus. Zur Logik einer postmodernen Wachstumsstrategie" unbedingt zu erwähnen, auch wenn er sich leider in der Produktion soziologischer Unwörter besonders hervortut. Die Kategorie Geschlecht wird in der Diskussion bis auf eine Ausnahme (Brigitte Moser-Weithmann schreibt über den Wandel der Frauenrolle durch Tourismus in Tunesien) gänzlich ignoriert. Das ist weit mehr als schade, denn viele Aspekte im Tourismus bedürfen einer geschlechterspezifischen Perspektive, um sie erklären und verstehen zu können. Tina Goethe |
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