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Culture on Tour. Ethnographies of Travel.

Edward M. Bruner, Chicago, London 2004, 320 pages, 16£

Zu beziehen bei: University of Chicago Press , 1427 East 60th Street, Chicago, Illinois 60637 - 2954 / www.press.uchicago.edu


In seinem Buch Culture on Tour. Ethnographies of Travel blickt der Ethnologie-Professor der University of Illinois auf zwanzig Jahre Tourismusforschung zurück. Dabei behandelt er Fragen, die für die Tourismusethnologie grundlegend sind: Wie werden bestimmte Kulturen und ihre Mitglieder in touristischen Räumen dargestellt? Welche Bedeutungen und Bilder werden durch diese Präsentationen transportiert? Wer bestimmt die Art der Darstellung? Können diese ein "authentisches" Bild der Kultur vermitteln? Suchen Touristen in den "schönsten Tagen des Jahres" wirklich nach Authentizität oder eher nach guter Unterhaltung und vom Alltag abweichenden Erfahrungen? Wie rezipieren verschiedene Reisende ein touristisches Produkt?

Bruner geht auf diese Fragen in der Diskussion seiner Feldforschungen aus Kenia, Ghana, Indonesien, den USA und Israel ein. Die zitierten Beispiele der touristischen Vermarktung der Maasai in Kenia etwa zeigen, dass ihre Darstellung je nach touristischer Zielgruppe stark variiert. Auch ist es für die Gestaltung der verschiedenen touristischen Spektakel grundlegend, wer diese inszeniert. hat Bruner rund um das geforscht. Anhand des Elmina Castle in Ghana, das über Jahrhunderte hinweg ein wichtiger Ausgangspunkt für den transatlantischen Sklavenhandel war, zeigt er, wie TouristInnen und Einheimische diese Sehenswürdigkeit mit verschiedenen Bedeutungen belegen und so unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie der Ort gestaltet und touristisch genutzt werden sollte. Dies beeinflusst auch, welche Diskurse sich um den Ort entfalten. Mit Hilfe weiterer Beispiele beleuchtet Bruner verschiedene Auffassungen von Authentizität und diskutiert die Bedeutung dieses Begriffs für die Tourismusforschung. Das Freilichtmuseum "New Salem" in den USA soll eine "authentische" Reproduktion des Ortes um 1830 darstellen, als dort der spätere Präsident der Vereinigten Staaten Abraham Lincoln lebte. Bruner zeigt, dass die Gestalter New Salems diese Attraktion anders auffassen als die meisten Besucher. Am Beispiel des Wüstenforts Masada in Israel wird klar, dass eine Sehenswürdigkeit je nach Kontext mit unterschiedlichen Diskursen belegt ist und diese ihrerseits die touristische Wahrnehmung des Ortes beeinflussen.

Basierend auf seiner Arbeit als Reiseführer für amerikanische Reisegruppen geht Bruner in Indonesien der Frage nach, welche touristischen Produkte den Reisenden besonders authentisch erscheinen und wie dies zu begründen ist. Auch berichtet er über seine Versuche, die TouristInneen für die Künstlichkeit vieler touristischer Spektakel zu sensibilisieren (z.B. Erfindung scheinbar typischer Tänze) und ihnen vom normalen Tourprogramm abweichende Einblicke in "die indonesische Kultur" zu gewähren. Die zumeist einheimischen BesucherInnen sollen in Taman Mini, einem ethnischen Themenpark, etwas über die verschiedenen Ethnien Indonesiens erfahren und darüber eine Bindung an die indonesische Nation aufbauen. Bruner meint, dass dieses Ziel durch die Art der Darstellung der verschiedenen Ethnien eher verfehlt wird. Auch zeigt sein Vergleich mit andern ethnischen Themenparks, z. B. in China oder Kenia, dass es sehr von der Situation und gesellschaftlichen Stellung der verschiedenen Ethnien innerhalb des jeweiligen Nationalstaates abhängt, wie diese präsentiert werden.

Es ist spannend, dass Bruner seine Fragen in verschiedenen regionalen und touristischen Kontexten diskutiert. Weiterhin ist sein Verdienst, dass er sowohl die Perspektiven der Touristen, als auch die Standpunkte der Produzenten von touristischen Dienstleistungen und der lokalen Bevölkerung berücksichtigt. Zudem führt er immer wieder Beispiele für lokale Touristenattraktionen an und erweitert damit den Blick auf den Binnentourismus. Gerade diese Vielfalt an Blickwinkeln eröffnet dem Leser verschiedene Anknüpfungspunkte und Denkanstöße. Schade eigentlich, dass sein Buch keine theoretische Diskussion der angesprochenen Themenfelder enthält. Es wäre aufschlussreich, mehr darüber zu erfahren, welche theoretischen Standpunkte Bruner nach 20 Jahren Tourismusforschung vertritt, wie er sich in seinen Forschungen mit Konzepten anderer Tourismusforscher auseinander gesetzt hat und wie sich seine Ansichten über die Zeit hinweg entwickelt haben.

Annika Wust, Juli 2006





 

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