iz3w Nr. 241 online bestellen:
Immer noch brandet die Ferne
Tourismustheorie nach Enzensberger
von Cord Pagenstecher
Studien zum Ferntourismus untersuchen
meist dessen sozioökonomische
und kulturelle Auswirkungen auf die
Bereisten. Je mehr sie diese als Opfer
verstehen, desto weniger beachten
sie aber die Motive und Wahrnehmungen
der Reisenden. Theoretisch stützen
sich die Studien häufig auf Entwicklungs-
und Dependenztheorien; zu wenig werden
die Ansätze einer Tourismustheorie
genutzt. Auf der Basis der vor 41
Jahren erschienenen Theorie des Tourismus
von Hans Magnus Enzensberger werden
anthropologische, soziale und historische
Konstruktionen touristischer Leitbilder
diskutiert.
Endlich Daheim!
Von der Flucht ins Andere zur Aneignung
der Welt
von Edith Kresta
»Es gehört zum Ausbruch
in die Unbelangbarkeit der Enthusiasmus
der Abwesenheit: der Mensch wird unbelangbar
durch die Reise und halbwegs auch
durch ihre Vorbereitung und Auswertung.
... Wo das Zuhausesein zunehmend bedeutet,
vor einem Tribunal Selbstentschuldigungen
leben zu müssen, locken die fremden
Länder und Völker als Gelegenheiten,
nicht zuhause zu sein. ... das 18.
Jahrhundert ist ein Jahrhundert der
Reise als eines Ausbruchs in die Unbelangbarkeit
und darin nota bene
Protagonist manch späterer Reisewut.«
Odo Marquardt, Abschied vom Prinzipiellen,
1978
Reise in die Vergnügungsperipherie
Die Tourismuskritik und die Dritte
Welt
von Christian Stock
Die Tourismuskritik und insbesondere
die Debatte über den Tourismus
in Dritte-Welt-Länder stagniert
seit Anfang der 90er Jahre. Die gesellschaftstheoretische
Reflexion über die Motive und
Auswirkungen des Reisens ist pragmatischen
Ansätzen für umwelt- und
sozialverträglichen Tourismus
gewichen. Doch durch den Verzicht
auf Grundsatzdiskussionen werden die
Fehlannahmen der früheren Tourismuskritik
fortgeschrieben.
Öko auf Nachfrage
Fallstricke bei den Alternativen zum
Massentourismus
von Petra Stephan
Umweltverträgliches Reisen endet
in der Regel bereits am Flughafen.
Die Fernreise-Branche hat dennoch
den Ökotourismus für sich
entdeckt. Sozial und ökologisch
korrekt soll Tourismus gar zum Erhalt
von Natur und Kultur beitragen. Doch
auf der Suche nach Gegenentwürfen
müssen Stolpersteine und Fallstricke
beim Namen genannt werden.
Patentjäger auf Safari
Tourismuspolitische Pioniere zu Besuch
bei den »Indigenen«
von Martina Backes
Mit Konzepten für »Nachhaltigen
Tourismus« und für den
Erhalt der »Biologischen Vielfalt«
werden ökologisch und sozial
saubere Reisenischen neu konstruiert.
Neuerdings spielt dabei auch die Kategorie
des »Indigenen« eine wichtige
Rolle. Während die Bereisten
dabei Gefahr laufen, zur Schau gestellt
zu werden, fließen die Gewinne
zuallererst an die Reiseveranstalter.
Global Networking
Rivalitäten in der NGO-Gemeinde
Gespräch mit Nina Rao
Kann die Vernetzung zwischen Basisgruppen
und internationalen Organisationen
hierarchische Strukturen zwischen
der lokalen und globalen Ebene überwinden
helfen, oder erweisen sich die Heterogenität
der Akteure und die informellen Dominanzstrukturen
innerhalb der Vernetzungsprozesse
als schlichte Strukturfalle? In wie
weit sichern sich tourismuskritische
Organisationen innerhalb dieses komplexen
Prozesses ihre Mitgestaltungsmöglichkeiten?
Wie sieht das Verhältnis zwischen
Nord- und SüdvertreterInnen aus?
|