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PublikationenLiteraturKamele als Entwicklungshelfer - Dritte Welt in der Schule: Projektorientierter Unterricht am Beispiel Kenia.Lars Holzäpfel. Centaurus Verlags-Gesellschaft, Pfaffenweiler, 106 S., 19,80 DM."Globales Lernen" - dieser Begriff avanciert in der Schulpädagogik zu einem Modewort. In teilweise dialektischer Verbundenheit mit dem "interkulturellen Lernen" umschreibt Globales Lernen das Ziel einer entwicklungs- und kulturpolitischen Bildungsarbeit. Es gilt, die Fähigkeit zur Wahrnehmung und das Bewußtsein für die globale Vernetztheit der Probleme ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Art zu stärken, insbesondere vor dem Hintergrund der strukturellen Unterschiede zwischen reichen und armen Ländern und den daraus resultierenden Nord-Süd sowie Ost -West Konflikten. Während die Notwenigkeit einer differenzierten Wahrnehmung globalpolitischer Strukturen mit dem Ziel der Bewußtseinsbildung der Schüler zumindest theoretisch in der Pädagogik hinreichend erörtert wurde, sind praktisch-didaktische Anleitungen für den Schulunterricht, insbesondere anhand konkreter inhaltlicher Fallbeispiele, eher eine Rarität. Eine didaktische Aufbereitung eines konkreten Fallbeispiels mit fächerübergreifender Perspektive - und damit ein doppelt lobenswerter Ansatz - versucht Lars Holzäpfel in seinem Buch "Kamele als Entwicklungshelfer". Exemplarisch will der Autor anhand einer Beschreibung der Lebensverhältnisse einer Nomadengesellschaft in Kenia - den Samburu - einen Einblick in entwicklungspolitische Zusammenhänge geben. In einem zweiten Schritt wird ein didaktisches Modell mit einer Vielzahl an Einzelmethoden vorgestellt. Ganz entgegen der geläufigen theoretischen Planungsanleitungen für einen kritischen "Eine-Welt" Unterricht ist das Buch in einer verständlichen Sprache geschrieben. Allerdings verliert insbesondere die Darstellung über die geschichtlichen und politischen Zusammenhänge von "Entwicklung und Unterentwicklung" an Tiefenschärfe. Der Autor reproduziert eine Reihe klischeehafter Vorstellungen hinsichtlich der "Armut in Afrika", indem er mit einer Aufzählung der typischen "Merkmale der Unterentwicklung" die gängigen Entwicklungsindikatoren weitgehend unkritisch übernimmt. Auch aufgrund der wenig reflektierten sprachlichen Verwendung von Begriffen werden unvollständige und teilweise falsche Bilder reproduziert. Dazu zählt auch das vom Autor vorgestellte Konzept der "Hilfe zur Selbsthilfe", das als angemessene Methode entwicklungspolitischer Arbeit beschrieben wird und sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht. Die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit ist über diesen Anfang der 80er Jahre proklamierten Ansatz, der auf der objektiven Planbarkeit von Grundbedürfnissen setzt, wesentlich hinaus gewachsen. Eine Stärke des Buches liegt in der Betonung des aktiven Lernens und in den konkreten Anleitungen für ein praktisches Handeln mit den Schülern: entwicklungspolitische Bildung als selbsttätige Wissenserschließung und Wissensaneignung. Vorschläge für einen fächerübergreifenden Unterricht und die weitgehend selbständige Projektplanung und Durchführung seitens der Schüler werden zu einem wesentlichen Bestandteil des Lernens überhaupt. Insofern ist das Buch eine aufmunternde Anleitung zu einem anderen Schulalltag und hin zu einem kreativen Unterricht, der die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Problemen und die Motivation für Lösungen auch in der praktischen Umsetzung schult. Martina Backes |
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