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PublikationenLiteraturGratwanderung Ökotourismus - Strategien gegen den touristischen Ausverkauf der Natur.Von Yörn Kreib und Angela Ulbrich. Ökozid 13, Focus Verlag, Giessen, 1997.In ihrem Buch "Gratwanderung Ökotourismus"- schaffen die Herausgeber Yörn Kreib und Angela Ulbrich in zweierlei Hinsicht eine Unterscheidung zwischen Ökopokus, dem grünen Nebel um ökotouristische Nischenangebote und ernsthaften "Strategien gegen den touristischen Ausverkauf von Kultur und Natur", so der Untertitel. Es wird gewagt, die Unsinnigkeit der touristischen Neuerschließung von Naturräumen für die Einrichtung von Schutzgebieten zu verurteilen, den Wunsch, das Massenprodukt Reisen in seiner heutigen Form für Umwelt und Sozialstruktur verträglich zu gestalten als Illusion zu benennen und einen gesteuerten Rückgang der Tourismuszahlen zu fordern. Zudem wird mit prekären Fallbeispielen auf die Unwägbarkeiten bei der Umsetzung ökotouristischer Konzepte aufmerksam gemacht und damit der Mythos von der Planbarkeit eines grünen Tourismus vorbei an den vorherrschenden sozioökonomischen Bedingungen mit untrüglich schwieriger Realität konfrontiert. Das Beispiel Mosambik zeigt, wie alte und neue Herrschaftsstrukturen in diesem Falle über das Aushebeln traditioneller Landrechte, die keinen Schutz vor der Macht des globalen Kapitlas bieten können, eine touristische Fehlentwicklung fördern, behaftet mit allen denkbaren menschenrechtsverletzenden Attributen und ökologischen Konsequenzen. Über bislang weitgehend negierte Themen erfährt der Leser Wissenswertes, so über die unseriöse Symbiose zwischen Journalisten, Reiseredaktionen und Touristikunternehmen oder über die touristische Ausbildung, die weitgehend an ökologischen und sozialen Fragen vorbei ihre Kurrikula auf euphorische Wachstumsprognosen der Branche ausrichtet. Merkwürdig deplaziert erscheint der Beitrag über einen modellhaften Versuch, Nachhaltigkeit im Ferntourismus zu bilanzieren. Zwar werden die Grenzen der Bilanzierbarkeit offensichtlich und damit das Modell kritisierbar. Doch äußerst befremdlich mutet da die Argumentation an, mit persönlichen Ökobilanzen - so beispielsweise einer Positivbilanz durch weitgehenden Reiseverzicht - wie auf der Börse handeln zu können und damit einen Ausgleich für die sozialen Ungerechtigkeiten zwischen Arm und Reich zu schaffen. Ob hier eine ausgeprägte Ignoranz oder unbegründete Illusionsfähigkeit gegenüber bestehenden Herrschaftsverhältnissen zugrunde liegt, sei dahingestellt. Da das Buch für das Reisen als Haltung, als Situation und nicht als Konsum oder Wegwerfartikel und gegen die Strategien des Ausverkaufs von Kultur und Natur plädiert, verbietet sich der Handel mit monetarisierten Reisebilanzen von selbst. Martina Backes |
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