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PublikationenLiteraturParadiesruinenEinen interessanten Beitrag zum Thema Tourismus während des Nationalsozialismus liefert »Paradiesruinen«. Der Bildband befasst sich mit der wechselvollen Geschichte des Kraft-durch-Freude-Baus auf Rügen, einem der größten Bauprojekte während des NS. 1936 entstand an der Küste Rügens eine Baustelle, die der Freizeitorganisation Kraft durch Freude einen gigantisch großen Bau bescheren wollte, in dem 20.000 Menschen gleichzeitig hätten urlauben können. Die KdF war der Deutschen Arbeitsfront untergeordnet und für die »Freizeitgestaltung« der deutschen Bevölkerung zuständig. Die Seebäder können heute als Vorläufer des modernen Massentourismus betrachtet werden. Die Zielsetzung war eindeutig: »Arbeiter und weniger bemittelte Schichten sollten von ihren sozialen und wirtschaftlichen Problemen abgelenkt werden.« Die KdF war zu ihrer Zeit der weltweit größte Reiseveranstalter, zehn Prozent des gesamten Reiseverkehrs wurden von ihr bestritten. Das KdF-Bad auf Rügen sollte ein Prototyp für den perfekt organisierten Pauschalurlaub mit pausen- und lückenloser Betreuung werden. Nach einer Ausschreibung, an der elf Architekten teilnahmen, fiel die Entscheidung auf den Entwurf des Architekten Clemens Klotz. Nach der Grundsteinlegung 1936 ließ man zunächst massiv bauen - teilweise arbeiteten 5.000 Männer auf dieser Großbaustelle, 1939 wurde der Bau abrupt gestoppt. Der Krieg ging vor, ein Großteil der Anlage wurde nicht fertiggestellt. Während der DDR-Zeit wurden die Gebäude zu Kasernen umfunktioniert, heute ringt man um Nutzungskonzepte. Von einer Aufarbeitung dieser Vergangenheit ist man auf Rügen weit entfernt: Die Ausstellung »Verbrechen der Wehrmacht« sollte dort diesen Sommer gezeigt werden. Die Tourismusbranche verhinderte das jedoch. »Ortsansässige Hoteliers hatten befürchtet, Touristen durch die Ausstellung und mögliche Protestkundgebungen der rechtsextremen Szene abzuschrecken und einen Imageschaden zu erleiden«, meldet TourismWatch. Die Ausstellung wurde stattdessen auf Usedom gezeigt, und prompt demonstrierten dort 180 Neonazis. Iris Erbach Jürgen Rostock, Franz Zadnicek: Paradiesruinen. Das KdF-Seebad der Zwanzigtausend auf Rügen. Ch. Links Verlag Berlin, 140 Seiten, Euro 25,-
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