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Schlaraffenland, Bühne und Ventil.
Ein Plädoyer für den ganz normalen Bade- und Strandtourismus.

Von Walter Kiefl. Profil Verlag, 135 Seiten, München, Wien 2002. ISBN: 3-89019-498-2


Badeferien sind in und das ist auch vollkommen in Ordnung. Irgendwie muss der stressgeplagte Normalmensch sich ja regenerieren und abreagieren dürfen. "Fern der Heimat lebt es sich ohne Scham", man kann "die Sau rauslassen", sich "daneben benehmen, ohne dass es die Nachbarn mitbekommen" oder "König für einen Tag" sein, kurz: "arrangierte Ferienwelten sind (…) die vielleicht besten Annäherungen an unsere Vorstellungen vom Paradies - (...) ohne einen zeitweisen Aufenthalt im Paradies wäre das Leben nicht auszuhalten" (zit. Romeiß-Stracke).

Das ‚Plädoyer für den ganz normalen Bade- und Strandtourismus' von Walter Kiefl versteht sich als "illusionsfreie Betrachtung" der touristischen Bedürfnisse der Masse und als Verteidigung des "gepflegten Urlaubsvergnügens der Vielen gegen seine oberlehrerhaften Kritiker". Leider befindet sich Walter Kiefl damit ziemlich im Trend eines opportunen Kritik-Bashings, das außer der Affirmation: ‚Weiter so!' nicht viel zu bieten hat und es nicht einmal schafft, die vielen Fehlannahmen der traditionellen Tourismuskritik wirklich überzeugend darzustellen.

Propagiert wird ein kanalisierter und konzentrierter Tourismus, der Ökonomie, Ökologie und Kultur der Zielregionen besser gerecht werde als die "massenhafte, individualistische Aneignung fremder Lebenswelten". Die Dichotomie "Pauschaltourismus hier - Individualtourismus dort" gehört nun wirklich in die Kategorie ‚Alte Hüte' und darüber, dass der Wunsches nach Kanalisierung und Kontrolle frei von Illusionen ist, lässt sich streiten. Der Autor scheint aber nicht nur "die (tourismuskritischen) Entwicklungen der letzten zehn Jahre verschlafen" (Yörn Kreib) zu haben. Auch die Anbiederung bei der ‚breiten Masse' verdeckt nur unzureichend einen äußerst elitären Grundgedanken. Einerseits sollen die ‚Dummen' im Club-Strand-Paradies eingesperrt werden, was für "die Bereisten und ihre Kultur weniger schädlich" sei. Andererseits behauptet er, dass die "Intensivierung des Austauschs und eine stärkere Integration der Touristen in die ihnen unvertrauten Gesellschaften und Kulturen (…) immer nur für eine begrenzte Anzahl von intrinsisch motivierten Experten gelingen" könne. Der Überheblichkeitsvorwurf an die Adresse der Tourismuskritik könnte sich somit als Bumerang erweisen.

In seiner pauschaltouristischen Metakritik (Kritik der Kritik des Pauschaltourismus) hat sich der Autor auch auf empirischer Ebene mit oberflächlichen Analysen und einer Menge von Banalitäten nicht gerade viel Mühe gegeben (z.B. Aufteilungen des Tagesablaufs von Strandbesuchern: "vor 10 Uhr badete fast niemand"). Wohlfeile Ratschläge wie: man solle dafür sorgen, dass "ein Großteil der Einnahmen (aus dem Pauschaltourismus) auch tatsächlich der Förderung des für den ‚normalen' Urlauber unzugänglichen Hinterlands zu gute kommen, so dass sich die Profite aus dem Tourismus auf mehr und die Belastungen auf weniger Köpfe verteilen", werden wohl auch nur von den Wenigsten als seriöse Bereicherung der Debatte gepriesen.

Steffen Schülein
 

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