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PublikationenLiteraturThe Encyclopedia of Ecotourism.David B. Weaver (Ed.), CABI Publishing Wallingford, UK, 2003. cabi@cabi.org / www.cabi.org Rezension: Gesammeltes zum guten TourismusDer Montreal-Gipfel zum Internationalen Jahr des Ökotourismus (IYE) 2002 hat es gezeigt: Die Frage, was nun genau zu Ökotourismus zählt und was nicht, ist Gegenstand eines höchst umstrittenen und sehr politischen Feldes. Doch davon wollen die Herausgeber der Encyclopedia of Ecotourism, die pünktlich zum IYE erschien, offensichtlich nichts wissen. Statt den spannenden und für die Praxis folgenreichen Prozess der Aushandlung um diesen Begriff zu beschreiben, langweilt das erste Buchkapitel seitenweise mit graphisch untermalten Abgrenzungsversuchen gegenüber anderen Tourismussegmenten. Dieser akademische Eifer der umfassenden Kategorisierung kann angesichts der Fülle von Machtinteressen und widersprüchlichen Anforderungen an das in den 90er Jahren boomende Schlagwort nur erstaunen. Die politischen Rahmenbedingungen zu benennen, die hinderlich und kontraproduktiv für eine an Kriterien sozialer und ökologischer Gerechtigkeit ausgerichteten Umgestaltung des Tourismus sind, hätte dem Nachschlagewerk gut zu Gesicht gestanden. Immerhin vermittelt das faktenreiche Buch einen Einblick in die ungeheure Vielfalt lokaler Ansätze, die unter der ökotouristischen Vokabel agieren. Geoökologsiche Varianten, länderspezifische Versuche, institutionelle Planungsinstrumente, Forschungsmethoden sowie praktisches Management sind neben entwicklungspolitischen Aspekten die behandelten Themenbereiche. Und die zahlreichen, wenngleich oftmals oberflächlich und unkritisch dargestellten Beispiele geben einen detaillierten Einblick in die Hoffnungen, die an das ökotouristische Konzept von Umwelt- und Entwicklungsplanern sowie Tourismusexperten geknüpft werden. Allerdings: Betont wird fast ausschließlich das positive Potenzial ökotouristischer Landnutzung, sei es in Bezug auf den Natur- und Ökosystemschutz oder den als gefährdet bezeichnete (Fort-)Bestand indigener Kulturen und Traditionen. Landkonflikte, die Verstärkung sozio-ökonomischer Ungleichheiten, die Erschließung immer neuer naturnaher Gebiete durch ausländische Unternehmen und die inflationäre, rein rhetorische Verwendung des Begriffs Ökotourismus, mit der gerne die Umsetzung ganz und gar herkömmlicher Tourismusförderpläne legitimiert wird, sind nicht einmal randständig erwähnt. Zugespitzt formuliert: das Buch enthält viel Wunschdenken und geht offenkundigen Konflikten lieber aus dem Weg. Angesichts dieser Blindstellen bleibt den Herausgebern vorzuwerfen, eine (öko)touristische Entwicklung nach westlichem Vorbild zu stützen: ökologische Werte und Normen werden weitgehend unhinterfragt auf den Süden oder auf indigene Bevölkerungsgruppen übertragen, ohne über soziale Konflikte oder den Widerstand der einheimischen Bevölkerung zu berichten. Das Fazit: Wegen des Faktenreichtums ist das Buch durchaus lesenswert. Die Formel, nach der hier Theorie und Praxis harmonisiert werden, ist jedoch simpel: die biologische und kulturelle Vielfalt ist im Süden verortet, die TouristInnen dürfen die Natur schonend nutzen, für deren Pflege und Präsentierbarkeit ist die einheimische Bevölkerung zuständig. Dass sich sie ökonomische Inwertsetzung touristisch attraktiver Regionen in einem herrschaftlichen Verhältnis vollzieht, unterschlagen die Herausgeber. Das traurige Fazit: Das über 600 Seiten dralle Werk trägt nichts dazu bei, dies zu ändern oder auch nur in Frage zu stellen. Martina Backes |
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