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ThemenTourismus und MenschenrechteTourismus stützt die Diktaturvon Lara Marsh Die britische Organisation Tourism Concern setzt sich mittels Kampagnen für ethischen Tourismus ein und ruft entschlossen zum »Dont visit Burma!« auf. Wir haben viele Jahre daran gearbeitet, dass Reisende Burma als Ferienziel meiden, solange es eine Diktatur ist. Reiseunternehmen wollen wir dazu bringen, Burma aus dem Programm zu nehmen, und Verlage davon abhalten, für Reisen nach Burma zu werben bzw. den Weg zu bahnen. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf einen der größten unabhängigen Herausgeber von Reiseführern, den australischen Verlag Lonely Planet, der auch einen Burma-Reiseführer im Programm hat. Die Tourismusentwicklung in Burma ist direkt mit massiven Menschenrechtsverletzungen verknüpft Raub, Folter und Mord inbegriffen. Doch warum Burma boykottieren und nicht China oder Malaysia, oder andere menschenrechtsverletzende Regime? Auch die USA, Australien oder Großbritannien vertoßen gegen die Menschenrechte. Doch in Burma gehen viele dieser Vergehen als direkte Folge der Tourismusindustrie vonstatten. Die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) berichtet, dass »...das Militär die Zivilbevölkerung als unbegrenzte Quelle unbezahlter Arbeitskraft und für sie frei verfügbarer Bediensteter behandelt. Die Nutzung von Zwangsarbeit soll private Investitionen in den Aufbau der Infrastruktur, in den öffentlichen Arbeitssektor und in Tourismusprojekte fördern.« Die US-Arbeitsbehörde berichtete, dass Dorfbewohner für den neulich eröffneten Internationalen Flughafen in Mandalay von ihrem Land vertrieben und als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Wer nach Burma reisen möchte, sollte über diese unmittelbaren Zusammenhänge zwischen Tourismus und Menschenrechtsverletzungen nachdenken. Das direkte Ersuchen der demokratischen Bewegung an uns, nicht in das Land zu reisen, unterscheidet Burma von anderen Fällen. Im Falle Tibets sagte der Dalai Lama kürzlich, dass es hilfreich sei, wenn die TouristInnen hingingen. Anders Burmas demokratisch gewählte, oppositionelle Führung: »Ich hoffe, ihr könnt eines Tages in unser Land zurückkommen, wenn die Menschen nicht mehr in Angst leben. Burma wird es viele Jahre geben, also sagt euren Leuten, sie sollen uns später besuchen. Ein jetziger Besuch läuft auf stillschweigendes Dulden des Regimes hinaus«, so die Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Es geht nicht einfach nur um ein moralisches Dilemma: Tourismus liefert vielmehr konkrete finanzielle Unterstützung für eines der weltweit brutalsten Regime. Im Jahre 1999 verdiente Burma 33 Mio. Dollar am Tourismus. Einreisende sind verpflichtet, direkt am Flughafen 200 Dollar einzutauschen. Zugleich befinden sich viele Hotels, inländische Fluglinien und andere »nur gegen Dollar«-Serviceanbieter ganz oder teilweise im Besitz der Regierung und ihrer Assoziierten. So konnte ein bankrottes und schwaches Regime seit 1988 die ganzen 90er Jahre hindurch ausländische Devisen dazu benutzen, die militärische Stärke zu verdoppeln und seine Macht zu festigen. Die Stimmen der IndividualtouristInnen, wie beispielsweise die einer australischen Rucksackreisenden, die angeblich nicht gleichgültig dem Walten der burmesischen Regierung zuschauen, sprechen Bände. »Es ist uns nicht egal, was passiert. Wir wollen es nur mit eigenen Augen sehen«. Doch warum? Reicht es nicht, dass Einrichtungen wie die ILO oder Amnesty International regelmäßig über die vielen Gewalttaten berichten? Warum in aller Welt solche Tatsachen selbst sehen? Touristen würden diese sowieso nicht zu Gesicht bekommen, da sie sicherlich nicht durch den Zimmerservice auf dem Tablett serviert werden. Individualreisende beteuern gerne, dass immer mehr von ihrem Geld direkt in die Hände der lokalen Bevölkerung fließt. Doch die breite Mehrheit der Bevölkerung bleibt nach wie vor vom Tourismus ökonomisch unberührt. 75% der Erwerbstätigen leben in Burma von der Landwirtschaft. TouristInnen könnten sicherlich einzelne Beschäftigte aus der Tourismusindustrie mit ein paar Dollars unterstützen. Hält man sich jedoch vor Augen, dass der Tourismus gleichzeitig ein Regime mit Devisen speist, das 48 Millionen Menschen in Armut leben lässt, dann sind diese Beträge zu vernachlässigen. Die TouristInnen sollten also wenigstens nicht vorgeben, durch ihre Reisen nach Burma die demokratische Bewegung zu unterstützen. Es scheint mir unmöglich, den Tourismus nach Burma unter ethischen Gesichtspunkten zu rechtfertigen. TouristInnen müssen mit dem eigenen Gewissen ringen und selbst entscheiden, argumentiert Keith Hamish in seinem Beitrag. Tourism Concern wagt zu behaupten, dass es Situationen gibt, in denen die Rechte von Reisenden zweitrangig sind und primär die Rechte der jeweiligen besuchten Bevölkerung gewahrt werden sollten. Es gibt Situationen, in denen nicht die TouristInnen und ihre Meinungen im Mittelpunkt stehen, in denen sie nachdenken sollten, dass es wichtigeres gibt als ihre eigenen Reiseerfahrungen. Die BürgerInnen von Burma haben im Namen der Demokratie gebeten, wegzubleiben. Ist es denn zu viel verlangt, dieser Bitte nachzukommen? Lara Marsh ist Campaignerin bei der tourismuskritischen Organisation Tourism Concern in London. Übersetzung: Martina Backes und Agnieszka Zimowska. |
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