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Tourismus und Menschenrechte

Isolation bewirkt Gleichgültigkeit

von Hamish Keith

Seit 1988 wird Burma von einer Junta regiert, die die Menschenrechte mit Füßen tritt. Scheinbar unberührt von internationaler Ächtung und taub gegenüber den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, steht die burmesische Regierung im Ruf, eines der unnachgiebigsten totalitären Regimes der Welt zu sein (vgl. iz3w 212). Die Nobelpreisträgerin und demokratisch gewählte Führerin der oppositionellen National League for Democracy (NLD) Burmas, Daw Aung San Suu Kyi, bat AusländerInnen ausdrücklich darum, ihr Land solange nicht zu bereisen, bis die Demokratie wiederhergestellt ist. Dennoch kamen insbesondere seit der Regierungskampagne »Visit Myanmar« von 1996 jährlich etwa 250.000 Besucher ins Land. Dieser Wert liegt zwar noch weit unter den angestrebten 500.000, ist aber dennoch bedeutend.

Immer wieder wird bekannt, dass touristische Attraktionen und Infrastruktur auch mittels Zwangsarbeit erstellt werden. Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben, um Platz für Hotels zu schaffen – so geschehen mit den 5.200 EinwohnerInnen Alt-Bagans 1988. Ein solches Verhalten ist zwar völlig unentschuldbar, innerhalb der Region jedoch keinesfalls einzigartig. Die kambodschanische Regierung lässt regelmäßig ganze Dörfer räumen – die verstümmelten Kriegsopfer schaden dem Tourismus. Von China wird berichtet, dass dort Gefangene in Tourismusprojekten arbeiten müsssen, und Vietnam schickt noch immer der Prostitution verdächtigte Personen in Umerziehungslager. Tatsächlich ist insbesondere die Liste der chinesischen Menschenrechtsverletzungen vergleichbar mit der burmesischen. Doch während China kurz vor seiner Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO steht, wird Burma als ‘Schurkenstaat’ eingestuft.

Demokratische AktivistInnen in Burma vergleichen ihr Anliegen mit dem Kampf um die Befreiung Südafrikas von Apartheid und treten gegen jegliche Investitionen ein – in der Hoffnung, eine bankrotte Junta an den Verhandlungstisch zwingen zu können. Burma ist jedoch kein isolierter Staat. 1997 trat das Land der ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) bei und genießt gute wirtschaftliche Beziehungen zu seinen Nachbarn. 1999 beliefen sich die offiziellen Handelsbeziehungen zwischen Thailand und Burma auf eine Gesamtsumme von 414 Millionen Dollar. Diese Zahlen beziehen sich nur auf den legalen Handel, der Umsatz aus illegalen Transaktionen ist wahrscheinlich um ein vielfaches höher, bedenkt man die Exporteinnahmen aus dem Schmuggel mit Methamphetamintabletten und Heroin. Zwar könnte der Rückzug multinationaler Konzerne die Junta zu politischen Zugeständnissen zwingen, doch Boykotts und Sanktionen allein werden das Regime nicht stürzen. Und das gilt vor allem in Hinblick auf die Rolle Chinas, das die burmesische Junta massiv unterstützt.

Die vom malaysischen Außenminister geforderten Verhandlungen mit Aung San Suu Kyi zeigen, dass das Militär zu Kompromissen bereit sein könnte. Ob diese Treffen mehr als die übliche Regierungspropaganda zur Folge haben werden, bleibt noch offen. Westliche Quellen sehen in den beginnenden Verhandlungen einen Sieg der Sanktionspolitik, während die asiatischen feststellen, dass ihr integrierender und vorsichtig überredender Ansatz Früchte trägt. Interessant ist, dass die Gespräche gerade zu dem Zeitpunkt auf dem Programm stehen, als das burmesische Militär die letzte der aufständischen Armeen in den Grenzgebieten vernichtend geschlagen hat. Nachdem die innere Sicherheit unter Kontrolle zu sein scheint, kann die Junta sich diese Zugeständnisse offensichtlich leisten.

Eine organisierte Opposition innerhalb des Landes ist nun so gut wie nicht mehr existent. Seit 1988 wurden alle Oppositionsmitglieder und andere regimekritische Stimmen inhaftiert oder zum Schweigen gebracht, einschließlich Aung San Suu Kyi, die noch immer quasi unter Hausarrest steht. Es gibt keinerlei freie Presse, und die Menschen haben berechtigte Angst, offen über die politische oder wirtschaftliche Situation zu sprechen. Im modernen Burma stehen fünfzehn Jahre Gefängnis auf das unerlaubte Benutzen eines Faxgerätes. Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen sind verboten, Telefongespräche werden abgehört und ein (ohnehin zensierter) Internetzugang ist nur mit Genehmigung der Regierung möglich.

Es bleibt den TouristInnen letztlich selbst überlassen, mit ihrem Gewissen zu ringen und sich zu entscheiden, ob die Freude daran, ein wunderschönes Land zu besuchen, mehr wiegt als das moralische Dilemma, ein totalitäres Regime mit ihrer Reise zu unterstützen. Einige ausländische Reiseveranstalter vertreten sogar die Ansicht, dass Tourismus den Kampf für Demokratie unterstützt, indem er das burmesische Volk in Berührung mit westlichen Ansichten bringt. Die Burmesen selbst halten eine solche Argumentation für mehr als nur ein bisschen gönnerhaft; sie brauchen keine Fremden, die ins Land kommen, um ihnen ihre eigene Zwangslage ins Bewusstsein zu rufen. Ebenso irrig ist die Behauptung der NLD, die Pauschalreisenden, die die Regierung so verzweifelt für sich zu gewinnen versucht, würden kaum mehr als das zu sehen bekommen, was die Junta sie sehen lassen will. Nur wenige der TouristInnen, die Zeuge des militärischen Propagandaapparats in Aktion wurden, glauben wirklich, dass in Burma gut regiert wird.

Die TouristInnengruppen mit ihren Shorts und verschwitzten Souvenir-T-Shirts mögen in den Augen mancher Leute dumm erscheinen. Sie sehen aber viel mehr, als die Regierung möchte. Und wenn sie nach Hause zurückkehren, werden sie sich wahrscheinlich eher dafür interessieren, was in Burma geschieht. Die Opposition riskiert indes mit ihrer Isolationspolitik, dass der Westen mit Gleichgültigkeit statt mit dringend benötigter Unterstützung reagiert.

Hamish Keith ist freier Journalist und Reiseveranstalter und lebt in Thailand.

Übersetzung aus dem Englischen: Caroline Willand.

 

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