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ThemenGeschlechterverhältnisse im TourismusLatin LoverFrauen auf Beziehungs-Reisen Susanne hat letztes Jahr in Venezuela Omar kennen gelernt, sie schreiben sich jetzt regelmäßig, im August fährt sie natürlich wieder hin; Silke hat mir Fotos von Nancho aus Chile gezeigt, aber seit sie wieder hier ist, hat sie noch nichts von ihm gehört; Uli hat Idalia aus Panama für drei Monate nach Deutschland eingeladen, mal sehen was draus wird; so hatten sich das Margot und Renato auch gedacht, ist aber fürchterlich in die Hose gegangen zurück nach Kuba wollte er dann aber auch nicht mehr... Ein Flirt im Urlaub macht Spaß. Man fühlt sich frei und ungezwungen und macht Dinge, die man sich zu Hause vielleicht nicht trauen würdeein Flirt gehört zu dem intensiven Lebensgefühl, das man sich vom Reisen erträumt. Und eine Affäre mit einer Frau oder einem Mann aus einem fernen Land ist irgendwie besonders aufregend, denn Unterschiede ziehen an, heißt es. Aber es gibt nicht nur Kulturunterschiede zwischen TouristInnen und Einheimischen, sondern auch Machtbeziehungen, z.B. ökonomischer Art vor allem wenn der Urlaub nicht nach Frankreich oder Norwegen geht, sondern in ein Land der »Dritten Welt«. Und wenn eine Reise nicht nur ein paar Wochen dauert, dann kann aus dem Flirt auch mal was längeres werden... Die Gründe, eine Affäre im Urlaub einzugehen, sind natürlich für jedeN verschieden. Reisende suchen meist etwas anderes als die im Urlaubsziel Lebenden. Für Frauen beispielsweise scheint eine Liebes-Beziehung im Reiseland unter anderem auch die Möglichkeit zu bieten, sich ganz und intensiv auf die andere Gesellschaft und ihre Kultur einzulassen. Sie (natürlich spreche ich hier nicht für alle reisenden Frauen und bestimmt gibt es auch Männer, für die die folgenden Überlegungen gelten!) versprechen sich von dem intensiven Kontakt eine Art bereichernde Reiseerfahrung. Dabei ist der einheimische Mann nicht nur Sexobjekt (wie im von Männern dominierten Sextourismus), sondern die persönliche Verbindung zur anderen Kultur. Als Türöffner und Kulturvermittler erleichtert er der Frau Erfahrungen innerhalb der anderen Gesellschaft. In erster Linie geht es jedoch um Erfahrungen mit sich selbst. Das fremde Land und der fremde Mann bieten die Möglichkeit, sich selber neu und anders zu erleben, Phantasien auszuleben sowie den romantisch-exotischen Illusionen vom Latin Lover näher zu kommen. Als westliche Touristinnen genießen die Frauen dabei Unabhängigkeit und Sicherheit: sie sind diejenigen, die entscheiden, wann sie kommen und gehen. Im Unterschied zu einheimischen Frauen können sie also die »Vorteile« eines Machos genießen sie werden umworben und zuvorkommend behandelt ohne sich den traditionellen Rollen tatsächlich ausliefern zu müssen. Andererseits bietet die Männerrolle in Lateinamerika westlichen Frauen die Möglichkeit, unbekümmert einen starken und erotischen Mann zu bewundern, was zu Hause so ungebrochen kaum noch möglich ist. Die einheimischen Männer wiederum suchen die Möglichkeit, sich aus den engen Verhältnissen ihrer eigenen Gesellschaft mit ihren Regeln und Rollenvorstellungen zu lösen symbolisch wie faktisch. Die Hoffnung, mit der Frau irgendwann das Land verlassen zu können, spielt dabei oft eine Rolle. Ausländische/westliche Frauen wirken modern, unkompliziert, freizügig sie scheinen ebenso viel Geld wie Zeit zu haben (sind ja im Urlaub). Im Unterschied zu den Frauen des Landes sind Touristinnen an keinerlei Pflichten oder Verantwortungen gebunden. Vor diesem Hintergrund sind Urlaubsflirts oder Reise-Lieben daher alles andere als frei, leicht und spaßig, wie sie auf den ersten Blick vielleicht aussehen mögen. Innerhalb solcher Beziehungen herrschen Hierarchien, Abhängigkeiten und Ungleichheiten. Dabei kreuzen sich insbesondere bei der Konstellation westliche Frau und einheimischer Mann Machtverhältnisse innerhalb der Geschlechter mit denen der internationalen Verhältnisse: Frauen können auf Grund ihres sozialen und ökonomischen Status als westliche Touristin dominante Rollen in Beziehungen einnehmen, als Frau sind sie jedoch nach wie vor sexistischen und patriarchalen Strukturen untergeordnet. Tina Goethe ist Mitarbeiterin bei FernWeh |
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