Handlanger der Globalisierung | Sklaverei, »schwarze« Karibik und Globalgeschichte

Anmerkung: Wie in der Printausgabe angekündigt finden Sie hier die Langfassung des Textes mit den umfangreichen Endnoten

Die Bedeutung der Sklaverei für die Entwicklung des Kapitalismus ist umstritten. Hat die Zwangsarbeit in den Kolonien die Voraussetzung für die Industrialisierung Europas geschaffen, oder war sie lediglich ein Umweg zur Lohnarbeit? Um die globalgeschichtliche Bedeutung der Sklaverei zu erforschen, ist es hilfreich, die Perspektive zu wechseln, um vom Besonderen – der Sicht der Sklaven – aufs Allgemeine – die historische Bedeutung – schließen zu können.

von Michael Zeuske


In der Nacht des 14. August 1791 trafen sich im Bois-Caïman, dem „Krokodilwald“ in der Nordebene des heutigen Haiti, mehrere Sklaven zu einer „Voudou“-Zeremonie; sie opferten ein schwarzes Schwein und schworen einen Bannfluch 1 Kurze Zeit vor der Zeremonie war der Termin für einen Sklavenaufstand vereinbart worden. Jahre später verweigerten die Sklaven einer Plantage auf Kuba die Arbeit. Als die Aufseher sie sonntags zum Arbeiten zwingen wollten, blieben sie, mit ihren Macheten bewaffnet, in der Sklavenbaracke. Die verängstigten Aufseher sahen sich genötigt, die Landpolizei beizuholen. Das verschaffte dem „Streik“ die Aufmerksamkeit der Behörden. 2 Wieder zwanzig Jahre später ging ein ehemaliger Sklave namens Andrés Pérez „natural del pueblo de Yisá, de la nación Lucumí, en Africa” (gebürtig im Dorf Yisá, von der Lucumí-Nation, aus Africa) zu einem Notar. Er ließ notariell beglaubigen, dass er der Vater des Jungen namens Julio Domingo sei und dass die Großeltern des Jungen Fá Chipe und Hicocun Hova aus Yisá seien, einem Ort im Norden des heutigen Nigeria.3

Alle drei Ereignisse lassen sich auf globalgeschichtliche Phänomene zurückführen, die unter dem Begriff „atlantische Sklaverei“ zusammengefasst werden, genauer gesagt, geht es um atlantischen Sklavenhandel, eine Vielzahl von Sklavereien (Haus-, Staats-, Bergwerks-, Dienstleistungssklaverei), die Plantagensklaverei in der Karibik (Jamaika, Kuba, Venezuela, Neu-Granada, Barbados, Guadeloupe, Martinique, San Thomas, die Guayanas, Brasilien, Süden der USA) und den Kampf gegen die Sklaverei und ihre Folgen (Abolition, Postemanzipation).4 Zwischen 1740 und 1860 war die Plantagensklaverei, vor allem im Zucker und in der Baumwolle, die wichtigste Boomwirtschaft der westlichen Welt. Über Sklaverei und Abolitionsbewegung5 sind Riesenmengen von Büchern geschrieben worden, allerdings fast alle aus der Perspektive der Wirtschaftsform Sklaverei oder aus den Perspektiven der unterschiedlichen Kolonialreiche, die ihre „Perlen“, Zucker- und Sklaveninseln mit Plantagenökonomien in der Karibik hatten (Jamaika, Saint-Domingue/Haiti, Kuba, Süden der USA6 ). Kaum eine der bisherigen Historiken hat die Sklaverei aus der Perspektive der Sklaven oder ehemaligen Sklaven untersucht, aus der Mikroperspektive des gelebten Lebens. Es besteht in der Wissenschaft kein Zweifel darüber, dass Sklavenhandel, Sklaverei und Zwangsarbeit weltgeschichtliche Phänomene gewesen sind.7 Zwischen 1740 und 1865 glaubten die meisten kreolischen Eliten Amerikas, dass Massensklaverei, Modernität und technologische Entwicklung das Normale sei, das „kleine Experiment“ mit freier Arbeit in einer „Ecke des westlichen Europa“ die Ausnahme.8 Aber wie hat sich die weltgeschichtlich höchst bedeutsame Wirtschaftsform Sklaverei auf diejenigen ausgewirkt, die Sklaven gewesen sind und auf ihre Nachkommen? Und wie kann uns das Verstehen dieser persönlichen Erfahrungen helfen, auch heutige Probleme der Welt, zum Beispiel Probleme der Globalisierung besser zu begreifen? Erstens, der Begriff „Mikro“-Geschichte verführt dazu, diese Art von Geschichte als etwas „Kleines“ zu sehen; den großen weltgeschichtliches Prozessen entgegengesetztes. Ist es aber nicht. Jeder große Prozess wird durch Menschen, durch Akteure, gemacht, so klein oder so groß auch ihr Aktionsradius gewesen sein mag. Hier gilt immer noch die Sentenz des jungen Karl Marx: „Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Verhältnissen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.“9 Mikrogeschichte in globalhistorischer Perspektive meint in diesem Sinne nur: „Es gibt eine Geschichte außerhalb unseres Bewusstseins, der Texthermeneutiken und der Medien, sie wird von Menschen gemacht und erinnert - also heran an die Menschen, näher heran an die Akteure; auf zum jeux de echelles (Jacques Revel)“! Mikrogeschichte setzt bei den Menschen, die wirklich gelebt haben, an. Von dort aus richtet sie den Blick auf die unterschiedlichen Ebenen und Räume der Weltgeschichte sowie auf die Dimensionen von Geschichte überhaupt - von Mikro zu Makro, von den Menschen zu den großen Räumen oder Ideen und von Individuen oder Gruppen von Akteuren zu den Prozessen, Institutionen und Strukturen. Sklaverei kannte keine nationalen Grenzen; Sklavereigeschichte kennt keine Nationalhistorien!

Die Versammlung der Voudoupriester im Bois-Caïman10 führte, verkürzt gesagt, zu einer der mächtigsten Revolutionen der neueren Weltgeschichte. Die Revolution von Saint-Domingue 1790-1804 war in ihren Auswirkungen auf die Sklaverei wichtiger als die „amerikanische Revolution“ 1776-1783 oder die Unabhängigkeitskriege Spanisch-Amerikas 1810-1830 (sie wird aber meist anders herum in einschlägigen Geschichten behandelt oder gern ganz unterschlagen).11 Die Auswirkungen der Revolution erfassten den gesamten atlantischen Raum; auch wenn eine Reihe der Menschen, die 1791 den Aufstand geplant hatten, schon lange tot waren. Wir wissen zum Beispiel noch nicht sehr genau, wie sich das Freiheitsstreben so vieler Menschen in den Amerikas, und viele von ihnen waren eben Sklaven wie die von Saint-Domingue, auf die Verankerung der Freiheit, des „westlichsten“ aller Werte, im atlantischen Raum ausgewirkt hat.12 Von der Zäsur Revolution hat sich in den letzten Jahren der Blick der Forscher auf die Kultur der aus Afrika nach Amerika verschleppten Menschen gerichtet und auf die Gesellschaft, die sie nach den Kriegen, Morden und Verheerungen errichteten. Dabei ist zum Teil Erstaunliches zutage gekommen: die Menschen hatten oft schon in Afrika selbst Kontakte mit dem Christentum (und brachten es in die sich herausbildenden synkretistischen Religionen wie Voudou, Palo Monte oder Santería13 ein), oft waren die Afrikaner gerade auch von den Sklavenhaltern gesuchte Fachleute (Landwirtschaft, Bergbau, Militärs); die Plantagensklaven hatten unter der Führung ihrer direkten Vorarbeiter (commandeurs, mayorales) ein weitreichendes Verschwörungsnetz geschaffen, das Plantagensklaven, Stadtsklaven, Maroons (cimarrones) und freigelassene ehemalige Sklaven einband (wie Toussaint L’Ouverture, den späteren Führer des Krieges gegen die Großmächte der Zeit – Großbritannien, Frankreich, Spanien, die versuchten die Sklavenrevolution niederzuschlagen). Die Sklaven der Plantagen im Norden von Saint-Domingue kannten direkte Demokratie; sie hatten regelrechte Abgeordnete (2 pro Plantage) zu den geheimen Konstituierungsversammlungen geschickt, die im August 1791 den Aufstand vorbereiteten und beschlossen. Die afrikanischen Elemente waren also sehr stark und zugleich – nach den Kriterien der Zeit – sehr „modern“, Sklaven mussten nicht unbedingt Rousseau lesen. Die Gesellschaft, die nach 1804 in Haiti entstand war somit viel „westlicher“, als die meisten Zeitgenossen annahmen, die sich oft über die „barbarischen Afrikaner“ auf Haiti lustig machten (Privateigentum an Land, Kernfamilie, Staat, Institutionen, Staatsbürgerstatus für alle Männer, die sich „nègres“ nannten, auch wenn es sich um übergelaufene polnische oder deutsche Soldaten Napoleons handelte).14

Die Sklaven, die den Streik auf einer Plantage der Boomwirtschaftszone Zuckerproduktion auf Kuba durchführten, nutzten die Furcht, die die Aufseher vor ihnen hatten, um den Staat zum Eingreifen in Arbeitskonflikte der Sklaverei zu zwingen. Nach der Revolution von Saint-Domingue war es im gesamten atlantischen Raum erstens im Rahmen einer Eindämmungsstrategie der Sklavenhalter zu Ikonisierungen des „Terrors“ der „Schwarzen“ gegen alle „Weißen“ gekommen (oft in Form von Bildern auf Flugdrucken oder Buchillustrationen, auf den „Schwarze“ „Weiße“ henken oder anderweitig brutal ermorden). Zweitens kam es zu Wellen von zum Teil sehr blutigen Sklavenaufständen15 , die versuchten, das Modell von 1791 zu imitieren. Zu einer zweiten Revolution des Ausmaßes von Saint-Domingue kam es nicht, auch wenn es etwa in Kuba 1844 durchaus hätte dazu kommen können.16 Die Herren hatten dazu gelernt. Der Staat erließ Sklavenschutzgesetze (wie auf Kuba 1842), oder hob die Sklaverei ganz auf, wie 1834 in der britischen Karibik und 1848 in der französischen Karibik (nachdem die Sklaven von Saint-Domingue die Sklaverei auf ihre Wesie „aufgehoben“ hatten).17 Die Angst aber vor blutigen Sklavenaufständen, die „grande Peur“, hatte sich mit ansteigendem Rassismus und Anti-Haiti-Propaganda in der westlichen Welt verbreitet und war zu regelrechten Furcht- und Exklusionsikonen geronnen. 18 Die Sklaven der Plantage „Regla“ wussten um die Furcht und die weitverbreiteten Furchtikonen. Sie nutzten sie aus, um ihre Aufseher zu zwingen, das 1842 erlassene Sklavenreglement einzuhalten, dass Sonntagsarbeit verbot (weitere Beispiele für solche Arbeitskämpfe lassen sich leicht finden19 ). Die Polizei hatte normalerweise keinen Zutritt zum Privateigentum der Plantagen. Nur „außergewöhnliche Ereignisse“ rechtfertigten den Zutritt der Exekutivorgane. Den Sklaven diente die Furchtikone als Signal, um den Staat auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Da die Landpolizei mit den Aufsehern zusammenarbeitete, kam es zur Ermordung eines Sklaven und zur Flucht der anderen Sklaven. Der Staat musste eine Untersuchung anstrengen, in deren Folge der Besitzer zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde – weil er mit seiner Härte Sklavenrebellionen provozierte. Wir haben es also in den Plantagengesellschaften schon vor Abolition der Sklaverei mit dem Versuch des Staates zu tun, der Gewalt der Sklavenhalter und der dadurch provozierten Gegengewalt der Sklaven durch eine Tendenz zur Verrechtlichung entgegenzuwirken.

Das Notariatsprotokoll des ehemaligen Sklaven Antonio Pérez schließlich lässt uns erkennen, dass Sklaven sehr wohl ein ausgeprägtes Verständnis für die Wirksamkeit positiver Rechte westlicher Gesellschaften hatten. Damit ist eine weitere welthistorischen Dimension der Sklaverei angesprochen, die sich bis zum Römischen Recht zurückführen lässt und natürlich auf afrikanische Rechtssysteme.20 Antonio Pérez ließ notariell seine Vaterschaft beglaubigen. Das an sich war schon ungewöhnlich in einer Gesellschaft, in der versklavte Frauen oft als Freiwild für Männer galten.21 Der Sklavenstatus wurde in der amerikanisch-atlantischen Sklaverei des Westens über die Mütter weitergegeben (wir haben also ein wichtiges Thema der Gendergeschichte vor uns). Die Sklaverei wurde in gewissem Sinne durch Mutterrecht regiert22 ; was dieselben Richter für die normale Erbfolge keineswegs akzeptiert hätten – da regierte weitgehend „Vaterrecht“! In den meisten der Sklavereigesellschaften war es explizit verboten, eine Vaterschaftsklage anzustrengen. So schützten sich die Herren oder Verwalter vor den Erbansprüchen der Kinder, die sie mit Sklavinnen gezeugt hatten. Obwohl nur die wenigsten Sklaven oder ehemaligen Sklaven Lesen und Schreiben konnten, wussten sie doch um die Macht der schriftlichen Fixierung von Rechten und Ansprüchen. Oft delegierten sie die Schrift an Vertraute oder Freunde (wie im Falle der Sklaven des Ingenio „Regla“ ein Sklave namens José María González an eine gewisse Juana Sabina, eventuell eine Sklavin, die Schreiben konnte23 ). Damit hatten sie potenziell Zugang nicht nur zum Recht selbst, sondern allgemein zur Gutenberg-Galaxis westlicher Kultur.24

Mit der atlantischen Sklaverei entstand der Rassismus. Rassismus ist die mächtigste Ideologieformation der westlichen Kultur25 , um „Außenseiter“ und „Andere“ als solche erkennbar zu machen und sie aus dem normalen sozialen und politischen Leben auszugrenzen. Auch die Ideologie des Rassismus kennt Stufen weltgeschichtlicher Entwicklung. Von 1450 bis um 1750 wurde der christliche, vor allem katholische, egalitäre Universalismus als positive Legitimierung der Sklaverei nach dem Motto „wir retten die armen Heiden“ genutzt. Um 1770-1800 entstand zusammen mit den wichtigsten philosophischen Theorien des Westens (Kant u.a.) ein neuer „wissenschaftlicher“ und anthropologischer Rassismus, der in seinen praktischen Anwendungen im Grunde darauf hinauslief, afrikanische Menschen ökonomisch zwar auszubeuten (und das „zivilisatorisch“, anthropologisch und religiös zu legitimieren), sie aber sozial, kulturell und politisch (oder gar „philosophisch“) bewusst als „Andere“ - vor allem über Furchtikonen - auszugrenzen. Klassisch ist in dieser Hinsicht der „Discurso sobre la agricultura de La Habana y medios de fomentarla“ von Francisco de Arango y Parreño (1792), dem Adam Smith der amerikanischen Plantagenwirtschaften.26 Von diesem funktionalen Rassismus und seinen medialen Techniken führt ein ziemlich direkter Weg zu den Exklusionsmechanismen unserer Mediengesellschaften.

Afrikanische Menschen, die als Sklaven und Sklavinnen nach Amerika kamen, hatten zunächst nichts als das nackte Leben und ihre Erinnerungen. Antonio Pérez war mit fünfzehn Jahren aus Afrika verschleppt worden. In den Plantagengesellschaften wurden sie als „bossale“ oder „bozales“ verhöhnt – Aufseher, Herren und ganz einfache normale Menschen fürchteten sie als „schwarze Barbaren“ und halbe Tiere. Obwohl bis um 1850 mehr afrikanische Menschen als europäische „Auswanderer“ nach Amerika gekommen waren, hatten frischverschleppte Sklaven keinerlei durch sie definierte oder gar kontrollierte Räume, weder Staat, noch Region, noch Land; die Plantagen waren durch Zaun, Gewalt und Herren-Eigentumsrechte definierte Territorien, die auch noch vom Staat geschützt wurden. Oft aber gab es in den Sklavenreligionen die kulturelle Gegengewalt der Voudou-, Santería oder Mayombe-Priester, die die Plantagen „verhexten“ (für Weiße natürlich) und damit punktuelle Gegenterritorien schufen.27 Erst wenn Sklaven, Sklavinnen und ehemalige Sklaven als Akteure ernst genommen werden, werden ihre vielfältige Kultur (wie Musik; die heutigen „Afro“-Beats weltweiter Musik, Rumba, Conga, Tango, Mambo, Samba, Salsa, haben alle ihre Wurzeln in afroamerikanischen Religionen), ihre Netzwerke und ihre eigenen Territorialdefinitionen (Religionen, von denen Voudou, Candomblé, Umbanda, Santería und Palo Monte nur die bekanntesten sind) deutlich. Viele freigelassene Sklaven, vor allem ehemalige Sklavinnen, kauften als erstes nach der Aufhebung der Sklaverei eine eigenes Stück Garten und eine kleine Hütte. Sie schufen sich damit etwas Eigenes – eigenes Land.28 Antonio Pérez hat das möglicherweise auch getan. Er schuf sich mit dem schriftlich fixierten Notariatsprotokoll aber auch ein „Land der Erinnerung“, sozusagen das „Afrika“ seiner Familie. Und er brachte seine Eltern und damit seine eigene „afrikanische“ Genealogie in das Schriftstück ein. Ob damit eine Art kultureller Protest gegen die speziellen Formen des Rassismus nach Aufhebung der Sklaverei verbunden war, sei dahingestellt.

Ob sich die Führer der Voudou-Zeremonie von Bois-Caïman (der „Zamba“ Boukman Dutty, Jeannot Bullet, Jean-François, Georges Biassou), die streikenden Sklaven der Zuckerplantage „Regla“ in Kuba und der Moreno Antonio Pérez bewusst waren, dass sie einer Gruppe oder „Klasse“ angehörten, kann angenommen werden – dass zumindest hatte die Exklusionsideologie des Rassismus bewirkt. Welche wichtige Rolle ihre Arbeit und die der etwa 10-12 Millionen lebend in Amerika angelangten Menschen aus Afrika und ihrer Nachkommen für die Entwicklung des Westens wirklich bedeutet hat, wurde seit Entstehung der historischen Wissenschaften erst langsam deutlich, obwohl die zu Sklaven degradierten Menschen natürlich immer gegen die Sklaverei rebelliert haben.29 Im 17. Jahrhundert hatten vor allem schwarze Eliten selbst, Jesuiten, Kapuziner und Dominikaner gegen die schlechten Behandlung der Menschen (und gegen die „lebenslange“ Dauer der Sklaverei) aus Afrika protestiert.30 Das Jahrhundert der Aufklärung übte intellektuelle und religiöse Kritik an der Verletzung natürlicher Rechte aller Menschen, aber sie nutzte die „Anderen“ als Symbol, um die Ungleichheit in Europa anzuklagen. Es waren erst die entstehenden historischen Wissenschaften und die politische Ökonomie des 19. Jahrhunderts, die das Thema „Sklaverei und Kapitalismus“ (und, cum grano salis, „Sklaven und Globalisierungen“31 ) auf das Tapet brachte – die Debatte hält bis heute an. Zunächst sind es die großen historistischen Essays Alexander von Humboldts gewesen, die wirklich die Sklaverei anprangerten (vor allem der „Essay über die Insel Kuba“). Humboldt wies um 1825 auch als einer der Ersten darauf hin, dass nach der Revolution von Saint-Domingue „Haiti ... (das) Reich der Äthiopier” werden würde; einfach durch das demographische Gewicht der Sklaven und ihrer Nachkommen würde in der Karibik möglicherweise eine„Afrikanische(n) Konföderation der Freien Staaten der Antillen“ entstehen.32 Englische Kolonialtheoretiker, Karl Marx mit seiner Theorie der „ursprünglichen Akkumulation“ und Eric Williams33 schließlich stießen eine Debatte um den Zusammenhang zwischen Arbeit der Sklaven und Entstehung des Industriekapitalismus in Großbritannien an, die bis heute anhält (und weit über die epistemologischen Schattengefechte etwa in der deutschen Historiografie hinausgeht). Dabei zeichnen sich zwei gegensätzliche Grundpositionen ab: eine eher funktionalistisch-quantitative (Fogel, O’Brien, Eltis u.a.) und eine strukturalistisch-qualitativ-kulturelle Position (Blackburn, Seymour, Inikori, Gilroy u.a.); wobei die Fronten so deutlich natürlich nicht verlaufen. Die erste Position rekurriert vor allem darauf, dass die direkten (und nachweisbaren) Investitionen des Sklavereisektors in die entstehenden britische Industrie gering waren (unter 5%) und das andere Sklavenhandels- und Sklavereimächte (Portugal, Niederlande, Frankreich und, cum grano salis, Spanien und USA, die beide entweder kaum eigenen Sklavenhandel oder nur einen äußerst eingeschränkten bzw. illegalen Sklavenhandel aufwiesen) keinen direkten Durchbruch zum Industriekapitalismus mit freier Arbeit schafften. Die andere Richtung verweist darauf, dass Sklavenhandel, Sklaverei und europäisch dominierte Wellen der Globalisierung eine gigantische Weltwirtschaftskultur geschaffen hätten (atlantischer Handel und Arbeitsteilung, Markt- und Finanzkultur, Schiffbau, Hafen- und Stadtwirtschaften, Konsumtionsmuster, Ressourcennutzung, Defensivindustrien, Festungsbau, Militär, Atlantikkreolen, Missionsorden, geografische Wissenschaften, Kartografie etc., usw.), aus deren Dynamik eben in Großbritannien, dass zudem noch die wichtigsten Gewinne dieser atlantischen Kultur in Finanzinstitutionen (Banken-, Kredit-, Steuer-, Staatsschuldensystem) sowie einem internationalen System institutionalisiert hatte, der Durchbruch zum klassischen Kapitalismus gelang. Sklaven als „Königsware“ (Austausch, forcierte Migration), Akkumulationsposten (Kauf-Verkauf) und Arbeitskräfte (sowie Konsumenten) in wirklich boomenden Stadt/Dienstleistungswirtschaften der großen Häfen des Atlantik und in den Plantagensklavereien bildeten die soziale Grundlage verschiedener imperialer Systeme gebildet, angefangen vom „portugiesischen“ Weltreich, über das „Goldene Zeitalter der Niederlande“ und „la plus riche partie de l'Empire français“ (Saint-Domingue) bis zum britischen Empire.34 Mittlerweilen wird auch immer deutlicher, dass Sklaven die Kultur, das Rechtswesen und viele andere Bereiche stark beeinflusst haben. In den vierhundert Jahren atlantischer Sklaverei (1440-1888) ist eine afrikanische Diaspora auf dem Globus entstanden, deren „westliche“ und „amerikanische“ Dimensionen wir erst gerade ahnen35 , während wir über die Dimensionen afrikanischer Diaspora (und ihre Bedeutung) im islamischen (osmanischen), indischen oder südostasiatischen Bereich wir noch ganz am Anfang stehen (zumal der Sklavenhandel dort schon weit eher einsetzte)36 , ebenso wie bei Forschungen über regionale Sklavereien. Mittlerweilen ist die Debatte um neue Formen der Weltgeschichtsschreibung und der Globalgeschichte verbunden mit Forschungen zur „Neuen Sklaverei“ in unserer Stufe der Globalisierung. Auch wenn wir es in Mitteleuropa wegen der vorherrschenden Medienkultur kaum zur Kenntnis nehmen: der Zusammenhang zwischen Sklaverei, Globalisierungen und Weltgeschichte existiert auch in der Gegenwart37. Wir leben in der Geschichte.

Michael Zeuske ist Professor für Iberische und Lateinamerikanische Geschichte an der Universität Köln. Zuletzt erschienen von ihm: Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikulturen und Emanzipation. Zürich, Rotpunktverlag, 2004, und: Kulturgeschichte der Sklaven und der atlantischen Sklaverei 1400-1940. Lit-Verlag, 2004.


Anmerkungen:

1 Über die Bedeutung der Zeremonie selbst gibt es eine transatlantische Debatte : Dalmas, Antoine, Histoire de la révolution de Saint-Domingue, 2 Bde., Paris : Mame Frères, 1814, Bd. I, S. 117 (der einzige zeitgenössische Historiker, der die Zeremonie erwähnt, geschrieben ca. 1793); Geggus, David P., “Haitian Voodoo in the Eighteenth Century: Language, Culture, Resistance”, in: Jahrbuch für Geschichte von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft Lateinamerikas (JbLA) 28 (1991), S. 21-51; Hoffmann, Léon-François, “Un Mythe national : La cérémonie du Bois-Caïman”, in : La République haïtienne : Etat des lieux et perspectives, Barthélemy, Gérard; Girault, Christian (eds.), Paris: Ed. Karthala, 1993 (Collection „Hommes et sociétés“), S. 434-448; Fick, Carolyn E., “The Saint Domingue slave insurrection of 1791: a socio-political and cultural analysis”, in: Shepherd, Verene A.; Beckles, Hilary McD (eds.), Caribbean slavery in the Atlantic world. A student reader, Kingston: Ian Randle Publishers/Oxford: James Currey Publishers/Princeton: Marcus Wiener Publishers, 2000, S. 961-982; Law, Robin, “La Cérémonie du Bois-Caïman et le ‘pacte de sang’ dahoméen”, in: L’Insurrection des esclaves de Saint-Domingue (22-23 août 1791), ed. Hurbon, Laënnec, Paris : Ed. Karthala, 2000, S. 131-147; Geggus, Haitian Revolutionary Studies, Bloomington & Indianapolis: Indiana University Press, 2002 (Blacks in the Diaspora), S. 81-92; Dubois, Laurent, “Voudou and History”, in: Comparative Studies in Society and History (CSSH), Vol. 43, Number 1 (January 2001), S. 92-100.

2Archivo Nacional de Cuba, La Habana (ANC), Gobierno Superior Civil (GSC), leg. 961, no. 34032 (1864): “Expediente sobre insubordinación de la negrada del ingenio “Regla” de Dn. Juan Sarría vecino de Cienfuegos”.

3 Archivo Histórico Provincial de Cienfuegos (AHPC), Cuba, Fondo Protocolos Notariales (FNP), Protocolos José Rafael de Villafuerte y Castellanos, 1885, tomo 1 (enero - abril), f. 164r-166v, escritura no. 27: “Acta de reconocimiento de hijo natural por el Meno [Moreno] Antonio Perez”, en la Ciudad de Cienfuegos, 28 de febrero de 1885.

4 Zeuske, Michael, Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikulturen und Emanzipation, Zürich: Rotpunktverlag, 2004; Ders., Kulturgeschichte der Sklaven und der atlantischen Sklaverei 1400-1940. Umrisse, Interpretationen und Bibliografien, Münster/Hamburg/London: LIT Verlag, 2004 (Sklaverei und Postemanzipation, ed. Michael Zeuske, Bd. 1).

5 Engerman, Stanley, „Emancipations in Comparative Perspective. A Long and Wide View“, in: Oostindie, Gert (ed.), Fifty Years Later. Antislavery, Capitalism and Modernity in the Dutch Orbit, Leiden/Pittsburgh: KITLV Press/University of Pittsburgh Press, 1995, S. 223-241.

6 Wimpffen, Alexandre Stanislas de, Haïti au XVIIIe siècle : richesse et esclavage dans une colonie française, éd., prés. et annot. par Pierre Pluchon, Paris : Éd. Karthala, 1993 (Relire); Munford, “The ‘Pearl’ of the Antilles is Born: Haiti and Black Slavery - The Early Years, 1629-1715”, in: JbLA, 28 (1991), S. 1-19; Sivers, Jegor von, Cuba, Die Perle der Antillen. Reisedenkwürdigkeiten und Forschungen, Leipzig: Verlag von Carl Fr. Fleischer, 1861; Holt, Thomas C., The Problem of Freedom: Race, Labour, and Politics in Jamaica and Britain, 1832-1938, Baltimore: Johns Hopkins University Press, 1992.

7 Blackburn, Robin, The Making of New World Slavery. From the Baroque to the Modern 1492-1800, London/New York, Verso, 1997; Ders., The Overthrow of Colonial Slavery 1776-1848, London: Verso, 1988; Osterhammel, Jürgen, Sklaverei und die Zivilisation des Westens, München: Carl Friedrich von Siemens Stiftung, 2000.

8 Die Zitate stammt aus Zeitungen der Zeit vor 1863 im Süden der USA, nach: Fogel, Robert W., Without Consent or Contract. The Rice and Fall of American Slavery, 4 Bde., New York; London: W.W. Norton & Company, 1989, Bd. I, 343; siehe auch: Eltis, David, “Slavery and Freedom in the Early Modern World”, in: Eltis, The Rise of African Slavery in the Americas, Cambridge: Cambridge University Press, 2000, S. 1-28, hier S. 4.

9 Marx, Karl, „Der 18te Brumaire des Louis Napoleon“ [1852], in: MEW, Bd. VIII, Berlin: Dietz Verlag, 1978, S. 111-207, hier S. 115.

10 Fick, “The Saint Domingue slave insurrection of 1791: a socio-political and cultural analysis”, S. 961-982.

11 Trouillot, Michel-Rolph, “An Unthinkable History: The Haitian Revolution as a Non-Event”, in: Ders., Silencing the Past: Power and the Production of History, Boston: Beacon Press, 1995, S. 70–107; Wende, Peter (Hrsg.), Grosse Revolutionen der Geschichte. Von der Frühzeit bis zur Gegenwart, München: Verlag C.H. Beck, 2000 (Überblickswerke bei Beck); Osterhammel; Petersson, Niels P., Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen, München: Verlag C.H. Beck, 2003 (Wissen, 2320).

12Brion Davis, David, „Looking at Slavery from Broader Perspectives“, in: American Historical Review, vol. 105, No. 2 (April 2000), S. 452-484; Mann, Kristin, “Ending Slavery/Reforging Freedom: The Problem of Emancipation in Western Culture. A Review Essay”, in: Comparative Studies in Society and History, Vol. 45 (2003), S. 29-40.

13 Palmié, Stephan, “Ethnogenetic Processes and Cultural Transfer in Afro-American Slave Populations”, in: Binder, Wolfgang (ed.), Slavery in the Americas, Würzburg: Königshausen und Neumann, 1993, S. 337-363; Palmié, Wizards & Scientists. Explorations in Afro-Cuban Modernity & Tradition, Durham and London: Duke University Press, 2002.

14 Thornton, “African Soldiers in the Haitian Revolution”, in: Journal Caribbean History 25 (1993), S. 58-80 (abgedruckt in: Shepherd; Beckles (ed.), Caribbean Slavery …, S. 933-945); Thornton, “Africans in the eighteenth-century Atlantic World”, in: Thornton, Africa and the Africans in the Making of the Atlantic World, 1400-1880, Cambridge: Cambridge University Press, 1998 (Studies in Comparative World History), S. 304-334; Eltis, The Rise of African Slavery in the Americas …, S. 4f.; Zeuske, “Revolution im Zentrum der schwarzen Karibik”, in: Ders., Schwarze Karibik …, S. 108-112.

15 Für Martinique und die französischen „Les Amériques“ siehe zum Beispiel: Moitt, Bernard, „Slave Resistance in Guadeloupe and Martinique, 1791-1848“, in: Shepherd; Beckles (eds.), Caribbean Slavery ...., S. 919-931

16 Paquette, Robert L., Sugar Is Made With Blood. The Conspiracy of La Escalera and the Conflict between Empires over Slavery in Cuba, Middletown, CT: Wesleyan University Press, 1988; Geggus, “Slavery, War, and Revolution in the Greater Caribbean, 1789-1815”, in: Gaspar, Barry D.; Geggus, A Turbulent Time. The French Revolution and the Greater Caribbean, Bloomington and Indianapolis: Indiana University Press 1997, S. 1-50.

17 Rochmann, Marie-Christine (ed.), Esclavage et abolitions. Mémoires et systèmes de représentation, Paris: L’Harmattan, 2000 ; Jennings, Lawrence C., French Antislavery: The Movement for the Abolition of Slavery in France, 1802-1848, Cambridge: Cambridge University Press, 2000.

18Zeuske; Munford, Clarence J., „Die ‚Große Furcht‘ in der Karibik: Frankreich, St.Domingue und Kuba (1789-1795)“, in: Ibero-Amerikanisches Archiv. Zeitschrift für Sozialwissenschaften und Geschichte. Neue Folge, Jg. 17, Berlin (1991), Heft 1, S. 32-65; Matthewson, Timothy, „George Washington’s Policy towards the Haitian Revolution“, in: Diplomatic History 3 (1979), S. 321-336; Ders., “Jefferson and Haiti”, in: Journal of Southern History 61 (1995), S. 209-248; Buck-Morss, Susan, “Hegel and Haiti”, in: Critical Inquiry 26 (Summer 2000), S. 821-865; Geggus, “The Influence of the Haitian Revolution on Blacks in Latin America and the Caribbean”, in : Naro, Nancy Priscilla (ed.), Blacks, Coloureds and National Identity in Nineteenth-Century Latin America, London: Institute of Latin American Studies, 2003, S. 38-59.

19 García Rodríguez, Gloria, Conspiraciones y revueltas. La actividad política de los negros en Cuba (1790-1845), Santiago de Cuba: Editorial Oriente, 2003.

20 Diese afrikanischen Rechtstraditionen hebt übrigens der prominente Afrikahistoriker John K. Thornton in seiner Kritik am Spielberg-Film „Amistad“ hervor, siehe: Thornton, „Liberty or Lcense“, in:

21 Moitt, “Women, Work and Resistance in the French Caribbean, 1700-1848”, in: Shepherd; Beckles (eds.), Caribbean Slavery …, S. 1017-1029.

22Dorsey, Joseph C., “Women without History: Slavery and the International Politics of Partibus Sequitur Ventrem in the Spanish Caribbean”, in: The Journal of Caribbean History, vol. 28:2 (1994), S. 165-207.

23ANC, GSC, leg. 968, Nr. 34223 (1866): “Expediente promovido con motivo del auto superior definitivo de S.E. la Real Audiencia Pretorial con el fin de que expresa su último extremo referente al trato que recibe la dotación del Ingenio “Ntra. Sra. de Regla” de D.n. Juan Bta. Sarría” (ohne Foliozählung). In den Dokumenten gibt es keine Erklärung, wer diese “Juana Sabina” ist, die aber eine Schrift hat, die auf öfteres Schreiben hindeutet.

24 Zeuske (mit Rebecca J. Scott), “Property in Writing, Property on the Ground: Pigs, Horses, Land, and Citizenship in the Aftermath of Slavery, Cuba, 1880-1909”, in: Comparative Studies in Society and History. An International Quarterly, Vol. 44, No. 4 (October 2002), S. 669-699; Ders. (mit García Martínez, Orlando), “Notarios y esclavos en Cuba (siglo XIX), in: Debate y Perspectivas 4, Madrid (2004) (demnächst).

25Hannaford, Ivan, Race. The History of an Idea in the West, Foreword by Bernard Crick, Washington, D.C.: The Woodrow Wilson Center Press; Baltimore and London: The Johns Hopkins University Press, 1996.

26 Arango y Parreño, Francisco, “Discurso sobre la agricultura de La Habana y medios de fomentarla” (1792), in : Documentos para la historia de Cuba, 5 Vols. in 4 Bden., Pichardo, Hortensia (ed.), La Habana: Editorial de Ciencias Sociales 1973, Bd. I, S. 162-197; Tomich, Dale W., “The Wealth of the Empire: Francisco de Arango y Parreño, Political Economy, and the Second Slavery in Cuba“, in: Comparative Studies in Society and History, No. 1 (2003), S. 4-28.

27Lienhard, Martin, „Afro-kubanische Oralität und ihre Darstellung in ethnologischen und literarischen Texten“, in: Kuba heute. Politik Wirtschaft Kultur, hrsg. von Ette, Ottmar und Franzbach, Martin, Frankfurt am Main: Vervuert Verlag, 2001 (Bibliotheca Ibero-Americana, Bd. 75), S. 393-409; Ders., Le discours des esclaves de l’Afrique à l’Amérique latine (Kongo, Angola, Brésil, Caraïbes). Traduit du portugais par Beatriz Lienhard-Fernández et l’auteur. Préface d’Emmanuel B. Dongala, Paris: L’Harmattan 2001 (Collection Recherches et Documents – Amériques latines).

28 Zeuske, “Two stories of Gender and Slave Emancipation in Cienfuegos and Santa Clara, Central Cuba – Microhistorical Approaches to the Atlantic World”, in: Scully, Pamela; Paton, Diana (eds.), Gender and Slave Emancipation in the Atlantic World (forthcoming: Duke University).

29 Price, Richard (comp.), Sociedades cimarronas. Comunidades esclavas rebeldes en las Américas, México: Siglo Veintiuno XXI Editores, 1981 (Colección América nuestra ; 33 : América colonizada); Reis, João José; Silva, Eduardo, Negociação e conflito: a resistência negra no Brasil escravista, São Paulo, Companhia das Letras, 1989; Yacou, Alain, „Altérité radicale et convivencia: le marronage dans l’ile de Cuba dans la première moitié du XIXe siècle“, in: Structures et cultures des sociétés ibéro-américaines au-delà du modèle socio-économique. Colloque international en hommage au professeur François Chevalier 29-30 avril 1988, Paris 1990, S. 95-111 ; Reis; Gomes, Flávio (eds.), Liberdade por um fio. História dos quilombos no Brasil, São Paulo, Companhia das Letras, 1996.

30 Gray, Richard, “The Papacy and the Atlantic Slave Trade: Lourenço da Silva, the Capuchins and the Decisions of the Holy Office”, in: Past and Present 115, Oxford (May 1987), S. 52-68; Vila Vilar, Enriqueta, “Introducción”, in: Sandoval, Un tratado sobre la esclavitud; introducción, transcripción y traducción de Vila Vilar, Madrid: Alianza Editorial (Alianza Universidad), 1987, S. 15-44.

31Zeuske, „Sklaven und Globalisierungen. Umrisse einer Geschichte der atlantischen Sklaverei in globaler Perspektive“, in: Sklaverei zwischen Afrika und Amerika, ed. Zeuske, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2003 (COMPARATIV. Leipziger Beiträge zur Universalgeschichte und zur vergleichenden Gesellschaftsforschung, 13. Jg. (2003), Heft 2), S. 7-25; Ders., Kuba und die „schwarze Karibik“. Überlegungen zur unvollendeten Weltgeschichte der Sklaverei in der Moderne, in: Menschenhandel und unfreie Arbeit, ed. Mann, Michael, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2003 (=COMPARATIV, Jg. 13, H. 4), S. 23-41.

32Humboldt, Alexander von, Cuba-Werk, ed. und komm. von Hanno Beck in Verbindung mit W.-D. Grün et al., Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1992 (Alexander von Humboldt Studienausgabe. Sieben Bände. Bd. III), S. 64 und S. 81.

33 Solow, Barbara L., „Caribbean Slavery and British Growth: The Eric Williams Hypothesis“, in: Journal of Developmental Economics 17 (1985), S. 99-115; Dies., Solow (ed.), Slavery and the Rise of the Atlantic System, Cambridge: Cambridge University Press, 1991.

34 O’Brien, Karl Patrick, “The Foundations of European Industrialization: From the Perspective of the World”, in: Casas Pardo, José (ed.), Economic Effects of the European Expansion, 1942-1824, Stuttgart: Steiner, 1992 (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte; Bd. 51), S. 463-502; Blackburn, „New World Slavery, Primitive Accumulation and British Industrialization“, in: Ders., The Making of New World Slavery …, . 509-573; Ders., „Langfristiges ökonomisches Wachstum in der Weltgeschichte: ein Literaturüberblick“, in: Weltgeschichtsschreibung im 20. Jahrhundert, ed. Matthias Middell, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2002 (=COMPARATIV. Leipziger Beiträge zur Universalgeschichte und zur vergleichenden Gesellschaftsforschung, 12. Jg., Heft 3), S. 71-92; Miller, Joseph C., “A marginal institution on the margin of the Atlantic system: The Portuguese southern Atlantic slave trade in the eighteenth century”, in: Solow (ed.), Slavery and the Rise of the Atlantic System …, S. 120-150; Inikori, Joseph E.; Engerman, Stanley L., “Introduction: Gainers and Losers in the Atlantic Slave Trade”, in: Inikori; Engerman (eds.), The Atlantic Slave Trade. Effects on Economies, Societies, and peoples in Africa, the Americas, and Europe, Durham/NC and London: Duke University Press, 1992, S. 283-299, S. 1-21, besonders S. 7-12. Gegentendenzen haben sich ergeben, als quantitative Forschungen in den USA zeigten, dass Sklaverei eben kein “unmodernes” und weniger effizientes Wirtschaftssystem als das System der “freien” Arbeit war, wie noch die Klassiker der Sklavereigegner und Vertreter der „freien“ Arbeit Adam Smith, die Abolitionisten und Karl Marx angenommen hatten: Fogel, The slavery debates, 1952-1990 : a retrospective, Baton Rouge: Louisiana State University Press, 2003; zudem hat Walter Johnson gezeigt, dass innerer Sklavenhandel und Sklaverei durchaus sehr Entscheidendes zur Entwicklung des Kapitalismus in den USA beigetragen haben: Johnson, Walter, “Introduction: A Person with a Price”, in: Johnson, Soul by Soul. Life Inside the Antebellum Slave Market, Cambridge, Mass.; London, Engl.: Harvard University Press, 2000, S. 1-18. Zum Verhältnis von Sklaverei auf Kuba und Entwicklung des Kapitalismus in bestimmten Regionen Spaniens (Katalonien) ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen, siehe: Alonso, Luis, “Comercio exterior y formacion de capital financiero: el trafico de negros hispano-cubano, 1821-1868”, in: Anuario de Estudios Americanos Vol. LI, num. 2 (1994), S. 75-92 sowie: Zeuske, Sklavereien, Emanzipationen und atlantische Weltgeschichte. Essays über Mikrogeschichten, Sklaven, Globalisierungen und Rassismus, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2002 (Arbeitsberichte des Instituts für Kultur und Universalgeschichte Leipzig e.V., Bd. 6); Morgan, Kenneth, “The Impact of Slavery and Atlantic Trade on the Eighteenth-Century British Economy”, in: Pietschmann, Horst (ed.), Atlantic history : history of the Atlantic system 1580 - 1830 ; papers presented at an international conference, held 28 August - 1 September, 1999, in Hamburg / organized by the Department of History, University of Hamburg, in cooperation with Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften Hamburg, Göttingen : Vandenhoeck und Ruprecht, 2002 (Veröffentlichungen der Joachim Jungius-Gesellschaft für Wissenschaften, Hamburg; 94), S. 387-409.

35 Gilroy, Paul, The Black Atlantic. Modernity and Double Consciousness, London: Verso 1993; Clark Hine, Darlene; McLeod, Jacqueline (eds.), Crossing Boundaries: Comparative History of Black People in Diaspora, Bloomington: Indiana University Press, 1999.

36 Um 1970 hat Philipp Curtin für die großen Zeiträume grobe Zahlen vorgelegt, die noch heute gelten: 8 Millionen zwischen 650 und 1905 (einige auch darüber hinaus) aus Ostafrika in die arabischen, persischen und indischen Gebiete; 10 Millionen über die Sahara zwischen 850 und 1890 sowie 10 Millionen Afrikaner, die lebend in Amerika ankamen, zwischen 1450 und 1870, mit Höhepunkt im “Jahrhundert der Aufklärung” (18. Jahrhundert) und im “Jahrhundert der europäischen Zivilisation” (19. Jahrhundert), siehe: Curtin, Philipp D., The Atlantic Slave Trade. A Census, Madison: The University of Wisconsin Press, 1969, S. 73; Ders., “Africa and Global Patterns of Migration”, in: Gungwu, Wang (ed.), Global History and Migrations, Boulder, Col.: Westview Press, 1997, S. 63-94.

37 Bales, Kevin, Die neue Sklaverei, München: Verlag Antje Kunstmann, 2001. Bales kommt auf mindestens 27 Millionen Menschen, die heute unter Sklavereibedingungen (die nicht mehr die gleichen wie in der klassischen atlantischen Sklaverei sind, aber immer noch „mit Gewalt erzwungene Arbeit“) existieren, weniger vorsichtige Autoren sprechen von 250 Millionen Menschen; siehe auch: Meltzer, Milton, Slavery: A World History, New York: Da Capo Press, 1993; Miers, Suzanne, Slavery in the twentieth century: the evolution of a global problem, Lanham, MA: Altamira Press, 2003; Mann, Michael, „Die Mär von der freien Lohnarbeit. Menschenhandel und erzwungene Arbeit in der Neuzeit. Ein einleitender Essay“, in: Ders. (ed.), Menschenhandel und unfreie Arbeit, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2003 (=Comparativ, Jg. 13, H. 4), S. 7-22.