Rezension: Die Türen der Nacht
In Havanna verschwinden Kinder. Der ermittelnde Kommissar Alain Bec deckt ein mafioses System von Pornografie, Menschenhandel und Kinderprostitution auf. Obwohl er erfolgreich ist, spürt er seine Ohnmacht, die ihm eine Prostituierte vor Augen führt: "Manchmal vergesst ihr Polizisten, dass ihr es mit gesellschaftlich bedingten Erscheinungen zu tun habt, und ihr betrachtet die Sache von der rein technischen Seiten: ‚Es kommt darauf an, den Schuldigen zu fassen!' Das ist falsch."
Bec, selbst voller - vor allem rassistischer - Vorurteile, lernt die Gesellschaft anders zu sehen. In der Darstellung des Läuterungsprozesses seines Protagonisten gerät der Roman zuweilen arg moralisierend und pädagogisch. Ansonsten versteht es Valle, auf Kuba der bekannteste Autor seiner Generation (Jahrgang 1967), die Spannung des Krimis mit Gesellschaftskritik jenseits platter Sozialismus-Schelte zu verknüpfen. Die Türen der Nacht bildet den Auftakt - wie könnte es bei kubanischen Autoren anders sein? - zu einer "Havanna-Trilogie" um den Kommissar Bec, der von Fall zu Fall drastischer die Wirklichkeit seines Landes erfährt.
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Amir Valle: Die Türen der Nacht. Edition Köln, Köln 2005, 208 S., 16,90 Euro.