Rezension: Ein Bild der Vergangenheit
Es geschah einmal in dem Burenstädtchen Excelsior zu einer Zeit, als die
Rassentrennungsgesetze Südafrikas jedweden Verkehr zwischen Schwarz und
Weiß und Farbig untersagten, dass von schwarzen Frauen merkwürdigerweise
immer wieder farbige Kinder geboren wurden, deren Väter irgendwie nicht
zu ermitteln waren. Das sprach sich bis nach Pretoria herum, und ein Untersuchungsausschuss
verdächtigte bald - und wohl nicht zu Unrecht - Bürgermeister, Pfarrer,
Polizist, kurzum die Honoratioren Excelsiors. Irgendwann wurde das Verfahren
aber eingestellt, weil die nationale Regierungspartei sonst durch die Doppelmoral
ihrer Mitglieder in erhebliche Erklärungsnöte geraten wäre.
Diesen verbürgten Vorfall greift nun der 57-jährige Dramatiker, Dozent,
Maler und Romancier Zakes Mda in seinem Buch Die Madonna von Excelsior auf,
indem er das Schicksal einer der weiblichen Hauptfiguren nachzeichnet. Es ist
indes nicht nur ein historischer Roman, den Mda da schrieb, sondern ein Buch,
das Vergangenheit und Gegenwart verknüpft, das beweist, dass es zwischen
den Volksgruppen Südafrikas immer schon engste Beziehungen gab, die sich
die Moralapostel prüder Reinheitsphantasien nur eingestehen müssen.
Vergangenheitsbewältigung einmal anderer Art - Mda gelingt das in einer
ironischen und doch zarten und anschaulichen Sprache ganz vorbildlich und vergnüglich.
Unübersehbar sind außerdem nicht immer nur dezente Anspielungen auf
Machtmissbrauch und Korruption innerhalb der Reihen des regierenden ANC, und
so ist dieser Roman in jedweder Hinsicht hoch politisch: mit Blick sowohl auf
das Vergangene als auch auf das Gegenwärtige.
Schade ist nur, dass der Verlag - wohl aus nachvollziehbaren Kostengründen
- darauf verzichtet hat, wie in der Originalausgabe jedes Kapitel mit einem
Gemälde illustriert beginnen zu lassen. Zum noch besseren Verständnis
dieses Romans, dessen Kapitel Mda, der selbst auch Maler ist, mit einer Bildbeschreibung
der Gemälde eröffnet, wäre eine solche Publikation allerdings
unabdingbar gewesen. So aber wirken die malerischen Kapiteleröffnungen
womöglich etwas manieriert.
Manfred Loimeier
Zakes Mda: Die Madonna von Excelsior. Aus dem Englischen von Peter
Torberg. Unionsverlag, Zürich 2005, 315 S. 19,90 Euro