Rezension: Nicht viel anders
"Es gibt keine Alternative zur Sozialdemontage [...]. Von Wegen!"
heißt es auf dem Klappentext des Buches Es geht anders! Die Autoren versprechen,
Alternativen zur derzeitigen Sozialpolitik aufzuzeigen. Dazu wird im ersten
Abschnitt des Buches der derzeitige Zustand des Sozialsystems in Deutschland,
wie es sich entwickelte und weiterentwickelt, beschrieben. Der Legende von der
Alternativlosigkeit, die eine "faktische Große Koalition aus SPD/CDU/CSU/Grüne/FDP"
propagiere, setzen die Autoren Zahlen und Statistiken entgegen, die belegen,
dass die BRD im internationalen Wettbewerb keine exorbitanten Lohnnebenkosten
aufweist. In ihrem keynesianischen Wirtschaftsdenken machen sie sinkende Löhne
für steigende Arbeitslosigkeit verantwortlich und verlangen folglich das
Ende der Lohnkürzungen. Im Folgenden kritisieren die Autoren alle Bestandteile
des Sozialsystems - von der Pflegeversicherung über das Rentensystem bis
zur Arbeitslosenversicherung, die allesamt die Armut förderten. Auf die
Lage jener gesellschaftlichen Gruppe, die besonders stark von Armut betroffen
ist - die MigrantInnen -, gehen die Autoren dabei aber nur am Rande ein.
Diesem analytischen Teil folgt ein Abschnitt mit Gegenentwürfen einer alternativen
Sozialpolitik, die aus dem Parteiprogramm der Linkspartei stammen könnten.
Die Autoren fordern einen fairen rheinischen Kapitalismus, angereichert mit
Arbeitszeitverkürzung, Vermögens- und Tobinsteuer. Dazu gibt es jeweils
Berechnungen, was diese monetär einbringen würden und wozu dieses
Kapital genutzt werden könnte.
Die Autoren bewegen sich fern jeder Utopie, ihnen geht es um einen besseren
Parlamentarismus und um einen Einfluss nehmenden Staat: "Da die Präferierung
der multinational agierenden Konzerne sowie der Großbanken inzwischen
die eigene Volkswirtschaft stranguliert [...], spätestens mit der Etablierung
des Euro-Wirtschaftsraums [...]" jedoch "jeder Versuch obsolet wurde,
Politik für Sozialstaat und soziale Gerechtigkeit in bloß deutscher,
nationalstaatlicher Beschränkung [...] zu formulieren, [...] bietet die
EU günstige Voraussetzungen für ein (sozial-) politisches Regierungsprojekt,
das Weichenstellungen auch gegen Partikularinteressen von Banken und Konzernen
vornimmt". Ein Satz wie aus einem sozialdemokratischen Parteiprogramm.
Sven Polefka
Arno Klönne/ Daniel Kreutz/ Otto Meyer: Es geht anders! Alternativen
zur Sozialdemontage PapyRossa Verlag, 2005, 172 Seiten. 13,50 Euro.