Rezension: Energiesicherheit als Herausforderung
In
Zeiten knapper werdender fossiler Ressourcen und der Klimakatastrophe ist ein
Buch mit dem Titel Energiesicherheit besonders aktuell. Sein Autor Sascha Müller-Kraenner,
Europarepräsentant von The Nature Conservancy, einer führenden internationalen
Umweltorganisation, versteht unter Energiesicherheit nicht nur die sichere und
bezahlbare Versorgung mit Energie, sondern eine Politik, die im Kampf um Rohstoffe
keine neuen Konflikte schafft und die Umwelt nicht unwiederbringlich schädigt.
Außer Frage steht für ihn dabei, dass Erdöl und Erdgas eher früher
als später zur Neige gehen werden.
Müller-Kraenner identifiziert
die USA, Russland, China und die EU als Hauptakteure in der neuen Vermessung der
Welt. Dementsprechend bezieht er sich immer wieder auf diese vier Machtblöcke,
ohne dabei den Nahen Osten, Indien oder südamerikanische und afrikanische
Staaten zu vergessen. Seine Analysen sind in der Regel sachlich und genau formuliert.
Umso negativer fallen Polemiken auf, etwa wenn die USA als "Land der unbegrenzten
Energieverschwendung" bezeichnet werden. Ebenso störend ist die häufige
Verwendung des Imperativs: "Länder, die wie Russland weiter die Atomenergie
nutzen möchten, müssen dazu gebracht werden, sich strikt (...) an Sicherheitsstandards
(...) zu halten." (S. 86).
Gründlich analysiert werden Russland
und China. Ersteres, weil Präsident Putin mit den vorhandenen Ressourcen
Machtpolitik betreibt. Müller-Kraenner deckt beispielsweise auf, wie es Russland
gelingt, Staaten wie die Ukraine, Aserbaidschan und Georgien in Abhängigkeit
zu halten. China ist deshalb von großer Bedeutung, weil sein Wirtschaftswachstum
mit stark steigendem Energiebedarf einhergeht, der auf die Außen- und Energiepolitik
von vielen anderen Staaten Auswirkungen hat. Insbesondere dann, wenn es Russland
gelingt, Europa und China bei der Verteilung seiner Erdgasvorkommen gegeneinander
auszuspielen.
Die EU hingegen behandelt Müller-Kraenner relativ schonend.
Der Westen Europas wird mitunter sogar als Lichtblick dargestellt, was den Umgang
mit Energie, Ressourcen und auch mit Menschenrechten angeht. Gerhard Schröders
Engagement im russischen Unternehmen Gazprom wird zwar aufgezeigt, viel Kritik
muss er sich aber nicht gefallen lassen.
Müller-Kraenner verdeutlicht,
warum es oberstes Ziel eines jeden Landes sein sollte, sich soweit irgend möglich
aus Ressourcenabhängigkeiten zu lösen und nicht nur von einer Abhängigkeit
(etwa vom russischem Erdgas) in die nächste (etwa von brasilianischem Ethanol)
zu geraten. Dem Ausbau der Atomenergie erteilt er dabei eine deutliche Absage.
Die
Qualität des Buches besteht darin, dass es die Zusammenhänge zwischen
Ressourcenknappheit, sicherheitspolitischen Interessen und Umweltzerstörung
verständlich darstellt. Dass der Autor sich dabei nicht mit groben Spekulationen
abgibt, ist angesichts der medialen Stimmungsmache in Energiefragen zu begrüßen.
Georg Eberhardt
Sascha Müller-Kraenner: Energiesicherheit.
Die neue Vermessung der Welt. Verlag Antje Kunstmann, München 2007. 239 S.,
19,90
Euro.