Rezension: Gut gemeinter Rassismus
Spätestens
Ende der 1990er Jahre begann auch innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit (EZ)
eine Auseinandersetzung um rassistische Strukturen. Leider ist es nicht gelungen,
diese Debatte konsequent fortzuführen und sie in konkrete Praxis zu übersetzen.
Das koloniale Gepäck der AkteurInnen stellt nach wie vor eine feste Größe
in der entwicklungspolitischen Realität dar. Die Broschüre Von Trommlern
und Helfern, herausgegeben von den entwicklungspolitischen Landesnetzwerken Berlin,
Hamburg, Hessen und Sachsen, ist seit langem der erste neue Beitrag zu dieser
Debatte. Schlüssig wird darin dargelegt, dass gerade auch EZ-Projekte Bestandteil
eines Systems rassistischer Diskriminierung sind. Ethnisierende Etikettierungen
und rassifizierende Zuschreibungen in Spendenaufrufen von Hilfsorganisationen
oder auf Fairtrade-Produkten kommen dabei ebenso zur Sprache wie der institutionelle,
strukturelle Rassismus, der sich in der Dichotomie zwischen "entwickelten"
und "unterentwickelten" Geber- und Nehmerländern ausdrückt.
Die Broschüre liest sich als flammendes Plädoyer gegen die im
entwicklungspolitischen Betrieb wie in der Eine-Welt-Szene häufig anzutreffende
Reproduktion von Stereotypen, vermittelt durch Tanz- und Trommelgruppen, "afrikanische
Abende" oder "Obstworkshops im Zeichen der interkulturellen Handlungskompetenz".
Zur Vermeidung solcher rassistischer Fallstricke werden Projektstandards formuliert,
Materialien für eine antirassistische Bildungsarbeit (die leider nur bedingt
Personen mit einschlägiger Erfahrung innerhalb der EZ ansprechen) sowie eine
Literaturliste bereitgestellt.
Bebildert ist die Broschüre mit einem
Fotoprojekt mosambikanischer und deutscher SchülerInnen zum Thema "Armut
und Reichtum". Text und Bild stehen zwar nicht in einem direkten thematischen
Zusammenhang, beiden ist jedoch die kritische Auseinandersetzung mit etablierten
Wahrnehmungs- und Deutungsmustern im Nord-Süd-Verhältnis gemein. Die
Stärke der Broschüre ist die Problematisierung verschiedener Formen
von Rassismus in der Arbeit von EZ-Organisationen. Wünschenswert wäre
jedoch eine stringentere und kompaktere Einführung in die Grundlagen antirassistischer
Theorie. Ebenso fehlt eine intensivere Bearbeitung des kolonialen Kontextes. Insbesondere
der in missionarischer Tradition stehende "Helfer"-Diskurs, auf den
der Titel der Broschüre verweist, hätte einer ausführlicheren Analyse
bedurft. Dem Anspruch, längst überfällige Diskussions- und Denkanstöße
zu geben, wird die Broschüre aber gerecht.
Fabian Holzheid/Sara
Zavaree
Von Trommlern und Helfern. Beiträge zu einer nicht-rassistischen
entwicklungspolitischen Bildungs- und Projektarbeit. 84 Seiten. Bezugsadresse:
Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag e.V. (BER), Greifswalderstr. 4, 10405
Berlin, buero@ber-ev.de, Schutzgebühr: 5 Euro zzgl. Porto