Jahresrückblick 2004 und ein kleiner Ausblick auf 2005 Freiburg, im Januar 2005
Liebe Spenderinnen, liebe Spender,
anbei übersenden wir Ihnen Ihre Spendenbescheinigung für das Jahr 2004 und möchten Ihnen ganz herzlich für Ihre Unterstützung danken!
Es ließen sich trotz aller Versuche, dies abzuwenden, eine Reihe von Kürzungen und Streichungen institutioneller Zuschüsse für das iz3w nicht verhindern. Unsere Arbeit war daher empfindlichen Sparzwängen ausgesetzt. Doch trotz der für Viele ökonomisch zunehmend schwierigen Zeiten konnten wir mit Ihrer Hilfe unsere Spendeneinnahmen steigern und so einen Teil der weggefallenen Fördergelder ausgleichen.
Mittlerweile haben wir 356 registrierte Fördermitglieder, dazu kommen AbonnentInnen, die mehr als ihre Abogebühren überweisen oder im Laufe des Jahres kleinere oder größere Einzelspenden überweisen. Alle tragen dazu bei, dass das iz3w (informationszentrum 3. welt) und damit die iz3w (die Zeitschrift) als kritische Instanz erhalten bleiben.
Die Zeitschrift iz3w
Wir haben in 2004 den Ansatz weiterverfolgt, kontroverse Debatten in der Zeitschrift auch kontrovers zu führen und nicht eine bestimmte Position durchzusetzen. Diese Breite der Ansätze und Meinungen hat bei bestimmten, spannungsgeladenen Themen durchaus zu kontroversen Diskussionen geführt. Auch in der Redaktion selber kam es zu Meinungsverschiedenheiten darüber, ob einzelne Artikel veröffentlicht werden sollten. Es gab einzelne Abo-Kündigungen mit Begründungen, in denen der iz3w vorgeworfen wurde, ein "Tendenzblatt" der einen oder anderen Linie geworden zu sein. Doch schließlich wird wohl jedeR, der/die sich über einen Artikel ärgert, auch viele andere zum Thema finden, die eine ganz andere Position vertreten. Deshalb gab es schließlich auch viel Bestätigung für unser Konzept.
Mit einigen unserer sieben Heftschwerpunkte (es gab ein Doppelheft) bündelten wir neue internationale Debatten und Entwicklungen. Angesichts des 100. Jahrestages des Aufstands der Herero gegen die deutsche Kolonialherrschaft in "Deutsch-Südwestafrika" wurden unsere zwei aufeinanderfolgenden Kolonialismus-Schwerpunkte sehr gut aufgenommen. "Nicht vergeben, nicht vergessen - Deutscher Kolonialismus I" und "Eine verklärte Geschichte - Deutscher Kolonialismus II", thematisierten vor allem die erinnerungs- und vergangenheitspolitische Aufarbeitung der Kolonialzeit, und zwar sowohl hier als auch in den ehemals kolonisierten Ländern.
Bislang einzigartig in der Geschichte der iz3w war der Themenschwerpunkt "Chinas neue Freiheit - Reformpolitik in der Kritik". Darin veröffentlichten wir Beiträge aus dem in Hong Kong erschienenen Sammelband "China Reflected" erstmals in deutscher Sprache, wenn auch aus Platzgründen in gekürzter Fassung. Die Beiträge ermöglichen einen Einblick in die Debatten chinesischer Intellektueller und irritieren auch so manche hiesige Gewohnheitssicht auf das Klischee beladene "Reich der Mitte".
Das Thema "Globalgeschichte" wurde im Spätsommer 2004 in einem extradicken Heft behandelt. Auf 30 Seiten widmeten wir uns den Zusammenhängen von Migration, Sklaverei oder Ernährung aus einer Perspektive, die jenseits der üblichen nationalstaatlichen Geschichtsschreibung liegt. Nicht zuletzt war diese Doppelnummer allerdings auch der Finanzmisere geschuldet, kostet eine dicke Ausgabe doch weniger als zwei normale, weil wir Satz-, Druck- und Vertriebskosten sparen. Doch seien Sie beruhigt, sicherlich wird das Sparinstrument "Doppelnummer" eine Ausnahme bleiben. 2005 stehen wieder acht reguläre Ausgaben der iz3w auf dem Programm.
Einen weiteren Schwerpunkt legten wir in diesem Jahr auch wieder auf der Fortführung unserer Artikelreihen zu soziale Bewegungen, Globalisierung, Rassismus und Migration. Außerdem lancierten wir eine neue Reihe zu Deutschem Kolonialismus in Anschluss an unsere beiden Themenschwerpunkte.
Das Projekt "FernWeh"
Im zweiten Jahr des von der EU-Kommission geförderten Projektes FernWeh wurde eine große Anzahl an Aktivitäten durchgeführt. So wurde im April der Wettbewerb zu Kurzfilmexposees "Mit fremdem Blick - Trouble in Paradise" mit der Prämierung von drei Einsendungen und im Juni der international ausgeschriebene Fotowettbewerb "backstage of tourism" mit einer Juryentscheidung und Prämierung der zehn besten Bilder abgeschlossen.
Im Anschluss an den Filmexposee-Wettbewerb stellten wir bei der Bundeskulturstiftung einen größeren Antrag, um in Zusammenarbeit mit verschiedenen Filmgruppen vier Filme realisieren zu können, der aber leider abgelehnt wurde. Mindestens den Film mit dem Titel "Survive Berlin" werden wir in 2005 dennoch koproduzieren, für die anderen suchen wir noch nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten. Die Bilder des Fotowettbewerbs werden Teil einer Fotoausstellung sein, die 2005 fertig gestellt und ab dann in verschiedenen Städten gezeigt werden soll.
Von FernWeh wurden auch eine Reihe Artikel produziert sowie Seminare durchgeführt, etwa zu den Themen "Tourismus*Rassismus*Migration", "Interkulturelle Begegnung auf Reisen",
"Stories from Paradise" (Schreibwerkstatt und Fotoworkshop für Jugendliche und junge Erwachsene). Viele weitere Informationen können auf der FernWeh-Seite von www.iz3w.org abgerufen werden.
Außerdem wurde noch die neue und "poppige" Internetpräsenz www.trouble-in-paradise.de/ erarbeitet und online geschaltet, die speziell jungen Erwachsenen Denkanstösse zur kritischen Beschäftigung mit dem Thema Ferntourismus bietet. In 2005 soll das Angebot noch stark erweitert werden, u.a. mit den Einsendungen eines Schreibwettbewerbs.
Das Archiv
Trotz der finanziell angespannten Lage haben wir unser Archiv in 2004 öffentlich zugänglich gehalten. Der laufende Betrieb, die Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung mit der "Kooperation Dritte Welt Archive - Archiv³" könnten zwar einiges mehr an Arbeitszeit vertragen. Doch immerhin wird die Möglichkeit, über unsere Website Rechercheaufträge zu erteilen, rege in Anspruch genommen. Seit September 2004 steht unter www.archiv3.org zudem die neu gestaltete Datenbank der Dritte Welt Archive zu Verfügung. Mit komfortablen Bestellmöglichkeiten erleichtert sie den Zugriff auf einen Informationsschatz (über 120.000 Zeitschriftenartikel, 25.000 Bücher, 20.000 Materialien der grauen Literatur und 3.000 Unterrichtsmaterialien), der sonst nur über umständliche Recherche oder Zufallstreffer zu finden ist. Wir füttern diese Internet-Datenbank laufend mit neuen Literaturangaben.
Weitere Aktivitäten des iz3w
Da die iz3w-Seiten im Internet (einschließlich FernWeh) im Durchschnitt täglich von ca. 1.200 (!) verschiedenen Rechnern aus aufgerufen werden, stand es an, unsere Web-Präsenz einmal gründlich zu erneuern. Ende November war es soweit: Die Seiten auf www.iz3w.org/iz3w/ sind nun besonders übersichtlich aufgebaut und es finden sich z.B. zu jedem Heft neben dem Inhaltsverzeichnis und Leseproben auch das Titelbild und ein kurzer Einführungstext (rückwirkend bis Ausgabe 235). Ein Kasten informiert immer vorab über das Thema der nächsten Ausgabe. Auch alle sonstigen Publikationen sind nun mit Titelbildern versehen.
In die neue Rubrik downloads haben wir zwei komplette Hefte zum Durchblättern, Herunterladen oder Ausdrucken eingestellt: iz3w # 258 zum Thema Geld und globale Finanzmärkte und das Sonderheft Malestreaming Gender? - Geschlechterverhältnisse in der Entwicklungspolitik; beide sind als Drucke vergriffen. Zu einzelnen unserer Titel gab es Radiosendungen, die beim Portal Freier Radios archiviert sind. Wir haben links auf die entsprechenden Adressen gelegt, wo diese Sendungen im MP3-Format herunter geladen werden können.
Des Weiteren führten wir eine ganze Reihe gut besuchter Veranstaltungen in Freiburg durch: Die ReferentInnen Anja Arnautovic und Ivan Dinic aus Belgrad berichteten am 11.2. über "Homophobie und Menschenrechte in Serbien". Am 31.3. führten wir mit Radio Dreyeckland eine Vortragsveranstaltung mit Diaprojektion "Zur Lage im Kosovo - fünf Jahre nach dem Nato-Krieg" durch. iz3w-Autor Markus Bickel (Sarajevo) gab einen kenntnisreichen Einblick in die Realitäten des Protektorats und speziell die völlig verfahrene und ungewisse politische Situation. In einem Vortrag zu "Antisemitismus im Nahostkonflikt" des Islamwissenschaftlers Jochen Müller (Memri, Berlin) am 3.5. stand der Arabische Nationalismus im Vordergrund. In der KTS Freiburg veranstalteten wir am 19.5. in Zusammenarbeit mit Radio Dreyeckland einen Vortrag zum Thema "EU-Osterweiterung - Erweiterung des Neoliberalismus?". Gisela Neunhöffer (Berlin/Moskau) analysierte verschiedene Strategien der Transformation in Osteuropa sowie damit verbundene Prozesse der Integration und Peripherisierung.
Zum ersten Mal planten wir auch ein groß angelegtes sommerliches Hoffest am 21.8. zugunsten des iz3w. Extrem schlechtes Wetter schlug sich jedoch negativ auf die Besucherzahlen nieder, wenn auch die Stimmung bei Bands und Gästen dennoch relativ gut war.
Kleiner Ausblick auf 2005
2005 hat das iz3w eigenes geplant: Den Auftakt bildet eine vielseitige Film- und Vortragsreihe zum Thema "Deutscher Kolonialismus in Afrika" in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino Freiburg vom 19.1. bis 4.2. (weitere Informationen: www.iz3w.org). Ende des Jahres - im Wintersemester 2005/2006 - wird es eine Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit dem Studium Generale an der Freiburger Universität zum Thema "(Post-)koloniale Reisebilder" geben. Mit insgesamt acht bis zehn Vorträgen wollen wir die Zusammenhänge von Rassismus, Migration und Tourismus fokussieren.
Des Weiteren planen wir momentan für Anfang 2006 eine Konferenz mit internationaler Beteiligung mit dem Arbeitstitel "Postdeutsche Kolonien - postkoloniales Deutschland". Dabei sollen u.a. die Ansätze der postkolonialen Kritik und der Cultural Studies auf den deutschen Kolonialismus angewendet und auf seine bis heute nachwirkenden mentalen, politischen und soziokulturellen Strukturen bezogen werden. Im Rahmenprogramm der Konferenz sollen Lesungen, Filmvorführungen, Videoinstallationen und Ausstellungen präsentiert werden. Es werden ca. 250 BesucherInnen für die Konferenz avisiert. Die Realisierung des Vorhabens wird zu großen Teilen von einer Bezuschussung durch Stiftungen oder andere Förderer abhängig sein.
Wie jedes Jahr werden wieder acht Ausgaben der Zeitschrift iz3w herauskommen. Kurz vor der Fertigstellung ist ein Themenschwerpunkt zum Thema "Kritische Arabische Stimmen". Weitere für 2005 geplante Schwerpunkte sind: Realitäten des Multikulturalismus, Süd-Süd-Beziehungen, Alter und Indien. Anregungen für AutorInnen und (weitere) Themen sind jederzeit willkommen!
Spenden im Jahr 2004
Anbei finden Sie die Spendenbescheinigung für das vergangene Jahr.
(Für alle FörderabonnentInnen: Aus steuerrechtlichen Gründen müssen wir wie jedes Jahr bei der Spendenbescheinigung einen Teil für das beinhaltete Abo abziehen, dürfen also nur den Differenzbetrag zum durchschnittlichen Abopreis von 29 € als Spende ausweisen. Bei 52 € Förderabobeitrag ergibt sich also ein Spendenanteil von 23 €).
Sollten Sie Rückfragen zu Ihrer Spendenbescheinigung haben, rufen Sie uns bitte an oder schreiben Sie uns, damit wir diese klären können. Sie können sich an Felix Schmieding (abo@iz3w.org) oder Heiko Wegmann (webmaster@iz3w.org) wenden.
Wir würden uns auch in diesem Jahr über Spenden von Ihnen freuen. Sie sind eine wichtige Stütze unserer Arbeit. Überweisen können Sie auf unser Konto: Inhaberin: Aktion Dritte Welt e.V., Konto-Nr.: 14 82 39 755 bei der Postbank Karlsruhe, BLZ 660 100 75, Verwendungszweck: Spende für ADW e.V. (sowie Wohnortsangaben)
Zur Unterstützung besteht weiter die Möglichkeit, Geschenkabos einzurichten oder Infomaterial bei uns anzufordern und an Interessierte zu verteilen oder bei Büchertischen auszulegen.
Wir danken Ihnen noch einmal herzlich für die Unterstützung des iz3w und wünschen Ihnen ein gutes Jahr 2005.
Mit freundlichen Grüßen,
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des iz3w