südnordfunk #136 | Klimagerechtigkeit in Westafrika | GenZ-Bewegungen im Globalen Süden | Jugend-Musik-Zentrum in Palästina
südnordfunk #136 im September
Wann: Dienstag, 2. September 16 Uhr | Wiederholung: Freitag, 5. September 11 Uhr
Wo: On Air 102,3 MHz | Livestream rdl.de
Warum gehen im Globalen Süden vor allem junge Menschen auf die Straße, wenn es um gesellschaftliche Veränderungen geht? Darüber sprechen wir dieses Jahr häufiger im südnordfunk. Im Interview mit Sarah Weiß, Programmleiterin »Junge Aktivist*innen, Globale Abteilung für Demokratie und Menschenrechte« der Heinrich-Böll-Stiftung Brüssel, verschaffen wir uns in dieser Sendung einen Überblick über GenZ-Bewegungen weltweit. Für jungen Menschen in Palästina hat der Musiker Ahmed Eid einen Ort zum Musikmachen aufgebaut: den Palestine Music Space. Auch darum geht es in dieser Sendung.
Außerdem: Die Lage von Asylsuchenden aus Kolumbien in Deutschland und westafrikanische Perspektiven auf Klimagerechtigkeit, mitgeschnitten beim Transborders Camp in Nantes.
Die Magazinbeiträge
»Eine der größten Ungerechtigkeiten unserer Zeit«
Ausschnitte aus einem Klimagerechtigkeits-Workshop auf dem Transborders Camp in Nantes
Vielen in Deutschland bleibt die Flutkatastrophe im Sommer 2021 in Erinnerung. 135 Menschen starben alleine im Ahrtal, insgesamt 195 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Katastrophen in dieser Größenordnung ereignen sich in Niger Jahr für Jahr. Zwischen August und Oktober leidet der Sahelstaat unter extremen Überschwemmungen. 2024 wurden mehr als 40.000 Haushalte zerstört. Aber von solchen Folgen des Klimawandels außerhalb Europas bekommen wir in der Regel nur wenig mit.
Im August 2025 hat das transnationale Netzwerk Afrique-Europe-Interact einen Workshop zum Thema Klimagerechtigkeit organisiert. Aktivist*innen aus Niger, Mali, Togo und Guinea berichteten, wie die Menschen in Westafrika schon heute mit den Folgen des Klimawandels leben. Was ist hier die Verantwortung Europas? Können die Betroffenen auf Kompensationszahlungen für Schäden und Verluste hoffen? Oder bringen diese vielmehr neue Probleme mit sich? Ein Beitrag von Lars Springfeld.
»Wir beobachten immer mehr, dass junge Menschen die Dysfunktionalität ihrer Regierungen satt haben«
Interview mit Sarah Weiß von der Heinrich-Böll-Stiftung
Warum gehen im Globalen Süden vor allem junge Menschen auf die Straße, wenn es um gesellschaftliche Veränderungen geht? Von den Protesten in Kenia über die erfolgreiche Revolution in Bangladesh bis hin zu der End-SARS-Bewegung in Nigeria – weltweit sind es vorwiegend Aktivist*innen der so genannten Generation Z, die den Wandel vorantreiben.
Eva Gutensohn vom südnordfunk sprach mit Sarah Weiß, Programmleiterin »Junge Aktivist*innen, Globale Abteilung für Demokratie und Menschenrechte« der Heinrich-Böll-Stiftung Brüssel unter anderem darüber, warum konventionelle Politik für junge Menschen oft nicht zugänglich ist und wie soziale Medien Proteste revolutioniert haben. Über die besonderen Herausforderungen junger Menschen im Globalen Süden, die Rolle von Geschlecht und Bildung in Protestbewegungen und die Frage: Was macht eine Bewegung erfolgreich?
Sarah Weiß erklärt auch, warum wir in Europa oft gar nicht mitbekommen, welche bedeutenden Bewegungen gerade in Afrika, Asien und Lateinamerika entstehen – und was wir von ihren Strategien lernen können, während auch bei uns demokratische Räume schrumpfen.
»Hier verwandelt sich etwas Schweres in etwas Kreatives und Schönes«
Interview mit Musiker Ahmed Eid
»Ein Monument der Hoffung und Kreativität«, so wird der Palestine Music Space auf Ahmed Eids Webseite beschrieben. Der Musiker lebt zwischen Berlin und Ramallah und ist Teil der Band Bukahara. Seit 2024 tourt er auch solo und mit der Band ILYF durch Europa. Ahmed Eid hat sein Leben und seine Kunst dem Aktivismus gewidmet. Mit dem Palestine Music Space in seiner Heimatstadt Ramallah will er für Künstler*innen der Generation Z musikalische Perspektiven schaffen und ihnen einen Ort der Sicherheit bieten. Dabei denkt er insbesondere an junge Menschen aus marginalisierten Gruppen. Im Interview erzählt Eid von den Sorgen und Wünschen der GenZ Palästinas sowie der Musik als Werkzeug, um sich künstlerisch und politisch auszudrücken. Ein Beitrag von Frizzi Brama, mit Antworten und Musik von Ahmed Eid.
Zwischen Anwerbung und Abschiebung
Kolumbianer*innen in Deutschland
Menschen aus anderen Ländern, die in Deutschland Schutz suchen: Da denkt mensch zuerst an Personen aus Syrien oder Westafrika – nicht an lateinamerikanische Länder. Auf Platz 10 der Herkunftsländer von AsylbewerberInnen stand im Jahr 2024 aber auch Kolumbien. Das Land erlebt derzeit eine weitere Phase des bewaffneten Konflikts. Die Politik der „Paz total“, des vollständigen Friedens, wie sie die Regierung Gustavo Petro verfolgt, hat bislang kaum Früchte getragen.
Politik und Wirtschaft in Deutschland aber sehen in Kolumbien einen wichtigen strategischen Partner – vor allem in der wirtschaftlichen Kooperation. Die Ausländerbehörden wiederum erkennen die Fluchtgründe der Menschen aus Kolumbien selten an. Ein Beitrag von David Graff (Beitragsübernahme von onda info vom Nachrichtenpool Lateinamerika).
Die Sendung ab Mittwoch zum Nachhören beim südnordfunk.
Stay tuned!