südnordfunk #137 Künstlerischer GenZ-Protest: Afrikanische Zukunftsvisionen | Malen als Flucht für Mexikanische FLINTA | Protestmusik in Ostasien
südnordfunk #137 im Oktober
Wann: Dienstag, 7. Okt. 16 Uhr | Wiederholung: Freitag, 17. Okt. 11 Uhr
Wo: On Air 102,3 MHz | Livestream rdl.de
Kunst als Widerstand – das ist das verbindende Thema unserer Oktober-Sendung. Wir widmen uns künstlerischen Protestformen aus verschiedenen Regionen des Globalen Südens und fragen: Welche Rolle spielen Kreativität, Musik und visuelle Kunst in den politischen Kämpfen der GenerationZ?
Kunst im Globalen Süden ist selten l'art pour l'art – sie ist oft unmittelbar mit gesellschaftlichen Realitäten verwoben. Ob Street Art in mexikanischen Grenzstädten, afrofuturistische Visionen aus Togo oder Protestsongs in Hongkong: Künstlerische Ausdrucksformen werden zu Werkzeugen des Widerstands, der Selbstermächtigung und der kollektiven Identitätsbildung.
Kunst schafft Räume, wo andere verschlossen sind. Wo staatliche Repression politische Organisation erschwert, wo Gewalt den öffentlichen Raum dominiert, da eröffnet Kunst alternative Handlungsmöglichkeiten. Sie macht Unsichtbares sichtbar – unterdrückte Stimmen, ermordete Frauen, marginalisierte Gemeinschaften.
Kunst ist nicht nur Medium der Anklage, sondern auch der Utopie. Sie entwirft Gegenbilder zur herrschenden Realität, imaginiert andere Zukünfte, andere Währungen, andere Gesellschaftsordnungen. Besonders deutlich wird das in afrofuturistischen Arbeiten, die koloniale Narrative durchbrechen und eigenständige Zukunftsvisionen entwickeln.
Und: Künstlerischer Protest kann hochriskant sein. Während im Globalen Norden Kunstfreiheit weitgehend geschützt ist, setzen sich Künstler*innen im Globalen Süden oft existenziellen Gefahren aus – Verfolgung, Zensur, Gewalt. Dennoch machen sie weiter, gerade weil ihre Stimmen so dringend gebraucht werden.
Die Magazinbeiträge
»Technomagie und Kunst, die die Welt repariert«
Antonia Vangelista nimmt Euch mit in die Austellung »The Currency Lab Technomagies«, die von Mai bis Juli 2025 in Freiburg zu sehen war. Im Oktober 2025 gastiert die Ausstellung in Dresden. Sie blickt auf Währungen, Werte und Zukunftsvisionen auf dem afrikanischen Kontinent. Der südnordfunk berichtet direkt aus der Ausstellung und hat außerdem mit Elom20ce gesprochen. Er ist einer der zentralen Künstler der Ausstellung.
»Gemeinsames Malen als Flucht vor den Alltagssorgen«
Das Kunstkollektiv »Perras Bravas« aus Mexiko
Ciudad Juárez – eine Stadt, die seit den 1990er Jahren zum Synonym für Frauenmorde geworden ist. Hier, in der mexikanischen Grenzmetropole, wurde der Begriff Femizid zum ersten Mal verwendet. Hier wuchsen junge Frauen auf, für die Gewalt, Mord und das Verschwinden von Mädchen zur Alltagsrealität gehörten.
Drei von ihnen haben sich zusammengetan: Die Künstlerinnen Poli no Police, Nayo und C Is for Scorpio nennen sich Perras Bravas – Bissige Hündinnen. Mit Street Art erobern sie sich den öffentlichen Raum zurück, der ihnen als Frauen verwehrt werden sollte. Sie kleben Paste-Ups an Wände, malen Graffiti und schaffen damit nicht nur politische Kunst, sondern auch einen Safe Space füreinander. Kathrin Zeiske hat das feministische Kollektiv in Ciudad Juárez getroffen und mit ihnen gesprochen.
Von »Glory to Hong Kong bis K-Pop-Lightsticks«
Die Rolle von Musik in ostasiatischen Demokratiebewegungen
Welche Rolle spielt Musik in politischen Protestbewegungen? Die Forscherinnen Miriam Bartolozzi und Phuk Nguyen (Nwien) von der Universität Macerata erläutern, wie Protestmusik kollektive Identität formt, emotionale Solidarität schafft und vergangene mit gegenwärtigen Kämpfen verbindet.
Am Beispiel der Proteste gegen das Auslieferungsgesetz in Hongkong, der Sunflower Bewegung in Taiwan und der Demonstrationen für ein Amtsenthebungsverfahren in Südkorea seit den 2010er Jahren erläutern sie sowohl Gemeinsamkeiten als auch deutliche Unterschiede zwischen den drei Bewegungen – insbesondere, was den Konfrontationsgrad der Musik und die politischen Rahmenbedingungen für die jungen Protestierenden betrifft. Was sind die Risiken für Künstler*innen, die sich politisch äußern? Kann Musik zum Erfolg oder Scheitern von Protestbewegungen beitragen? Ein Beitrag von Eva Gutensohn.
Die Sendung ab Mittwoch zum Nachhören beim südnordfunk.
Stay tuned!