Aufstand in Togo | Aufrüstung in Ostasien | Kämpfe in Myanmar

südnordfunk #138 im November

Wann: Dienstag, 4. Nov. 16 Uhr | Wiederholung: Freitag, 7. Nov. 11 Uhr

Wo: On Air 102,3 MHz | Livestream rdl.de


Sendung nachhören

 

In der Sendung schauen wir nach Myanmar, nach Togo und Richtung Indo-Pazifik. Die Themen scheinen nichts Verbindendes zu haben: Feministische Arbeitskämpfe in der Textilindustrie, Aufruhr und Proteste auf den Straßen in Lomé gegen die rund 60 Jahre währende Herrschaft der Familie Gnasingbé, dann die militärische Hochrüstung im südchinesischen Meer.

Doch alle drei Themen sind - auf lokaler Ebene und im gelebten Alltag der Menschen - Ausdruck der Polykrise, von der so viel die Rede ist. Die Vielfachkrise: Angriffskriege,  Energiepreisexplosion, Inflation, Gesundheitskrise und nicht zu vergessen die Klimakatastrophe. Es jagt nicht nur eine Krise die nächste und verschärft die Folgen der vorangegangenen, die desolaten Krisenlösungsstrategien werden geradezu globalisiert: Allerorten soll wirtschaftliche Stagnation durch ressourcenintensives Wachstum wettgemacht werden, die Fossilindustrie tritt als Krisenprofiteur auf. Wirtschaftslibertäre Schocktherapien wie in Argentinien sind auf dem Vormarsch und die Militarisierung der Gesellschaft scheint die dominante Rezeptur gegen jegliche Sicherheitskrisen. Egal, ob diese real ist (Terror) oder herbeigeredet (Bevölkerungsaustausch). Das Resultat all dessen: Der Abbau demokratischer Strukturen durch autoritäre Regime und rechte Bewegungen. Das Dossier »Die Vielfachkrise – noch reparabel?« unserer südnordpolitischen Zeitschrift fragte schon letztes Jahr nach den internationalen Wechselwirkungen dieser multiplen Krise. Die drei Schauplätze, die wir heute im südnordfunk besuchen, sind also auch Ausdruck des Krisenkomplexes.

Sicher haben unsere Hörer*innen sich schon einmal gefragt, wie und nach welchen Kriterien der südnordfunk seine Themen auswählt angesichts der sich überschlagenden Ereignisse. Denn eine Stunde Sendezeit im Monat kann nur wenige Schauplätze abbilden. Der südnordfunk lässt die Stimmen derer zu Wort kommen, die sich im Globalen Süden gegen die Normalisierung der Krisen wehren, die trotz starker Repressionen aufbegehen, die die Krisenmitverantwortlichen nicht einfach länger gewähren lassen wollen. Von daher sprechen wir oft mit Menschenrechtsverteidiger*innen, Jurist*innen, Kampagneninitiator*innen und kritischen Analyst*innen, deren Stimmen in den Debatten um die Vielfachkrise in Europa eher selten zu hören sind.

In der Novembersendung ist es eine Gewerkschaftsaktivistin aus Myanmar, ein Analyst der Militarisierung aus den Philippinen, ein Vertreter der Bewegung »Tournons La Page« aus Togo, die zugleich Teil eines afrikanischen Bündnisses junger Menschen ist, die einen Wandel der politischen Herrschaftssysteme in ihren Ländern fordern.

Berichterstattung zu den Protesten in Togo, einer ehemaligen deutschen Kolonie, ist in Deutschland mager. Die Deutsche Welle berichtet in ihrem französischen Kanal über den Beginn der neuen Aufstandswelle 2025.

Die Magazinbeiträge

 

»Der erste Schritt ist die Befreiung des Wortes«

Die junge Bewegung hinter den Protesten in Togo setzt darauf, dass Menschen wieder den Mut finden, sich frei zu äußern. Genau das machen sie nun vor.

Der 6. Juni 2025 markiert den Beginn einer neuen Protestbewegung in Togo. Vor allem junge Menschen, die Generation Z, erheben ihre Stimme gegen die Zumutungen des Alltags, gegen fehlende Zukunftsperspektiven und gegen das, was für sie eine »ewige Diktatur« geworden ist: die bald 60 Jahre währende Herrschaft der Familie Gnassingbé. Im Interview mit dem südnordfunk erklärt Fovi Katakou, ein Vertreter der Bewegung »Tournons La Page«, warum gerade der 6. Juni zu einem Symbol für den Wunsch nach Freiheit wurde – und welche Rolle soziale Medien dabei spielen, vor allem TikTok.

Hörbeitrag & Skript

 

Wird der Indo-Pazifik endgültig zum Pulverfass?

Mit der Aufrüstungsspirale im südchinesischen Meer steigen auch die geopolitischen Spannungen für die Philippinen

Im Westen wird das Aufrüsten der Volksrepublik China immer wieder gefürchtet. Während über die militärische Supermacht China auch in deutschen Medien diesen Sommer viel berichtet wurde, fällt der Blick nur seltener auf die Nachbarstaaten, die am meisten von der Außenpolitik der Volksrepublik betroffen sind, wie die ASEAN Staaten oder Japan. Das Südchinesische Meer ist ein strategisch und wirtschaftlich bedeutendes Seegebiet und hat sich zu einem gefährlichen geopolitischen Spannungsfeld entwickelt. Japan schraubt wegen der wachsenden Spannungen mit China und Nordkorea seine Verteidigungsausgaben hoch. Und auch die Philippinen sind von der Rüstungsspirale ergriffen. Wird der Indo-Pazifik endgültig zum Pulverfass?

Hörbeitrag & Skript

 

»Die Gefahr, verhaftet zu werden, ist immer da«

Interview mit der Gewerkschaftsaktivistin Toni Huber aus Myanmar

Wie sehen Arbeitskämpfe in einer Militärdiktatur aus? Und was hat die Kampagne »Menstruationsprodukte für alle« mit Lieferketten zu tun? Das erläutert die Gewerkschaftsaktivistin Toni Huber aus Myanmar im Gespräch mit dem südnordfunk. Frauen, die für ihre Rechte als Arbeiterinnen kämpfen, stehen oft am Anfang von Lieferketten, zum Beispiel in der Textilindustrie. In Myanmar stellen sie das aufgrund seiner Intimität oft tabuisierte Thema der Frauengesundheit in den Mittelpunkt einer internationalen Kampagne. Ein weiterer Punkt sind überlange Arbeitstage. Ebenfalls thematisiert wird der Widerstand der Bevölkerung gegen die verhasste Militärdiktatur in Myanmar.

Hörbeitrag


Die Sendung ab Mittwoch zum Nachhören beim südnordfunk.

Stay tuned!

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