Der Letzte Himmel: Alena Jabarine über Palästina

Rezensiert von Josephine Haq Khan

21.10.2025
Veröffentlicht im iz3w-Heft 411

Weihnachten in Bethlehem, Olivenernte in Burin und die Altstadt von Hebron: In ihrem Buch Der letzte Himmel nimmt die deutsch-palästinensische Journalistin Alena Jabarine ihre Leser*innen mit nach Palästina. Jabarine zieht 2020 nach Ramallah im Westjordanland, um dort für eine deutsche Stiftung und als freie Journalistin zu arbeiten. Über die folgenden drei Jahre und ihre Kindheitserinnerungen an die Sommerferien in Palästina berichtet sie anekdotisch in ihrem Buch. So erzählt sie von der Diskriminierung am Flughafen, Besuchen in Siedlungen im Westjordanland und Flüchtlingscamps wie Dheisheh, Protestläufen gegen Zwangsräumungen und abenteuerlichen Fahrten zur al-Aqsa-Moschee. Die Besatzung ist dabei omnipräsent: Die Checkpoints und willkürlichen Verhaftungen gehören zum Alltag. So muss Jabarine miterleben, wie ihr Cousin grundlos von der israelischen Polizei festgenommen wird.

Sie trifft Menschen auf allen Seiten der Zäune und Mauern – ausgenommen Gaza. Denn Jabarine ist Tochter eines sogenannten 48-Palästinensers: ihre Großeltern blieben trotz der Vertreibungen während der Nakba 1948 innerhalb des Staatsgebiets des neu gegründeten Israels. Deshalb hat Jabarines Familie einen israelischen Pass, mit dem sie auch nach Jerusalem und Israel einreisen darf. Nur der Gazastreifen bleibt nach seiner Abriegelung durch Israel 2009 für sie unzugänglich.

Jabarine trifft Menschen auf allen Seiten der Zäune und Mauern

Jabarine spricht zum Beispiel mit Amira Hass, einer jüdisch-israelischen Journalistin. Oder mit Randy, einem PFLP-Mitglied (Volksfront zur Befreiung Palästinas), der während der Zweiten Intifada an einem Selbstmordattentat beteiligt gewesen sein soll. Und mit Hamudy, Samiha und Sami, die in Masafar Yatta versuchen, Kinder auf ihrem Schulweg vor der Siedlergewalt zu beschützen. Sie lernt Menschen kennen, in deren Schlafzimmer sie bei Schüssen in Ost-Jerusalem flieht.

In ihrem Buch vermittelt die Journalistin die Gleichzeitigkeit von Lebensfreude und Fatalismus angesichts der aussichtslosen Situation der Palästinenser*innen. Sie zeigt die menschliche Seite eines komplexen politischen Konflikts, beantwortet aber auch politische Fragen, wie die, warum die meisten Palästinenser*innen mit einem israelischen Pass nicht wählen gehen. Oder warum sie die Palästinensische Autonomiebehörde hassen. Besonders jetzt, während des andauernden Genozids, bei dem bereits über 60.000 Menschen getötet wurden und Gaza in Schutt und Asche liegt, ist das Buch so wichtig. Denn es trägt dazu bei, die Palästinenser*innen nicht als gesichtslose Opfer zu sehen, sondern als Menschen mit einer Geschichte und Würde.

Josephine Haq Khan

Alena Jabarine: Der letzte Himmel. Meine Suche nach Palästina. Ullstein, Berlin 2025. 384 Seiten, 22,99 Euro.

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