Zahnmedizin im Exil
Das Leben von Alfred Kantorowicz
Alfred Kantorowicz war einer der bedeutendsten deutschen Zahnmediziner des 20. Jahrhunderts. Als Professor der Universität Bonn erlebte er eine akademische und persönliche Erfolgsgeschichte. Diese wurde durch die antisemitische Politik der Nationalsozialisten jäh unterbrochen. Im türkischen Exil prägte er die Zahnmedizin der jungen türkischen Republik nachhaltig.
Bewegung und Veränderung bestimmten das Leben von Alfred Kantorowicz von Anfang an: Geboren am 18. Juni 1880 in Posen, zog er bereits als Kind mit seiner Familie nach Berlin. Nach der Schule begann er ein Studium der Zahnheilkunde und arbeitete nach der Approbation als Assistent an einer Polyklinik. Doch dort blieb er nur ein dreiviertel Jahr, denn er wollte weiter studieren – er holte zunächst das Abitur nach und studierte anschließend Medizin in Berlin, München und Freiburg, wo er auch die medizinische Staatsprüfung bestand und promovierte. Bis 1907 war Kantorowicz wieder in Berlin, anschließend in München, als Assistent beim Zahnarzt Otto Walkhoff, der noch vor Hitlers Machtergreifung ein überzeugtes NSDAP-Mitglied werden sollte. Doch da war Kantorowicz bereits weitergezogen. Kantorowicz habilitierte in Göttingen und bekam eine Lehrerlaubnis. Im Januar 1912 hielt er seine Antrittsvorlesung in München und wurde kurz darauf durch königliche Order zum Privatdozenten der medizinischen Fakultät der Universität München ernannt.
Noch während des Ersten Weltkriegs – in dem er freiwillig diente – erhielt Kantorowicz den Ruf an die Universität Bonn. Er übernahm die Leitung des zahnärztlichen Instituts, wurde zum Direktor der Schulzahnklinik und 1923 zum ordentlichen Professor der Medizin ernannt. Innerhalb des Inst