»Sie schufen einen Parallelstaat«
Alpa Shah über Naxaliten
250 Kilometer Strecke, eine Einheit Guerillakämpfer und mittendrin: eine Anthropologin. In »Nachtmarsch«* berichtet Alpa Shah von ihrer Zeit bei den Naxaliten, einer sozialistischen Widerstandsbewegung in Indien.
Nina Piening: Gibt es eine Situation, an die Sie oft denken, wenn Sie sich an den Nachtmarsch erinnern?
Alpa Shah:Es gibt viele, aber die allerletzte hat sich mir besonders eingeprägt. Wir waren nur im Schutz der Dunkelheit unterwegs, weil die Sicherheitskräfte überall waren. Um in der Einheit nicht aufzufallen, musste ich mich als Guerillakämpfer verkleiden. In manchen Nächten sind wir 25 Kilometer gelaufen. In der siebten und letzten Nacht hätten wir vor Sonnenaufgang einen sicheren Wald erreichen sollen, doch waren zu diesem Zeitpunkt immer noch in den Ebenen. Es schien, als wüsste der Kommandant unseres Zuges nicht, wohin er ging. Ich fürchtete, dass er uns absichtlich in die Irre führte. Außerdem hatte sich uns eine Gruppe von Frauen und Kindern angeschlossen. Ich hatte große Angst um sie. Noch etwas anderes passierte in dieser Nacht: Ich schlief beim Gehen ein, schlafwandelte. Ich konnte es nicht glauben, als die Guerillas mir erzählten, dass dies auf den Märschen passiert, aber jetzt weiß ich, dass es möglich ist.
Sie haben sich mit dem Nachtmarsch einer sehr gefährlichen Situation ausgesetzt. Was haben Sie sich davon erhofft?
Als Anthropologin bin ich in einer ganzheitlichen Art der Feldforschung geschult, bei der man versucht, die