Die jüdische Wissenschaftlerin Berta Ottenstein im Exil
Emanzipation in Istanbul und den USA
Die wissenschaftliche Karriere für Frauen war in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein steiniger Weg. Gegen alle Widerstände gelang Berta Ottenstein jedoch ein beachtlicher Aufstieg in der Dermatologie. Als jüdische Wissenschaftlerin musste sie im Jahr 1933 vor dem Nationalsozialismus nach Ungarn und weiter in die Türkei fliehen. Nach Kriegsende migrierte sie in die USA.
Vor 126 Jahren im Jahr 1899 legten die ersten Schülerinnen in Karlsruhe das Abitur ab, die Universitäten Heidelberg und Freiburg öffneten im selben Jahr ihre Türen für Studentinnen. 1911 promovierte die erste Frau in Freiburg, ein Jahr bevor Berta Ottenstein ihr Studium in Erlangen begann. 1914 promovierte sie in Chemie und begann Medizin zu studieren. Zu diesem Zeitpunkt gab es in ganz Deutschland etwa 100 Medizinstudentinnen.
Der nationalsozialistische Rektor der Uni Freiburg Martin Heidegger, sprach sich noch 1927 gegen Frauen in der Wissenschaft aus: »Frauen, die eine akademische Karriere anstreben, sind zwangsläufig Dilettanten. Eine Professur ist nichts für Frauen.« Dennoch habilitierte sich Berta Ottenstein 1931 als erste Frau in Freiburg – kurz bevor der Nationalsozialismus Frauen wieder in die private Sphäre drängte.
Als Frau war sie in Führungspositionen oft unerwünscht
Am 27. Februar 1891 wurde Berta Ottenstein in Nürnberg in eine jüdische Kaufmannsfamilie geboren. Nach dem Abitur 1910 studierte sie Chemie, Physik und Geologie. 1914 erhielt sie in Erlangen die Doktorwürde in Chemie. Nach einem Semester in Oxford kehrte sie, als der Erste Weltkrieg begann, nach Deutschland zurück und studierte in Nürnberg Medizin. 1916 bestand sie das Physikum und promovierte sich 1919 in München mit »summa cum laude«.