Schicht um Schicht - Black History
Der Februar ist Black History Month – seit mittlerweile 100 Jahren wird dieser Monat in den Vereinigten Staaten der Schwarzen Geschichte gewidmet. * Dahinter steht die Motivation Schwarzer Menschen, ihre eigene Geschichte auszugraben und der Welt zu präsentieren – Schicht um Schicht. Der Monat soll Sichtbarkeit schaffen für die Erlebnisse, Errungenschaften, Erkenntnisse und Erfahrungen, mit denen Schwarze Menschen den Verlauf der Geschichte in den Amerikas mitgestaltet haben: Von der Haitianischen Revolution 1804 über die Bürgerrechtsbewegung und Black Lives Matter im Sommer 2013 bis heute. Die Kenntnis der Vergangenheit ist schließlich Grundlage für gegenwärtige und künftige Entwürfe, Visionen, Entscheidungen. Die Geschichten von Widerstand, Erfolg und kulturellem Erbe Schwarzer Menschen sind mehr als Zeugnisse vergangener Zeiten. Indem wir als Gesellschaft die komplexe Historie anerkennen, eröffnen sich Blicke für eine gerechtere, inklusivere Zukunft, die aus den Erfahrungen derer schöpft, die oft übersehen wurden.
Es gibt viel zu lernen über Schwarze Menschen und ihr Handeln in der Demokratie, der Moderne, in weltlichen und menschlichen Beziehungen, in Nationalismus und Internationalismus, zu den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, in Protesten, Freiheitsstreben, Selbstermächtigung und vieles mehr. 100 Jahre und 100 Themen, die erfahren und gewürdigt werden sollten. Jeder Black History Month ist einem bestimmten Thema gewidmet. So kann die Vielseitigkeit Schwarzer Geschichte in ihrer Komplexität sichtbar werden – in einer Gesellschaft, die einen großen Teil ihrer Facetten über Jahrhunderte unsichtbar gemacht hat und bis heute macht.
Die Auseinandersetzung mit afroamerikanischer Geschichte sollte nicht auf einen Monat im Jahr beschränkt sein, denn sie ist ein Teil der amerikanischen Geschichte.
Die Vereinigung zur Erforschung des afroamerikanischen Lebens und der Geschichte (ASALH) * ist dabei zentraler Akteur in der Ausrichtung des Black History Month. Die Mission der Vereinigung ist es, »Informationen über das Leben, die Geschichte und die Kultur der Schwarzen in der globalen Gemeinschaft zu fördern, zu erforschen, zu bewahren, zu interpretieren und zu verbreiten.« So hat der Black History Month im Laufe der Zeit, ausgehend von Bildungseinrichtungen, seinen Einzug in die breitere Gesellschaft gefunden. Seither ist die öffentliche Akzeptanz für das Eintauchen in diese Geschichte gestiegen. Auch in Kanada, Großbritannien, Irland und weiteren Ländern wird der Black History Month zelebriert.
In den USA ist der Black History Month mittlerweile nicht nur durch verschiedenste Veranstaltungen, Festlichkeiten und Bildungsprogramme, sondern sogar durch Produktwerbung fest in der amerikanischen Gesellschaft verankert. Doch diese Verankerung rostet. Ausgelöst durch erstarkenden Rassismus und Demokratiefeindlichkeit, durch einen Präsidenten, der kollektives Erinnern überflüssig findet, der Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionsprogramme als »Diskriminierung« bezeichnet und dafür die Gelder streicht, wird es immer schwieriger, sichtbar zu bleiben.
In diesem Jahr, dem Jahr des einhundertjährigen Bestehens des Black History Month, ist das politische Klima der USA mehr als feindlich gegenüber solch einem Erinnern. 2025 bewahrte Donald Trump noch die Tradition und richtete im Weißen Haus einen Empfang zum Black History Month aus. Wie wird es dieses Jahr sein?
In diesem Dossier soll es nicht um einen weißen Mann gehen, der uns allen das Leben schwer macht. Für ein Jahrhundert der Gedenkfeiern zur Schwarzen Geschichte, »A Century of Black History Commemorations« , sind wir in unser Textarchiv eingetaucht und haben euch hier unsere Fundstücke zusammengestellt. Denn es ist wichtig, wie die ASALH schreibt, »in diesem Jahr, in dem wir auch den 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten begehen, nicht nur eine inklusive Geschichte zu erzählen, sondern eine genaue. Noch nie war es notwendiger als jetzt, die Rolle des Black History Month zu betrachten, da demokratieüberdrüssige Kräfte versuchen, mithilfe von Gesetzen und Bücherverboten die Geschichte der Schwarzen aus den amerikanischen Schulen und der öffentlichen Kultur zu verbannen. Der Wert der Schwarzen Geschichte liegt nicht in ihrem Beitrag zu den gängigen Geschichtsnarrativen, sondern in ihrer Resonanz im Leben Schwarzer Menschen.«
die redaktion, 31. Januar 2026