Eine Chagga-Delegation besucht 1889 Berlin
Koloniale Verflechtungen
Im Kolonialzeitalter trafen wiederholt Delegationen aus den deutschen Überseegebieten in der Reichshauptstadt Berlin ein. Wurden ihre Emissäre mit Respekt empfangen? Ein aufsehenerregender Fall ist die Chagga-Delegation des Mangi Rindi aus Moshi, die im Jahr 1889 in Berlin weilte. Die Chagga im heutigen Tansania und die Deutschen verbindet eine verflochtene, in Vergessenheit geratene Geschichte.
Man schreibt den 20. Mai 1889. Im Vestibül des Portal I des Berliner Schlosses wird zur Mittagszeit Otto Ehrenfried Ehlers (Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft und Chef der Station Moshi in der Kolonie Deutsch-Ostafrika) zusammen mit der Chagga-Gesandtschaft des Mangi Rindi von Kaiser Wilhelm II. empfangen. Mangi Rindi – die Deutschen nennen ihn »Sultan Mandara« – residiert in Moshi, gelegen an den Südhängen des Kilimandscharo. Zu seiner Abordnung gehören vier Chagga mit den Namen N’dasha, N’dura, N‘degarisha und Ravira, letzterer ein Vetter des Königs. Begleitet werden sie von dem Übersetzer Ali bin Hamdi. Die vier Männer führen – gekleidet mit Lendenschurz und Federschmuck sowie Speer, Schwert, Keule, Schild – Gesänge und Tänze vor der kaiserlichen Familie und weiteren Mitgliedern des Hofstaates auf. Es werden Geschenke ausgetauscht. Der Kaiser erhält einen riesigen Elefantenstoßzahn, während er den Gesandten Ringe und andere Kleinodien überreicht. Zum Abschluss der Audienz werden Fotos im Schlosshof aufgenommen.
Die Presse berichtet
Reichsweit ist der Presse die Begegnung am Berliner Hofe – sowie auch der Auftritt bei Reichskanzler Bismarck im Garten der Reichskanzlei – eine ausführliche, zum Teil mit Illustrationen versehene Berichterstattung wert. {{note::siehe u.a. Anonymous: Die Kiliman-Ndscharo-Gesandtschaft in Berlin, in: Über Land und Meer, 31. Jg.,