Multilateral oder militärisch?
Chinas Strategie im Kontext globaler Machtverschiebungen
Die USA, die Russische Föderation und die Volksrepublik China sind die drei ‚Großen‘, die derzeit um eine neue Weltordnung ringen. Dabei propagiert China die Vision einer friedlichen, regelbasierten Weltordnung. Beim genauen Hinsehen zeigt sich jedoch mitunter ein anderes Bild.
Ob Wladimir Putins fortdauernder Angriffskrieg gegen die Ukraine, Donald Trumps Drohungen gegenüber Grönland und völkerrechtswidrige Angriffe gegen Venezuela oder Xi Jinpings rhetorische und militärische Drohgebärden gegenüber der de facto unabhängigen Demokratie Taiwan: Ein Blick auf die multiplen geopolitischen Krisen und Konflikte offenbart, dass die Welt sich in einem Zustand der Unordnung befindet. Vermeintliche Gewissheiten hinsichtlich einer regelbasierten globalen Ordnung bröckeln. Die seit Ende des Kalten Krieges US-dominierte und lange Zeit primär durch Russland herausgeforderte Ordnung wandelt sich derzeit in eine multipolare Weltordnung, in der die Bedeutung von Regeln und Normen rasant erodiert.
Während sich allerdings Russland militärisch in der Ukraine aufreibt und die USA angesichts des Verlusts jeglichen (geo-)politischen Kompasses nicht nur erratisch, sondern auch schamlos völkerrechtswidrig agieren, profitiert die Volksrepublik China. Denn die chinesische Führung weiß das kurzsichtige Agieren der beiden ehemals dominierenden Großmächte erfolgreich für den eigenen globalen Machtausbau zu nutzen, indem sie erkennbar strategisch und effektiv an der konkreten Umsetzung der eigenen geopolitischen Vorstellungen arbeitet. Während sich Putin und Trump in blindem militärischem Aktionismus verlieren, setzt Xi explizit auf die internationale Verbreitung einer auf dem Papier friedlichen und auf internationalem Recht basierenden Vision einer neuen Weltordnung. Zugleich wird dieses Narrativ