»Unsere schwarzen Landsleute«?
Kommen drei Kameruner nach Deutschland…
Um 1900 waren Menschen mit afrikanischen Wurzeln im Deutschen Reich eine Seltenheit. Die meisten von ihnen kamen als Arbeitskräfte oder Missionsschüler. Schwarze Angehörige bei den Seestreitkräften waren eine Ausnahme. Deshalb erregten drei bei der deutschen Marine tätige Matrosen aus Kamerun eine erstaunliche mediale Aufmerksamkeit. In den Quellen des Jahres 1886 spiegelt sich die Exotisierung der Afrikaner wider. Sie erscheinen als die »Anderen«, denen mit einer Mischung aus Faszination und Abwehr begegnet wurde.
Für gewöhnlich sorgen Matrosen, die ihr Schiff für einen Besuch an Land verlassen, nicht für Schlagzeilen. Als aber im Mai des Jahres 1886 drei aus Kamerun stammende Matrosen der kaiserlichen Marine in Kiel an Land gehen, ist dies einigen Tageszeitungen und illustrierten Unterhaltungsblättern eine Meldung wert. Die Presse berichtet vor allem über den Besuch, den die drei Männer der Reichshauptstadt Berlin abstatten.
In einem Kieler Fotostudio werden Aufnahmen von den in ihren Marineuniformen gekleideten Kamerunern gemacht. Die Atelieraufnahmen zeigen die »ersten Kameruner Freiwilligen« namens Mbuele, Mpako und Eudeme. Mbuele (auch Bumla genannt) soll der Neffe des bekannten King Aqua gewesen sein. Die Tellermütze der Matrosen trägt den Namen ihres Schiffes S.M.S. Hansa, auf dem sie hauptsächlich an der Takelage ausgebildet werden. Die in Kiel liegende Korvette dient zu der Zeit als Wachschiff und kreuzt als Maschinisten- und Heizer-Schulschiff auf der Ostsee.
Ohne einen überheblich-rassistischen Tonfall kommt die Berichterstattung über die Kameruner Marineangehörigen nicht aus. Abfällige Bezeichnungen über ihr Äußeres verbinden sich mit gönnerhaften Bemerkungen über ihre »große Intelligenz«, da sie »schon ganz gut Deutsch« sprechen und die Uniform