Das Buchcover ist illustriert mit einer Kugel, die vermutlich die Welt symbolisieren soll. Darum herum sind strahlenförmig angeordnet verschiedenfarbige Silhouetten.

Ein unvollendetes Projekt

Feminismus gegen Autoritarismus

Rezensiert von Costanza Morreale

03.08.2026
Veröffentlicht im iz3w-Heft 416

»Für diese Frauen war der Stift ein Schwert, mit dem sie ihren Kampf gegen patriarchale Gewalt und staatliche Repression führten«

In The Future That Was. A History of Third World Feminism Against Authoritarianism (dt. »Die Zukunft, die war. Eine Geschichte des Dritte Welt Feminismus gegen den Autoritarismus«) erzählt die Autorin Durba Mitra eine Ideengeschichte der feministischen Bewegung in der sogenannten Dritten Welt. Schon der Titel des Buches lässt erahnen, worum es der Autorin geht: Von den einge­forderten Rechten wurden noch nicht viele erreicht. Doch der Kampf der Frauen gegen anti­demokratische Tendenzen mit Hilfe von Wissens­produktion könnte heute noch wirksam sein.

Feministische Netz­werke gegen Auto­ritarismus

Mitras Buch zeichnet Ereignisse innerhalb feministischer Bewegungen nach, die sich in den 1970er und 80er Jahren in Asien, Afrika und der Karibik entwickelten. Die Frauen dieser Bewegungen – im Text als »Third World Women« (Dritte-Welt-Frauen) bezeichnet – haben internationale Netzwerke aufgebaut und in ihren Ländern aktiv gegen den Autoritarismus gekämpft. Die Autorin unterstreicht auch die Ambiguitäten des Dekolonisierungsprozesses in der Dritten Welt, die Rolle der Vereinten Nationen und NGOs sowie die Schwierigkeiten, auf die Frauen im internationalen Kontext stießen, um Anerkennung für ihre Forschung zu erhalten. Dritte-Welt-Frauen wurden oftmals eher als Informantinnen denn als Forscherinnen betrachtet. Ihre Projekte waren oft unterfinanziert und UN-Meetings konnten sie selten selbst organisieren. Sie nahmen dennoch teil, um global sichtbar zu sein, organisierten Proteste und Parallelkonferenzen.

Sie nahmen dennoch teil, um global sichtbar zu sein

In fünf Kapiteln betrachtet Mitra die verschiedenen Aspekte der Bewegung: Konferenzen, Berichte, Organisationen, Bücher und Proteste. Die Struktur und der klare Stil machen den Text auch für Nicht-Expert*innen leicht zugänglich; Bilder unterstreichen die Botschaft des Textes. Globale Ungleichheit, Menschenrechte und Entwicklung sind nur drei Themen, um die sich ihre Debatten drehen. Genau wie bei den Feministinnen der Dritten Welt steht im Zentrum von Mitras Werk eine epistemologische Forschung, die traditionelle Interpretationen herausfordert. Aus diesem Grund ist das Buch empfehlenswert für Leser*innen, die eine Interpretation abseits von Konventionen suchen – und auch für alle, die sich emotional berühren lassen möchten, angesichts des Mutes derer, die für eine bessere Welt kämpfen.

Constanza Morreale

Durba Mitra: The Future That Was. A History of Third World Feminism Against Authoritarianism. Princeton University Press, New Jersey, 2026. 339 Seiten, ca. 35 Euro.

Informationsbüro Nicaragua e.V. (Hrsg.): Sandinistische Revolution und internationale Solidarität. Kontinuitäten und Brüche einer fünfzigjährigen Beziehung. Nahua-Script 20, Wuppertal 2026. 196 Seiten, 10 Euro.

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