Erbe der Kulturrevolution in China
Xi Jinpings Kulturpolitik
Die Volksrepublik China begreift sich in einem globalen Wettstreit mit dem westlichen Modell. Die chinesische Führung setzt dabei auch auf das Erbe der Kulturrevolution.
Am 16. Mai 1966 erließ das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) ein denkwürdiges Rundschreiben. Es verkündete den Beginn der Großen Proletarischen Kulturrevolution. Sie solle alle »dekadenten ideologischen und kulturellen Bastionen« der Bourgeoisie sowie die letzten feudalen Relikte hinwegfegen. So begann vor 60 Jahren eine der umstrittensten Massenkampagnen des 20. Jahrhunderts. Angestoßen wurde sie vom »Großen Steuermann« der KPCh, Mao Zedong. Die zunehmend radikale, oft auch gewaltsame Bewegung sollte die junge Generation gegenüber kapitalistischem Gedankengut immunisieren und das Erbe der Revolution, die 1949 zur Gründung der Volksrepublik führte, weitertragen. Für die globale Linke wurde die Kulturrevolution vielfach ein Vorbild, allerdings oft in romantisierter Überhöhung der harschen chinesischen Realitäten.
Sechs Jahrzehnte später ist die Kulturrevolution nur noch eine Randnotiz der offiziellen Parteigeschichtsschreibung. Die damalige Jugend sitzt heute jedoch an den Schaltstellen der Macht. Staatspräsident Xi Jinping selbst betont, trotz der Schikanierung seiner Familie zu Zeiten der Kulturrevolution, den heroischen Charakter jener turbulenten Jahre, die wahre Führer hervorgebracht habe. Bis heute ungebrochen ist die Bedeutung, die der Kultur als treibende Kraft politischen und sozialen Wandels beigemessen wird. Doch an die Stelle der angestrebten Schaffung des revolutionären Bewusstseins mittels »Kritik und Selbstkritik« ist heute ein essentialistischer Grundtenor getreten, der die einzigartigen »kulturellen Gene« Chinas als Ressource im globalen Wettstreit mit dem westlichen M