Protestkundgebung für ein freies Eritrea in San Francisco, Demonstrierende fordern einen Regimewandel.
Protestkundgebung für ein freies Eritrea in San Francisco | Foto: Steve Rhodes CC BY-NC-ND 2.0

Eritreische Differenzen

Wie sich ein ostafrikanischer Konflikt in Europa entlädt

Ausschreitungen bei sogenannten Eritrea-Festivals in Deutschland und Europa, radikale Diaspora-Gruppen und ein undurchsichtiger Machtkampf: Die Frontlinie zwischen Diktatur und Opposition in Eritrea hat sich transnationalisiert. Wer verstehen will, warum sich junge Exil-Eritreer in europäischen Innenstädten mit Polizei und politischen Gegnern anlegen, muss in die Geschichte der Region eintauchen.

von Mariam G. Ghebregergis

18.08.2025
Veröffentlicht im iz3w-Heft 410

In Städten wie Gießen oder Stuttgart, aber auch in Stockholm, Zürich oder Den Haag kam es zu massiven Ausschreitungen bei sogenannten »Eritrea-Festivals«. Diese werden zumeist von regimetreuen Exil-Eritreer*innen organisiert und stehen unter dem inoffiziellen Schutz der autoritären Regierung in Asmara. Ihre Gegner*innen – häufig junge, militante Aktivist*innen – versuchen diese Veranstaltungen zu stören oder zu verhindern. Das Ergebnis sind tumultartige Szenen, brennende Mülltonnen, Verletzte und eine ratlose Polizei. Ein Hintergrund ist die Aktivität der oppositionellen Bewegung Brigade N’Hamedu, auch bekannt als »Blue Revolution«. Jüngst erfolgten Razzien bei mutmaßlichen Mitgliedern in Deutschland und Dänemark. Dabei ist selten klar, wer hier Täter oder Opfer ist und wer wen provoziert hat.

Die Mitglieder der Brigade N’Hamedu sehen sich nicht als Straftäter*innen, sondern als Widerstandskämpfer*innen gegen eine brutale Diktatur, die sie auch in der Diaspora als Bedrohung erleben. Bei der Brigade handelt es sich um eine international vernetzte Bewegung, deren Ziel laut dem britischen Ableger die Zerschlagung des eritreischen Regimes ist. Eritrea, ein Küstenstaat am Roten Meer im Horn von Afrika, gilt als eines der repressivsten Länder der Welt. In globalen Rankings wie für Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit oder Menschenrechte belegt das Land unter Präsident Isayas Afewer

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