Militarisierung und Gender
Feministische Perspektiven auf globale Machtstrukturen
Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine befindet sich die Militarisierung weltweit in einem steilen Aufwärtstrend. Feministische Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen warnen vor der Militarisierung und ihren schädlichen Auswirkungen.
Militärs auf der Pride?
Queere und FLINTA-Personen rückten in den letzten Jahren in militärischen Diskursen verstärkt in den medialen Fokus. So warfen Social-Media-Berichte über offen queere Menschen und männliche Drag-Künstler, die gegen russische Truppen in der Ukraine kämpften, ein positives Licht auf die ukrainischen Streitkräfte – ein weiteres Merkmal, um sich von den Feinden zu distanzieren. Armeen, die sich als LGBTQI+ freundlich darstellen, präsentieren sich als moderne und aufgeschlossene Institutionen.
Tatsächlich nehmen Armeen westlicher Staaten seit den 2000er Jahren an Veranstaltungen wie Pride-Events oder dem CSD teil. Dieses Rainbow-Washing – also die breite Demonstration von Anerkennung und Unterstützung für ihr LQGBTQI+ Personal und LGBTQI+ Rechte – um sich als ‚zivilisiertere‘ und fortschrittlichere Militärs zu präsentieren, ist kein neues Phänomen. Es verschleiert jedoch die Realität: Die institutionellen Strukturen bleiben patriarchal, hierarchisch und exkludierend, während gleichzeitig Gendernormen, Hierarchien und militärische Machtlogiken weiter reproduziert werden.
Oft sind solche Inszenierungen eng verwoben mit neokolonialen Untertönen und diskursiven Praktiken des Othering – der Konstruktion eines fremden Anderen. Othering funktioniert in diesem Fall über die dichotome Gegenüberstellung eines ‚zivilisierten, LGBTQI+ freundlichen Militärs‘ (und damit eines zivilisierten Staates und einer zivilisierten Gesellschaft) zu ‚barbarischen, LGBTQI+ und frauenfeindlichen Militär