
Verborgene Akteurinnen
Die Rolle von Frauen im Islamismus wird unterschätzt
In islamistischen Netzwerken sind Frauen maßgeblich beteiligt an der Weitergabe von Ideologie und an der Stabilisierung transnationaler Strukturen. In der Präventionsarbeit in Deutschland, in der politischen Debatte, sowie in der Linken bleibt das oftmals unbeachtet.
Islamistische Bewegungen in Deutschland sind weder isoliert, noch rein nationalstaatlich zu betrachten. Vielmehr sind sie eingebettet in transnationale Netzwerke, deren Strukturen von Ideologie, Mobilisierung und strategischer Anpassung geprägt sind. In der öffentlichen Wahrnehmung dominieren dabei meist Männer. Sie sind es, die als Prediger auftreten, als Ideologen das theologische Fundament liefern oder als gewaltbereite Dschihadisten für Terroranschläge verantwortlich sind. Diese einseitige Fokussierung auf männliche Akteure greift jedoch zu kurz, denn sie blendet die zentrale Rolle aus, die Frauen in diesen Netzwerken spielen. Dabei sind es gerade ihre oft im Verborgenen stattfindenden Aktivitäten, die zur Stabilität islamistischer Strukturen beitragen und deren transnationale Verflechtung stärken.
Die meisten Islamist*innen radikalisieren sich in Deutschland selbst
Frauen in islamistischen Bewegungen nehmen häufig eine Doppelrolle ein: Sie agieren sowohl innerhalb familiärer und religiöser Netzwerke als auch in digitalen Räumen, um islamistische Ideologien weiterzugeben, Gleichgesinnte zu mobilisieren und Nachwuchs zu rekrutieren. Dabei sind sie keineswegs nur passive Mitläuferinnen oder Opfer patriarchaler Strukturen, sondern vielfach aktive Akteurinnen, die bewusst zur ideologischen Radikalisierung beitragen. Insbesondere in dschihadistischen Kreisen wurden Frauen in den vergangenen Jahren vermehrt als Propagandistinnen und Rekrutiererinnen sichtbar. Ein bemerkenswertes