Herbert Marcuses Kritik der Konterrevolution
Einmal Kulturrevolution und zurück
Womit haben wir es heute zu tun, wenn Nationalist*innen die Regierung übernehmen, wenn Linksliberale reden wie die Rechten und das offensichtlich nicht erkennen? Ist es ein Backlash gegen die Errungenschaften der Neuen Linken um das Jahr 1968? Wie wurde die Frage damals verhandelt und wie ist es heute?
Präsident Donald Trump will in seiner zweiten Amtszeit den Marxismus ausmerzen, er und die Mitglieder seines Kabinetts sehen die Medien, die Schulen und Hochschulen vom Kulturmarxismus unterwandert. US-Vizepräsident Vance bezeichnet die Universitäten als Feinde: Mit dem Vorwand, sie seien antisemitisch, werden ihnen Forschungsgelder gestrichen, den Studierenden Visa entzogen, wird in die Lehre und Forschung eingegriffen. In den USA ebenso wie in Deutschland wird von Konservativen die Sexualisierung der Kinder beklagt, wenn diese darüber aufgeklärt werden, dass es Schwule, Lesben und Transpersonen gibt. Es stößt auf Abwehr, dass auch die erotischen Praktiken oder die geschlechtliche Identität gewählt werden könnten. Aber ist es nicht ein wunderbares Freiheitsrecht, dass die Natur nicht einfach von ewigen Naturgesetzen bestimmt wird und deswegen der eigene Körper und die eigene Identität nicht als das Unverfügbare zu gelten haben?
Autoritäre Zeitenwende heute
Die Rechte stellt sich einem ganzen Kranz von emanzipatorischen Praktiken entgegen. Das gilt nicht allein mit Blick auf Geschlechterverhältnisse. Sie sieht in der wissenschaftlichen Forschung und den Geltungsansprüchen auf Wahrheit einen Feind, die Medizin, die Arbeitsmarktstatistik werden angegriffen, ebenso die Medien und Journalist*innen, Schwarze, Migrant*innen und Geflüchtete . Die autoritären Kräfte leugnen die Ergebnisse der ökologischen Forschung in ihren vielen Dimensionen – also etwa Klimawandel, Verän