Regression und Revolte
Herbert Marcuses Kritik der Konterrevolution
In der Schrift »Konterrevolution und Revolte« (1972) stellt der Philosoph Herbert Marcuse eine Tendenz zur präventiven Konterrevolution fest, welche die Geschichte des Kapitalismus durchzieht. Doch er sieht auch Widerstände gegen die kapitalistische Gesellschaftsorganisation. Das könnte uns helfen, die faschistische Tendenz von heute zu verstehen – und darüber nachzudenken, wie eine nicht-faschistische Lebensweise aussehen kann.
Warum spricht Marcuse von »Konterrevolution und Revolte«? Er spielt dabei auf Friedrich Engels‘ Verwendung des Begriffs an und auf das Buch »Dynamics of Counterrevolution in Europe, 1870-1956« seines Freundes, dem amerikanischen Historiker Arno Meyer. Für Marcuse ist die Konterrevolution kein Ereignis, sondern eine langfristig vorhandene Tendenz in kapitalistischen Gesellschaften.
Die Konterrevolution ist eine permanent vorhandene Tendenz
Diese Annahme halte ich auch heute noch für sehr produktiv, denn sie korrigiert eine Haltung, die man in vielen Forschungen zu Rechtsextremismus und im Journalismus beobachten kann; und durchaus auch in modernisierungssoziologischen Spielarten der Kritischen Theorie. In diesen Darstellungen entwickelt sich die Moderne hin zu mehr Demokratie, Aufklärung, öffentlicher Diskussion und sorgsamerer Erinnerungskultur. Dass es eine Rechte gibt, dass es sie immer noch und wieder gibt, erscheint darin wie eine Überraschung. Marcuse stellt dieser Vorstellung das Konzept der Konterrevolution entgegen, die als Tendenz immer in der bürgerlichen Gesellschaft vorhanden ist, aber jeweils unterschiedliche Formen annimmt. Er bezieht sich dabei auf die späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre, die er in »Konterrevolution und Revolte« zeitdiagnostisch als eine Zeit betrachtet, in der präventiv einer m