Assumpta Mugiraneza hält einen Vortrag im Humboldt Forum
Assumpta Mugiraneza aus Ruanda spricht über die Auswirkungen des Kolonialismus und geraubte Cultural Belongings Foto: Frank Sperling

Verflochtene Erinner­ungen

Wie (ausgerechnet) im Humboldt Forum Erinnerungs­kultur gelingt

Das Projekt »Verflochtene Erinnerungen« setzt sich im Berliner Humboldt Forum mit der Erinnerung an die Shoah und den deutschen Kolonialismus auseinander. Als historischer Ort zählt das Humboldt Forum zu den Ausgangspunkten beider betreffenden Verbrechen. Kann hier eine Erinnerung an den Kolonialismus sowie an die Shoah vermittelt werden, die in die Zukunft weist?

von Patrick Helber und Andrea Scholz

11.06.2025
Veröffentlicht im iz3w-Heft 409

Einem 2024 erschienenen Buch gibt der Historiker Hanno Hochmuth den Titel »Berlin. Das Rom der Zeitgeschichte«. Er meint, wer sich mit der Geschichte der Antike beschäftigt, muss nach Rom reisen, aber wer wichtige historische Ereignisse des 20. Jahrhunderts, wie den Zusammenbruch des deutschen Kaiserreichs, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, den Holocaust, die deutsche Teilung oder den Mauerfall verstehen möchte, macht sich nach Berlin auf.

Wenn Berlin das Rom der Zeitgeschichte ist, ist das Humboldt Forum das Kolosseum. An keinem anderen historischen Ort in Deutschland verflechten sich so viele zeitgeschichtliche Diskurse. Möglich wurde die Teilrekonstruktion des Berliner Schlosses, das heute das Humboldt Forum beherbergt, durch den Lobbyisten Wilhelm von Boddien, durch einen Bundestagsbeschluss von 2002 und durch einen Freundeskreis, der nicht vor Spender*innen aus der extremen Rechten zurückschreckte. Das imposante Schlossgebäude im Zentrum Berlins ist nicht nur ein Veranstaltungsort oder Museum, sondern auch ein konstruierter Erinnerungsort. Es ist eine Arena zur Aushandlung gesellschaftlicher Diskussionen.

Als Macht­ort stand das Schloss für anti­demokratische Politik, Imperialis­mus, Militarismus und Antisemitis­mus

Bereits vor seiner Eröffnung stand das Humboldt Forum aufgrund seines unreflektierten Umgangs mit den Exponaten aus den Beständen des Ethnologischen M

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