Kapitalismus an seinen Grenzen
Kollaps und imperiale Lebensweise
Zwischen Klimakollaps, wachsendem Ressourcenverbrauch und den Grenzen des »grünen Kapitalismus« gerät die wachstumsabhängige Ökonomie zunehmend unter Druck. Kann Degrowth eine realistische Antwort auf die globalen ökonomischen und ökologischen Krisen sein?
Die Debatte um Degrowth bzw. Postwachstumsökonomie existiert zwar seit den 1970er Jahren, nahm jedoch nach der Wirtschaftskrise 2008 wieder an Fahrt auf. Im Licht der Politisierung der ökologischen Krise lautete die herrschende Antwort »grünes Wachstum« oder »grüne Ökonomie«. Daran gab es schon früh Kritik, denn der grüne Kapitalismus ist mit vielen Ausschlüssen verbunden: Er ist klassenbasiert im Norden, patriarchal und rassistisch; neokolonial im Nord-Süd-Verhältnis und er wird die Klimakrise nicht effektiv bearbeiten. Dennoch hatten in den 2010er Jahren die Kräfte des »grünen« Wachstums durchaus Rückenwind. Deutlich wurde das an zunehmenden Investitionen in erneuerbare Energien, die einen gewissen Legitimationsdruck auf das fossile Kapital ausübten. Die Bewegung für Klimagerechtigkeit und der European Green Deal der EU-Kommission ab Ende 2019 bestärkten dies weiter.
Imperiale Lebensweise als Hindernis
Markus Wissen und ich haben nicht zufällig in der Krise von 2008 angefangen, den Begriff »imperiale Lebensweise« auszuarbeiten. Die Frage war: Warum wird das in der Krise mobilisierte öffentliche Geld zur Stabilisierung der Wirtschaft nicht für den notwendigen sozial-ökologischen und international einigermaßen gerechten Umbau genutzt, obwohl die Probleme klar sind? Es hat nicht nur etwas mit Profiten, Kapitalinteressen, staatlichen Politiken und den entsprechenden Machtverhältnissen zu tun – sondern auch mit dem Arbeits- und Lebensalltag von Menschen. Das Imperiale (nicht das Imperialistische) d