Ein Interview mit der Künstlerin Jasmine Tutum
»Ich sehe uns alle als lebende Archive«
Die jamaikanisch-gabunesische Künstlerin Jasmine Tutum arbeitet mit Performance, Klang, Poesie, Installation und kuratiert. Worum es ihr bei ihrer Kunst geht, warum der Umgang mit Hass wie ein Muskel trainiert werden kann und eine Schwarze Frau immer auch Lehrerin ist, darüber sprach sie im Interview mit unserer Autorin Mathea Klöpfer.
iz3w: Du bist in Tokio geboren und in Kanada und Kingston, Jamaica aufgewachsen. Seit 18 Jahren lebst Du jetzt in Freiburg. Wie haben dein multikultureller Hintergrund und deine Erfahrungen deine kreative Identität geprägt?
Jasmine Tutum:All diese Erfahrungen haben meine Kreativität und Kunst bereichert. Es gibt so viele Fragen, wie zum Beispiel: Wer bin ich? Es war nie nur meine jamaikanische Identität, nur meine gabunische Identität oder meine Erfahrung, als junge Frau in Japan zu leben. Ich musste immer auf verschiedene Teile verschiedener Kulturen zurückgreifen, um zu sehen, wer ich an diesem Ort und zu dieser Zeit bin.
Inwiefern bereichert dich deine Kunst, inwiefern fordert sie dich heraus?
Kunst schaffen ist immer eine Herausforderung, besonders, weil wir als Künstler*innen immer zwischen der Suche nach Fördermitteln und der Arbeit selbst hin- und hergerissen sind. Aber wenn ich nicht über Fördermittel nachdenke und mich nur auf meine Arbeit konzentriere, erfüllt mich das sehr. Auch weil es viele gibt, die denselben Weg gehen wie ich, die ich in meinen Denkprozessen betrachte. Das passiert nicht nur auf der theoretischen Ebene, sondern ich setze es in die Praxis um: Ich setze meinen Körper ein und verkörpere so Theorie, eine verkörperte Praxis. Man lernt, dass Sehen, Hören und Imaginieren politische Handlungen sind.
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