Am Ende einer Ära?
Kamerun kriselt vor den aktuellen Präsidentschaftswahlen
Im Oktober stellt sich Kameruns 92-jähriger Präsident Paul Biya wieder zur Wahl. Seit Jahrzehnten schneidet er die politische Ordnung auf seine Präsidentschaft zu. Wie sieht es in dem international wenig beachteten zentralafrikanischen Land aus?
Kamerun ist die größte Volkswirtschaft in der zentralafrikanischen Franc-Zone und mit über 28 Millionen Einwohnenden kein vernachlässigbarer Kleinstaat, und darüber hinaus ist es eine ehemalige deutsche Kolonie (Seite 15). Trotzdem genießt die Republik hierzulande kaum mediale Aufmerksamkeit. Das könnte sich mit den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2025 etwas ändern.
Viele der wichtigsten Charakteristika von Herrschaft in Kamerun haben sich seit Jahrzehnten verfestigt: das Prinzip des Teile und Herrsche, die Entfremdung der anglophonen Minderheit, manipulierte Wahlen, Repression als Antwort auf Protest, Klientelismus und familiale Machtkonzentration im Präsidialamt. Das lässt sich ohne historischen Rückblick nicht verstehen – denn schon die aktuelle Präsidentschaft selbst währt seit über 40 Jahren.
Der Präsident bastelt seine politische Ordnung
Als Paul Biya im November 1982 Staatspräsident wurde, war er gerade 49 Jahre alt. Als Premierminister hatte er vorher aber schon die ganze Palette der Machtinstrumente kennengelernt, die ihm nun zur Verfügung standen. Kaum im Amt überstand er einen blutigen Putschversuch im April 1984 (mit offiziell 70, wahrscheinlich sehr viel mehr Toten) – ein prägendes Ereignis für ihn selbst und für die Bevölkerung. Die Biya anfänglich zugeschriebene Bereitschaft zur Öffnung verschwand. Für das politische Überleben setzte Biya nicht auf die Unterstützung von unten, sondern auf eine loyale Militärführung. Der neue Präsident demonstrierte seine Macht, indem er 1984 den Staatsna