»KI könnte eine neue Schlüsseltechnologie sein«
Interview über KI in der neoliberalen Zeitenwende
Etienne Schneider und Felix Syrovatka sind Herausgeber des Bands »Politische Ökonomie der Zeitenwende. Perspektiven der Regulationstheorie«. Sie interessieren sich für die aktuelle Umbruchsphase des Kapitalismus und ein mögliches neues Akkumulationsregime. Welche Rolle spielt dabei heute KI?
iz3w: Seit es den Kapitalismus gibt, ist er umkämpft. Er durchläuft Entwicklungsphasen und Krisen, wobei sich immer wieder ein fragiles Gleichgewicht eingependelt hat. Sie erklären das mit dem Ansatz der Regulationstheorie. Was hilft sie für die Analyse von Akkumulationsregimen?
Etienne Schneiderund Felix Syrovatka: Der Regulationsansatz betont das Politische in der Ökonomie. Kapitalismus ist in dieser Sichtweise alles andere als ein stabiler Zustand. Der Blick richtet sich auf sehr unterschiedliche politische Szenarien. Es geht im Kern darum, zentrale Widersprüche des Kapitalismus zu regulieren. Das sind immer umkämpfte Prozesse. Damit eignet sich der Regulationsansatz gut, um Umbrüche, in denen wir uns befinden, zu identifizieren. Es geht eben nicht nur um Anpassungen, wie dies die klassisch volkswirtschaftlichen und liberalen Ökonomieansätze betonen, sondern um interessengeleitete Ergebnisse und Machtkämpfe. Der Theorienansatz lädt daher auch dazu ein, über unterschiedliche Phasen kapitalistischer Entwicklung, auch im geographischen Sinne, nachzudenken.
Bei dem Ansatz spielen zwei Begriffe eine bedeutende Rolle: Das Akkumulationsregime und die Regulierungsweise. Das eine ist die ökonomische/technische Formation, das andere die politische Regulierung. Das bekannteste historische Beispiel ist das des Fordismus, als in Westeuropa und den USA nach dem Zweiten W