Verantwortung für alle und alles
Ökosoziale Transformation braucht das kollektive Subjekt
Die Eigenlogiken von Kapital und Staat stehen der Verwirklichung von Postwachstum auf der gesellschaftlichen Entscheidungs- und Handlungsebene entgegen – ebenso wie das wirtschaftsliberal geprägte eigennützige Subjekt. Für Postwachstum braucht es deshalb ein neues, kollektives Subjekt.
Der peruanische Marxist José Carlos Mariátegui lehnt in seinem Hauptwerk »Sieben interpretierende Essays zur peruanischen Wirklichkeit« (1928) eine rein mechanistische, europäisch geprägte Marxismus-Interpretation, welche die Natur nur als Produktionsmittel sehen würde, ab. Stattdessen integriert er eine indigene Perspektive, welche Natur als lebendigen und sozialen Raum begreift. Vor Augen hat er ein Gesellschaftssystem, das auf Gemeineigentum basiert. Der norwegische Tiefenökologe und Philosoph Arne Næss unterschied 1973 im Essay »The shallow and the deep« eine oberflächliche und eine tiefgehende Ökologiebewegung (dazu Cord Riechelmann, iz3w 327). Dabei sucht er nach einem »ökologischen Selbst«, das die Identifikation mit der Natur so weit treibt, dass ihre Zerstörung als Selbstzerstörung empfunden wird. Es geht ihm um ein Subjekt, das die Grenzen zwischen dem menschlichen Ich und der nichtmenschlichen Welt überwindet. Das Konzept Ubuntu aus dem südlichen Afrika betont ebenfalls die Verflochtenheit aller Lebewesen – einschließlich der Natur – als zentrales philosophisches Element. Die kenianische Umweltaktivistin, Professorin für Veterinäranatomie und Friedensnobelpreisträgerin Wangari Muta Maathai sagte im Jahr 2016: »Im Laufe der Geschichte kommt ein Zeitpunkt, an dem die Menschheit dazu aufgerufen ist, auf eine neue Bewusstseinsebene überzugehen.«
Gemeinschaft als Widerspruch
Auch dem kapitalistisch sozialisierten Menschen ist Altruismus und kooperatives Handeln