Korruption in China wird betrieben und bekämpft
Ein Spiel mit zwei Gesichtern
Die Korruptionsrate liegt in der Volksrepublik China trotz ihrer rigiden Bekämpfung im globalen Mittel. Woher kommt das angesichts der hohen staatlichen Regulation aller Lebensbereiche? Und wie stellt sich die Politik gegen die Bestechlichkeit dar?
Die Korruption und ihre Bekämpfung sind essenzielle Themen zum Verständnis des gegenwärtigen China. Zum einen sind korrupte Praktiken wie Bestechung, aber auch Patronage, Nepotismus und Ämterkauf bestimmende Strukturmerkmale des chinesischen politökonomischen Systems. Zum anderen hat sich die verstärkte Antikorruptionspolitik unter der Führung Xi Jinpings (seit 2012) als fester Bestandteil der politischen Ordnung etabliert.
Säuberungen im Machtapparat
Um diesen scheinbaren Gegensatz zu verstehen, bedarf es einer Einordnung. Die Messung von Korruptionsniveaus ist bekanntlich aufgrund des Dunkelfelds schwierig. Daher wird zuerst auf die wahrgenommene oder aufgedeckte Korruption zurückgegriffen. Im Corruption Perception Index (CPI) der Nichtregierungsorganisation Transparency International erreichte China 2025 einen Wert von 43, wobei 0 für den höchsten, 100 für den geringsten Grad an Korruption steht. Damit belegt China Rang 76 von 182 Ländern und liegt in Asien im guten Mittelfeld. Zum Vergleich: Indien CPI 39; Rang 91. Allerdings ist dieser Wert kaum besser als im Jahr 2012 (CPI 39) beim Amtsantritt Xi Jinpings als Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh).
Die gestiegene Wahrnehmung der Korruption hängt mit dem gewachsenen Hellfeld zusammen, da die Zahl der Korruptionsverfahren unter Xi drastisch gestiegen ist. Zwischen 2012 und Mitte 2021 wurden nach offiziellen Angaben 3,74 Millionen Personen disziplinarisch belangt, was einen deutlichen Anstieg