In der Bauruine einer orthodoxen Kirche in Magdeburg prangt eine bunte Installation von Pussy Riot zum Punk-Gebet
Installation zum Punk-Gebet von Pussy Riot in der Bauruine einer orthodoxen Kirche in Magdeburg (2012) | Foto: ericzim CC BY-SA 2.0

Decolonize Osteuropa?

Nationsbildung und Kulturkämpfe in postsozialistischen Ländern

Seit den 2000er Jahren spielen Konflikte um traditionelle Werte, Moral und nationale Identität eine zentrale Rolle in der Politik postsozialistischer Staaten. Dieser Trend in Osteuropa, Südosteuropa und Zentralasien ähnelt dem in den USA und Westeuropa. Aber die Kulturkämpfe im postsowjetischen Raum sind maßgeblich von den Krisen und Konflikten geprägt, die aus dem Zerfall der Sowjetunion entstanden sind.

von Peter Korig

21.04.2026
Veröffentlicht im iz3w-Heft 414
Teil des Dossiers Kulturkampf

Im Jahr 2015 veröffentlichte der russische Musiker Oleg Gazmanov ein Musikvideo mit dem Titel »Vpered Rossija!« (Vorwärts Russland!). Zu Naturszenen, zu historischen Aufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg und zu Bildern von Gefechtsübungen der aktuellen Streitkräfte der Russischen Föderation beschwört der Sänger die Kraft der Nation: »Es ist so, wie seit alten Zeiten / Je stärker der Druck, umso stärker der Beton / Wenn die Nation einer Gefahr gegenübersteht / wird die Heimat zum Monolithen.« Zu Szenen aus orthodoxen, muslimischen und buddhistischen Gottesdiensten fährt er fort: »Möge die Zeit uns wie ein reißender Strom tragen / Russland ist mit uns, das Volk ist mit uns! / Heilig die Traditionen, die Chronik unserer Siege / wird für Jahrtausende bestehen.« Um schließlich in einer Menge junger Frauen und Männer, letztere zum Teil in Uniform, umgeben von tanzenden blonden Kindern zu enden: »Russland, Russland / In diesem Wort ist Feuer und Kraft / In diesem Wort brennt die Flamme des Sieges / Wir erheben die Fahne Russlands.«

Gazmanov hatte seine Karriere als erfolgreicher Rockmusiker in den 1980er Jahren begonnen, feierte 2005 mit dem sowjetnostalgischen Hit »Sdelan v SSSR« (Hergestellt in der UdSSR) einen Riesenerfolg und wurde in den 2000er Jahren zu einem der wichtigsten Unterstützer Wladimir Putins in der russischen Kulturszene. »Vpered Rossija!« erschien drei

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