Das Mädchen mit dem Goldhelm
Die Geschichte der jüdischen Fotografin Yva
Ein Model mit kurzem Zwanziger-Jahre-Haarschnitt, auf ihrem Kopf ein geheimnisvoller Helm. Das Porträt ist Teil einer Serie der jüdischen Fotografi n Yva aus dem Januar 1933. Die Geschichten dieser Fotos und der Frau, die sie schoss, zeugen von den dramatischsten Kipppunkten des 20. Jahrhunderts – und der Verflochtenheit der Erinnerung an Shoah und Kolonialismus.
Am 12. Februar 1933 erscheint in der Berliner Illustrierten die bemerkenswerte Titelstory »Ein interessanter Versuch«. Ihr Highlight: die Bilder der Modefotografin Yva. Sie zeigen junge Frauen mit Bubikopf und freien Schultern beim Modeln mit Schmuck aus dem »Museum für Völkerkunde« in Berlin. Die Zeitschrift ist mit einer wöchentlichen Auflage von 1,8 Millionen Exemplaren die reichweitenstärkste deutsche Zeitung. Yva, so nannte sich die Berliner Jüdin Else Ernestine Neuländer-Simon (1900 – 1942). Sie gehörte zu den renommiertesten Fotografinnen der 1920er- und 1930er-Jahre. Ihre avantgardistischen Porträt-, Mode-, Tanz- und Aktfotos, die sie unter anderem für das Verlagshaus Ullstein anfertigte, prägen bis heute stark das Bild der emanzipierten Neuen Frau in der Weimarer Republik.
Das Titelblatt ziert ein von Yva angefertigtes, experimentelles Schwarzweißfoto mit einer Profilansicht eines weißen Models. Die Inszenierung erinnert an die Büste der Nofretete. Die Frau trägt einen geschmückten Goldhelm und Ohrschmuck, der mit einem Vogelschnabel verziert ist. »Das Mädchen mit dem Goldhelm – ein interessanter Versuch« heißt es in der Bildunterschrift. Blättert man um, ist an oberster Stelle ein großes Foto zu sehen. Es zeigt das erste Kabinett des Reichskanzlers Adolf Hitler, unter anderem mit Hermann Göring. Das Zeitungsblatt ist ein schauriges Zeugnis für den damaligen gesellschaftlichen Zustand in Deutschla