Portrait des Vereinsvorsitzenden des Afrika-Forums e.V. vor dem Mahnmahl zum Gedenken an die Gewalt, die von der Afrika-Konferenz von 1884/85 ausging
Victor Dzidzonou, Vorsitzender des Afrika-Forums e.V., an der Gedenkstele der Afrika-Konferenz von 1884/85, Berlin, Wilhelmstraße 92 | Foto: Joachim Zeller

Diebstahl eines Mahnmals zur Afrika-Konferenz in Berlin

Politische Motive?

An der Gedenktafel zur Afrika-Konferenz in Berlin-Mitte startete jährlich der von diasporischen Gruppen getragene »Gedenkmarsch in Erinnerung an die afrikanischen / Schwarzen Opfer von Versklavung, Handel mit Versklavten, Kolonialismus und rassistischer Gewalt«. Nun ist das Mahnmal nicht mehr da.

von Joachim Zeller

19.02.2026

Seit 2005 stand in der Wilhelmstraße in Berlin ein Mahnmal zur Erinnerung an die Afrika-Konferenz von 1884/85. Anfang Januar dieses Jahres ist das aus Stahl gefertigte Mahnmal spurlos verschwunden. Der Verein Afrika-Forum e.V., der das Denkmal gestiftet hat, erstattete Strafanzeige wegen Diebstahls und Sachbeschädigung gegen Unbekannt.

Keine Demontage angeordnet

Unklar ist, welche Motive die Täter hatten. Waren Metalldiebe am Werk? Wahrscheinlicher sind politische Motive. Vonseiten des Bezirksamtes Berlin-Mitte, Abteilung Straßenbauamt, wurde keine Demontage angeordnet. Unklar bleibt auch, ob ein Zusammenhang mit der Kündigung der Geschäftsräume besteht, in denen zuvor die Mitarbeiter des Projekts »Dekoloniale« untergebracht waren. Sie befinden sich in Sichtweise direkt hinter dem vormaligen Standort des Denkmals. Die im Erdgeschoss liegenden Räume stehen nach wie vor leer. Der Grünstreifen, auf dem das Mahnmal stand, und die Immobilie gehören einem privaten Eigentümer.

Das Denkmal soll so schnell wie möglich wieder aufgestellt werden, um die »schmerzliche Lücke im öffentlichen Gedächtnis« der Stadt zu schließen

Der Verein Afrika-Forum e.V. ist nun darum bemüht, den Verbleib der Gedenkstele zu klären. Das Denkmal soll so schnell wie möglich wieder aufgestellt werden, um die »schmerzliche Lücke im öffentlichen Gedächtnis« der Stadt zu schließen, wie es von Victor Dzidzonou vom Vereinsvorstand in einer Pressemitteilung heißt. Die Gedenktafel war für Schulklassen, Studierende, sowie internationale Delegationen ein Ort der Bildung und der Begegnung. Jährlich startete hier der von diasporischen Gruppen getragene »Gedenkmarsch in Erinnerung an die afrikanischen / Schwarzen Opfer von Versklavung, Handel mit Versklavten, Kolonialismus und rassistischer Gewalt«.

Erinnerung an die Afrika-Konferenz

Das Mahnmal erinnert an eines der zentralen Ereignisse der europäischen Kolonialgeschichte, die berühmt-berüchtigte Kongo-Konferenz von November 1884 bis Februar 1885. Gastgeber war Reichskanzler Otto von Bismarck, der die Vertreter der europäischen Kolonialmächte, der USA und des Osmanischen Reichs in die Reichshauptstadt Berlin einlud. Vordergründig ging es um die koloniale »Erschließung« Zentralafrikas. Aus diesem Grund firmierte das Diplomatentreffen zunächst als Kongo- oder Westafrika-Konferenz, doch hat sich heute der Name Afrika-Konferenz durchgesetzt. Denn es ging um fast den gesamten, 30 Millionen Quadratkilometer großen Kontinent, auf dem die Kolonialmächte ihre macht- und wirtschaftspolitischen Interessen absteckten. Die Gedenkstele wurde in der Wilhelmstraße 92 an der Stelle errichtet, wo sich einst das Reichskanzlerpalais befand, in dem die Konferenzteilnehmer zu ihrer ersten Sitzung zusammentrafen. Die weiteren Sitzungen der Konferenz wurden im Roten Rathaus abgehalten.

Symbol kolonialer Gewalt

Die vertragliche Fixierung für die gegenseitige Anerkennung von Kolonialbesitz, effektive Besetzung genannt, gab damals den Startschuss für den »Wettlauf um Afrika«. Überholt ist der Mythos, in Berlin seien die kolonialen Grenzziehungen vorgenommen worden. Die Schlussakte hielt keine geografischen Teilungsdetails fest. In diesem Sinne war die Berliner Afrika-Konferenz lediglich eine Etappe im Prozess der sich bereits im Gange befindlichen Aufteilung Afrikas. Falsch ist auch die Vorstellung, dass raubgierige Kolonialmächte einem passiven Afrika gegenübergestanden hätten. Ganz im Gegensatz dazu setzten die Menschen in Afrika in den Jahren nach der Berliner Konferenz militärischen Widerstand, diplomatische Dreiecksbeziehungen, Anpassung und Kooperation ein, um dem zunehmenden Einfluss der Europäer zu begegnen. Heute gilt den Afrikaner*innen die Berliner Konferenz als ein Symbol für die koloniale Fremdherrschaft und Ausbeutung ihres Kontinents.

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