Maria Reichenbach im Exil
Unsichtbare Arbeit, sichtbare Wirkung
Die Übersetzerin und Philosophie-Dozentin Maria Reichenbach floh vor dem Nationalsozialismus aus Deutschland – erst nach Sizilien, dann ging sie nach Istanbul und lebte schließlich in den USA. Durch ihre Übersetzungstätigkeit machte sie Forschung und Lehre im Exil überhaupt erst möglich. Als Frau war sie dabei mit besonderen Hürden konfrontiert.
Maria Reichenbach (geb. Moll) wurde 1909 in Berlin geboren und wuchs in einer stark assimilierten Familie mit jüdischen Wurzeln auf. Sie studierte Englisch, Deutsch, Philosophie und Geschichte in Heidelberg und Freiburg. Im Februar 1933 schloss sie in Freiburg ihre Promotion ab. Das gelang ihr buchstäblich in letzter Minute, denn die neue Ordnung des Nationalsozialismus begann gerade, die Universitäten nach Herkunft und Loyalität zu sortieren. Weil die Risiken für ihr Leben und ihre berufliche Zukunft rasch wuchsen, entschied sie sich zur Flucht. Die Verfolgung traf nicht nur ihre Karriere, sondern zerschlug auch ihre Familie. 1939 emigrierte die Mutter nach Brasilien und arbeitete dort in einem kirchlichen Anti-Nazi-Kontext. Der Bruder lebte ebenfalls in Brasilien. 1941 nahm sich ihr betagter, kranker Vater das Leben, um der Deportation in ein Konzentrationslager zu entgehen.
Von Europa in die Türkei
Reichenbachs erster Zufluchtsort war Taormina auf Sizilien, wo sie als Hauslehrerin arbeitete. Das brachte vorübergehende Sicherheit, war aber kein beruflicher Aufstieg, sondern eine Überbrückung. Neun Monate später fasste sie den Entschluss, eine deutsch-jüdische Familie als Kindermädchen nach Istanbul zu begleiten. Mit dieser Entscheidung begann ein neuer Abschnitt ihres Lebens: das Exil am Bosporus. Istanbul war Mitte der dreißiger Jahre ein zentraler Aufnahmeort für aus Deutschland vertriebene Wissenschaftler*innen. Die tür