Die indische Insel Groß Nikobar wird eine Großbaustelle
Im Gewand des Fortschritts
Indien errichtet eine strategische Inselfestung auf den Nikobaren. Ein moderner Hafen, Militäranlagen, Kraftwerke und eine ganze neue Stadt bedrohen die Natur sowie eines der letzten unkontaktierten Völker.
Groß Nikobar, die größte Insel der Nikobaren Gruppe, liegt geografisch näher am indonesischen Archipel als an Indien selbst. Ihre geostrategische Relevanz im Osten des Indischen Ozeans liegt darin, dass sie sich nur 40 Seemeilen entfernt von der Straße von Malakka befindet. Das ist jene Meeresenge, die den Indischen Ozean mit dem Südchinesischen Meer verbindet. Jährlich durchqueren mehr als 90.000 Schiffe diese Schlüsselstelle des Welthandels: Rund 40 Prozent aller global gehandelten Waren und 80 Prozent von Chinas Energieversorgung passieren die Wasserstraße zwischen Indonesien, Malaysia und Singapur.
Derzeit verfügt Indien kaum über Kapazitäten bei Tiefseehäfen. Dadurch ist Indien im Bereich Transshipment, also dem Umladen von Gütern und Containern von großen auf kleinere Schiffe, abhängig von anderen Ländern. Schätzungsweise 75 Prozent des indischen Transshipments findet in Häfen außerhalb des Landes statt, insbesondere im Hafen von Colombo in Sri Lanka sowie in Singapur und Malaysia. Mit einem eigenen modernen Tiefseehafen soll die indische Abhängigkeit beim Umschlag von Seeverkehrsgütern zurückgehen.
Eine Hafenstadt kommt
Der Beseitigung der indischen Misere in der Seehandelsschifffahrt dient das »Greater Nicobar Development Project«: Ein milliardenschweres Projekt zur Errichtung eines Tiefseehafens, Flughafens, Kraftwerken und einer eigenen neuen Stadt. Die Pläne sehen Hotels und Gastronomieeinrichtungen, Wohnungen, Büros und Flächen für den Einzelhandel sowie die öffentliche Verwaltung vor. Industrieparks und ein großer Marineverteidigungsstütz